In der Limmat ist der Bachflohkrebs ein heimischer Bewohner. Auf nur einem Quadratmeter finden sich mehrere tausend der zwei Zentimeter grossen Tiere. Alle paar Monate jedoch, erhalten einige der Bachbewohner ein neues Zuhause auf Zeit - im Testbecken der Abwasserreinigungsanlage (ARA) von Limeco in Dietikon. Jeweils acht Bachflohkrebse leben dort in einem eigenen Röhrchen. Seit rund einem Jahr kontrollieren die Tiere so das gereinigte Abwasser und schlagen Alarm, wenn sich giftige Substanzen darin befinden. Indem sie aus ihrer Messstation fliehen wollen, vermelden die schnellen Bewegungen der Bachflohkrebse dem Computer, dass etwas nicht stimmt.

Projektleiter war skeptisch

Die kleinen Lebewesen machen ihren Job so gut, dass das Projekt nun verlängert wird. Christian Bühler, Leiter der ARA Dietikon, hätte das zu Beginn nicht gedacht. «Ich war sehr skeptisch. Schliesslich waren wir weltweit die Ersten, die den Versuch starteten», gibt er zu. Doch schnell habe man gemerkt, dass das Projekt gut anläuft. Der Aufwand des Unterhalts des Beckens sei ebenfalls gering. «Im Prinzip ist die Haltung der Bachflohkrebse vergleichbar mit der von Fischen», sagt Bühler und lacht.

Einmal in der Woche wird das Becken gesäubert und alle zwei Monate werden die Testtiere wieder in der Limmat freigelassen und durch neue Bachflohkrebse eingetauscht. «So können wir einerseits verhindern, dass die Tiere aufgrund von Altersschwäche sterben. Andererseits ist es eine Garantie dafür, dass die Tiere im Testbecken stets gesund sind », sagt Bühler. Auch die Gefahr der Inzucht sei damit aus dem Weg geräumt. Im Durchschnitt wird ein Bachflohkrebs ein Jahr alt.

Leiden müssten die kleinen Tiere während ihrer Zeit in der Messstation nicht, meint Bühler. «Auch in der Natur verstecken sie sich gerne in Steinen und verlassen ihre Höhle nur ungern. Die Bachflohkrebse merken also gar nicht, dass sie anstatt dessen in einem Röhrchen hocken.»

Messstation wird vergrössert

Die Messstation der Bachflohkrebse, die bisher im Gang Platz finden musste, befindet sich zurzeit im Umzug. Die ARA hat sich dazu entschlossen, einen eigenen Raum für die Bachflohkrebse einzurichten und die Anzahl an Messstationen von acht auf 24 zu erhöhen. Auch die moderne Messtechnik, die es ihm erlaubt, jederzeit den gesamten Prozess und das Verhalten der Bachflohkrebse auf einem Monitor mitverfolgen zu können, ist nun im Besitz der ARA. Bisher war sie nur testweise geliehen. Die ARA Dietikon ist dank ihrer Steuer- und Regeltechnik die modernste Anlage Europas.

Dietikon will für die Zukunft gerüstet sein. Noch sei es zwar noch nicht gesetzlich verankert, dass Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser ausgefiltert werden müssen, so Bühler. Doch wenn es so weit sei, wird Dietikon dank der Bachflohkrebse klar im Vorteil sein. Bereits jetzt habe die ARA Dietikon einige giftige Stoffe im Wasser auswerten können. Doch die Tiere können noch mehr: «Sie helfen uns auch, Kosten zu sparen», sagt Bühler. Bewegen sich die Bachflohkrebse im normalen Rahmen, spricht das für gute Wasserqualität. «Das kommt den Steuerzahlern zugute», so Bühler. Schliesslich wolle man sauberes Wasser nicht nochmals reinigen müssen.

Die Konkurrenz zu Besuch

Eine vergleichbare Messtechnik gibt es bisher nicht. «Klar, dass da auch die Kollegen der Abwasserreinigungsanlagen des ganzen Kantons zu Besuch kamen», sagt Bühler sichtlich stolz. Das Interesse sei enorm gross gewesen. Doch auch Privatpersonen führte die ARA gruppenweise zum Testbecken. der Bachflohkrebse Das Abwasserwerk denkt sogar darüber nach, das Projekt mit weiteren Spezies auszuprobieren. «Ich denke da etwa an Bachschnecken oder andere Floharten», so Bühler.