Das Limmattal braucht die Limmattalbahn. Nur schon deshalb, um die prognostizierte Zunahme des Verkehrs zu bewältigen. Darüber war sich die Gesprächsrunde, die sich am Freitag in Dietikon traf, einig.

Die Limmattalbahn bietet Chancen für die Stadtentwicklung und die Wirtschaft. Auch über diesen Standpunkt gingen die Meinungen auf dem Podium nicht auseinander. Je weiter ins Detail die Diskussion führte, desto klarer traten Differenzen zutage.

Auf Einladung der Stadt Dietikon diskutierten Otto Müller (Stadtpräsident Dietikon), Andreas Flury (Verwaltungsratspräsident Limmattalbahn AG), Hans Egloff (Nationalrat SVP, Präsident des Hauseigentümerverbandes Schweiz und Co-Präsident der Allianz Pro Limmattalbahn), Pierre Dalcher (SVP-Kantonsrat Schlieren) sowie Fredy Hasenmaile (Leiter Immobilien-, Branchen- und Regionalanalyse, Credit Suisse AG) über das geplante Jahrhundertprojekt (siehe Box). Geleitet wurde das Podium von Jürg Krebs (Chefredaktor der Limmattaler Zeitung).

Weichen schon heute stellen

Für sämtliche Beteiligte ist es unbestritten, dass es angesichts einer erwarteten Bevölkerungszunahme von 17 Prozent im Limmattal bis ins Jahr 2030 unabdingbar ist, eine Limmattalbahn zu bauen. Denn, so der Tenor, durch das Bevölkerungswachstum, werde auch der Verkehr zunehmen. «Das heutige Busangebot reicht nicht, für morgen und übermorgen», brachte es Flury auf den Punkt. Damit aber ein nachhaltiges Verkehrsangebot für die Zukunft geschaffen werden könne, müssten die Weichen heute schon gestellt werden, sagte Egloff.

Pierre Dalcher gab zu bedenken, dass die Limmattalbahn darüber hinaus die Chance biete, gleichzeitig flankierende Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr umzusetzen. Für Fredy Hasenmaile ist die Limmattalbahn auch eine Chance für die Wirtschaft. «Es gibt enge Verbindungen zwischen dem Bauen und dem Verkehr», hielt er fest. Otto Müller sieht in der Limmattalbahn gar ein Stadterneuerungsprojekt für Dietikon. Er habe von verschiedenen Grundeigentümern gehört, dass sie bereit wären zu investieren. «Sie wollen aber eine Sicherheit, dass die Bahn auch wirklich kommt», so Müller.

Damit auch die Skeptiker von der Notwendigkeit einer Bahn überzeugt werden können, braucht es noch einige Diskussionen. Dies zeigte sich, als das Gespräch auf die Linienführung der Bahn gelenkt und als später das Publikum miteinbezogen wurde. So beharrt die Stadt Dietikon weiterhin darauf, dass die Limmattalbahn den Bahnhof Dietikon nicht direkt anfährt, sondern an einer neu zu schaffenden Haltestelle im Bereich Sommerau hält. Die Verhältnisse rund um den Bahnhof seien zu eng für eine weitere Bahnhaltestelle, sagte Müller.

Der grösste Grundstückbesitzer im Bahnhofsbereich ist die katholische Kirchgemeinde. Auch sie wehrt sich gegen eine Haltestelle beim Bahnhof und brachte gestern ihre Enttäuschung zum Ausdruck, nie zu Gesprächen mit den Verantwortlichen eingeladen worden zu sein.

Dem widersprach der im Plenum anwesende Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn. Man hätte selbstverständlich mit der katholischen Kirche das Gespräch gesucht, wie mit anderen Grundeigentümern auch. Allerdings sei die Kirche mit ihrem Anliegen zuvorgekommen. Weil der regionale Fahrplan auf den Bahnhof Dietikon ausgelegt sei, komme eine Verlegung der Haltestelle nicht infrage, fügte Flury an.

Auch aus Schlieren, wo vor allem die Linienführung bei den Anwohnern des Spitalquartiers für Unmut sorgt, kam gestern Kritik an der Einbeziehung der Bevölkerung in die Planung. Für Andreas Flury ist jedoch klar, dass ein solches Projekt nur dann realisiert werden kann, wenn man die Betroffenen miteinbezieht. Er sagte aber auch, dass er niemandem böse sei, der bei der öffentlichen Auflage des Projektes einen Einspruch einlege. «Das gehört zu einem Rechtsstaat», so Flury. Die öffentliche Auflage ist auf den 11. November terminiert.