Kids Jazz Club in Urdorf
«Die Kinder lernen hier die Musik nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen kennen»

Bei der Probe des Kids Jazz Club in Urdorf stehen das Ausprobieren und die gemeinsame Freude an der Musik im Mittelpunkt.

Cynthia Mira
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 Nicole Johänntgen zeigt bei der Probe spielerische Rhythmen an der Trommel.
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Nicole Johänntgen zeigt bei der Probe spielerische Rhythmen an der Trommel.

Cynthia Mira

Die Vorfreude auf eine ganz spezielle Musikstunde ist bei den zwölf Kindern gross, als sie den Singsaal im Schulhaus Moosmatt betreten. Bereits zum zweiten Mal bietet die Saxofonistin Nicole Johänntgen, die neben ihrer Tätigkeit als Musiklehrerin in Urdorf seit vielen Jahren auf internationalen Bühnen steht, den Kids-Jazz-Club-Workshop an: Eine Mischung aus Musikimprovisation und Bewegung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet, die auch ohne Vorkenntnisse Lust am Musizieren haben. Als Höhepunkt wird nach drei Tagen Probe in einer kleinen Aufführung ein Cartoon-Stummfilm von den Kindern live vertont.

«Jedes Kind mag Trommeln und gerade die Perkussionsinstrumente eignen sich hervorragend für einen Einstieg in die Musikwelt», sagt Johänntgen, die ihre weitreichende Erfahrung als Musikerin in der Region Limmattal weitergeben möchte. Inspiriert vom Barnas Jazzhus in Norwegen, hat sie deshalb den Workshop ins Leben gerufen. Für die Vertonung des Cartoons kommt ihr die Mitarbeit bei Projekten des Instituts für incohärente Cinematographie zugute. Der Verein fördert das Ansehen des Stummfilmes und organisiert regelmässig Live-Vertonungen.

Die Aufführung findet am Samstag, 2. 9., um 14 Uhr im Singsaal im Schulhaus Moosmatt in Urdorf statt und bietet einen Einblick in den improvisierten Jazz. Die Kinder zeigen, was sie gelernt haben, und führen die Live-Vertonung des Stummfilms vor. Eintritt frei.

Bei ihrem Engagement sei ihr wichtig, dass die Kinder lernen, aufeinander zu hören, neue Instrumente ausprobieren können und ein Austausch ermöglicht wird, sagt die 35-Jährige. Sie selbst habe den Jazz bereits früh in ihrer musikalischen Familie kennen- und schätzen gelernt. Das ist in der Probe im Singsaal zu spüren, Johänntgen bringt den den Teilnehmenden die Musik auf eine frische, kreative Art näher: «Egal, was ihr machen wollt, probiert es einfach aus», fordert sie gleich zu Beginn auf.

Trompete wird zum Elefant

Durch spielerisches Lernen und mit rhythmischer Bewegung bringt sie den zwölf motivierten Kindern eine einfache Melodie bei, die anschliessend von jedem mit einem der Instrumente, die im Raum stehen oder selbst mitgebracht wurden, konzentriert nachgespielt wird. Neben Klarinette, Saxofon und Querflöte sind an diesem Abend auch die Töne einer Trompete zu hören, als der 8-jährige Aurel Wolf aus Urdorf einen Elefanten mit seinem Instrument nachahmt. Es habe sehr Spass gemacht, sagt er.

Keine Nervosität für die Aufführung am heute Samstagmittag dürfte der 10-jährige Nick Ruess haben, der seit fünf Jahren Akkordeon spielt. Sein Können stellt er unter Beweis, als er sein Instrument vorstellt: «Ich habe mit meinem Vater bereits vor 250 Leuten gespielt», erzählt er.
«Es ist speziell, in einer Musikstunde einen Film zu sehen und nicht einfach nur zu singen», sagt Larina Binder, die sich besonders freut, dass es für den Workshop keine Noten braucht. Auch ihrer ältere Schwester Helena zeigt sich nach der Probe zufrieden: «Es war toll, mit den anderen Kindern zusammenzuspielen.»

Begeistert von der Probe

Für die Mutter Karin Binder ist es wichtig, dass ihre Töchter Freude an der Musik finden: «Nicole Johänntgen macht das hervorragend und bietet mit dem Kurs eine gute Abwechslung an zur oft strikten Disziplin, die von den Kindern im Alltag und beim Lernen eines Instruments gefordert wird», sagt sie.

Auch Aurels Vater Matthias Wolf ist von der Probe begeistert: «Es ist richtig cool und sie holt auch ruhigere Kinder mühelos ab.» Als grosser Fan von Filmmusik sei für ihn und seine Frau klar gewesen, dass sie ihr Kind zum Workshop anmelden werden: «Die Kinder lernen hier die Musik nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen kennen», sagt er.