Dietikon

Die Kirche will den «Bären» für 1,7 Millionen Franken verkaufen

Gemäss einer Studie müsste die Bären-Liegenschaft totalsaniert werden. Dies lohnt sich gemäss Kirchenpflege nicht.

Gemäss einer Studie müsste die Bären-Liegenschaft totalsaniert werden. Dies lohnt sich gemäss Kirchenpflege nicht.

Die Liegenschaft mit Wohnungen und Restaurant rechnet sich nicht. Das Gebäude soll für 1,7 Millionen Franken an die Stadt gehen.

Vor einem Jahr hatte die katholische Kirchgemeinde Dietikon noch einen Kredit von 141'500 Franken genehmigt, um eine Totalsanierung der Liegenschaft Bären zu projektieren. Bei dieser Prüfung zeigte sich, dass sich eine Sanierung des Wohnhauses mit Restaurant unterhalb der Kirche St. Agatha nicht lohnt. «Wir müssten mehr Geld für die Instandstellung ausgeben, als wir in den darauffolgenden 20 Jahren an Miete einnehmen würden», sagte Finanzvorstand Patrick Knecht. Die Kirchgemeinde wolle den «Bären» eigentlich nicht weghaben, ergänzte Präsidentin Maria Spielmann. Doch sei es auch keine Kirchenaufgabe, Liegenschaften zu halten, die keinen Ertrag abwerfen. «Wir können das Gebäude schlicht nicht mehr tragen», sagte Spielmann.

Aus diesem Grund will die katholische Kirchgemeinde die 1912 erstellte markante Liegenschaft beim Bahnhof nun nicht mehr sanieren, sondern verkaufen, wie Spielmann und Knecht am Montagabend an der Kirchgemeindeversammlung informierten. Der entsprechende Antrag dürfte der nächsten Versammlung im Juni 2020 vorgelegt werden.

Preis laut Kirche fair, aber im unteren Bereich

Vorgesehen ist ein Verkauf an die Stadt Dietikon. Diese ist grundsätzlich bereit, den «Bären» für 1,7 Millionen Franken zu übernehmen, wie Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) gestern auf Anfrage bestätigte.

Knecht hätte sich einen etwas höheren Verkaufspreis erhofft. «Es ist aber ein faires Angebot, das im unteren Bereich liegt», hielt Knecht fest. Eine grosse Auswahl an Käufern hat die Kirchgemeinde aber auch nicht; Knecht geht davon aus, dass ansonsten niemand Interesse an der Liegenschaft in der öffentlichen Zone hat. Und die Stadt biete Gewähr, dass die Liegenschaft in «einer der katholischen Kirchgemeinde wohlgesinnten Nutzung» bleibe. Deshalb wird die Kirchenpflege den Verkauf beantragen.

Die meisten der 55 Anwesenden, die sich in der Folge zu Wort meldeten, befürworteten die Absicht der Kirchenpflege. Es sei ein Schritt, der vielen vielleicht wehtue, merkte ein Anwesender an. Der Verkauf sei aber richtig, da die Liegenschaft der grösste Risikoposten im Budget sei. Der «Bären» sei in den vergangenen Jahren ein Fass ohne Boden gewesen, sagte ein anderer, der auf die zahlreichen Sanierungen der vergangenen Jahre anspielte. Von einem «Klotz am Bein» sprach eine weitere Anwesende. «Wir sind keine Immobilienfirma.»

Der Ball liegt bei der Kirchgemeinde

Der Verkauf ist im Detail noch nicht unter Dach und Fach, wie sich auf verschiedene kritische Fragen zeigte. So ist etwa noch nicht abschliessend geklärt, wie es mit der Unterniveau-Garage weitergehen soll. Gemäss Knecht soll diese nicht verkauft werden, doch ob beispielsweise Dienstbarkeiten für Bären-Abstellplätze errichtet werden, sei noch offen. Bis zur nächsten Kirchgemeindeversammlung sollte dies alles geklärt sein.

Deshalb wartet auch die Stadt gemäss Stapi Bachmann vorerst ab. Der Ball liege bei der Kirchgemeinde, die letztlich darüber entscheiden müsse, ob sie die Liegenschaft verkaufen will oder nicht. Dietikon habe am «Bären» ein grundsätzliches Interesse: «Wir sind derzeit im Gespräch mit den SBB, was die künftige Gestaltung des Bahnhofareals anbelangt», sagt Bachmann. In diesem Perimeter liege auch das Wohngebäude mit Restaurant der Kirchgemeinde, weshalb es aus städtebaulicher und strategischer Sicht interessant sei. Zudem komme ihm als erstem Dietiker «Hochhaus» auch ein historischer Wert zu.

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