Dietikon

Die kantonale GLP hat eine neue Partei-Doppelspitze: Corina Gredig und Nicola Forster

Mit Corina Gredig und Nicola Forster wird die Gründergeneration an der Spitze der Zürcher GLP abgelöst.

Mit Corina Gredig und Nicola Forster wird die Gründergeneration an der Spitze der Zürcher GLP abgelöst.

Die beiden übernehmen das Co-Präsidium der kantonalen Grünliberalen. Gredig und Forster, die beide in Zürich wohnen, lösen als GLP-Kantonalparteipräsidenten den ehemaligen Dübendorfer Nationalrat Thomas Maier ab

Die Grünliberalen des Kantons Zürich hatten sich für die Wahl ihres neuen Führungsduos einen speziellen Ort ausgesucht: Die Mitgliederversammlung, die am Dienstagabend Corina Gredig (31) und Nicola Forster (33) als Co-Präsidenten der kantonalen GLP wählte, fand im Dietiker Kino Capitol statt – und damit gewissermassen auf dem Terrain der politischen Konkurrenz. Immerhin wird das Kino, das Ende Jahr schliesst, von BDP-Kantonsrat Martin Romer geführt. Und wie es sich für einen Kinoabend gehört, gab es auch einen kurzen Vorfilm, in dem das neue GLP-Führungsduo vorgestellt wurde.

Mitgründer der Operation Libero 

Film ab: Forster hat sich in den letzten Jahren als Gründer und Präsident des aussenpolitischen Thinktanks Foraus sowie als Mitgründer der Operation Libero einen Namen gemacht. Foraus ist mittlerweile in sieben Ländern mit Spin-Offs präsent, hat 14 Angestellte und rund 1000 ehrenamtliche Mitarbeitende.

Gredig arbeitete seit 2010 als Parteisekretärin, Wahlkampfleiterin und Geschäftsführerin der Bundeshausfraktion für die GLP. Zudem gehört die Politologin und Bankkauffrau seit 2017 dem Stadtzürcher Gemeinderat an. Zurzeit leitet sie das von ihr nach der Wahlniederlage 2015 mitgegründete Politlabor der GLP. Ausserdem arbeitet Gredig für eine Kommunikationsfirma. Kommenden Frühling will sie einen der 2015 verlorenen Kantonsratssitze für die GLP zurückerobern.

An der Mitgliederversammlung hoben Gredig und Forster den Klimawandel, die Digitalisierung und die Bildung als inhaltliche Schwerpunkte hervor. «Wir bauen Brücken zwischen Mensch, Umwelt und Wirtschaft, aber auch zwischen den entgegengesetzten Polen», sagte Forster. Gredig konkretisierte ihr gemeinsames Programm: «Um das Klima zu verbessern, braucht es ein griffiges Energiegesetz und Kostenwahrheit im Verkehr.» Dazu gehöre auch Mobility Pricing. Ebenso wolle sie sich für weniger versiegelte Böden und mehr Begrünung einsetzen – neben und auf den Gebäuden.

Eine «Mitmachpartei»

Bereits vor der Versammlung legten Gredig und Forster im Gespräch mit der «Limmattaler Zeitung» ihre Hauptziele dar. Forster betonte, die GLP solle eine Mitmachpartei sein, in der man sich auch punktuell einbringen könne. Die Idee sei, auch für Leute offen zu sein, die nicht unbedingt ein politisches Amt anstreben. «Wir wollen nicht eine junge Hipster-Partei werden, in der alle gleich denken», so Forster. Und weiter: «Wir sehen uns als progressive Kraft, die mit allen Parteien zusammenarbeiten kann.»

Um für die Digitalisierung gerüstet zu sein, gelte es, vermehrt auf lebenslanges Lernen zu setzen. «Die einzige Antwort auf die Digitalisierung ist Bildung», sagte Forster. Dabei sei die Durchlässigkeit des Bildungssystems sehr wichtig, betonte Gredig. Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hob die Mutter zweier Kinder auch die Bedeutung von Tagesschulen hervor.

Thomas Maier macht Platz

Gredig und Forster, die beide in Zürich wohnen, lösen als GLP-Kantonalparteipräsidenten den ehemaligen Dübendorfer Nationalrat Thomas Maier ab. Er gehörte zu den Gründern der GLP, die sich 2004 von den Zürcher Grünen abspaltete. Maier hatte das GLP-Präsidium seit 2012 inne.

In seine Präsidentschaft fiel die Niederlage bei den Wahlen 2015. Damals schrumpfte die zuvor rasant gewachsene Kantonsratsfraktion der GLP von 19 auf 14 Sitze. Auch im Nationalrat gab es Einbussen: Maier verlor seinen Sitz im Bundeshaus.

Bei den Gemeindewahlen im vergangenen Frühling verbuchten die Grünliberalen hingegen beachtliche Erfolge. So erlangten sie mit Andreas Hauri zum ersten Mal einen Sitz im Zürcher Stadtrat und konnten sich damit als Exekutivpartei weiter etablieren. Hauri hatte sich als Digitalisierungsminister für den Zürcher Stadtrat beworben.

Mit Aufwind ins Wahljahr

Den Aufwind aus den Kommunalwahlen will die GLP nun ins kommende Wahljahr mitnehmen. Bei den Zürcher Regierungsratswahlen im Frühling setzt sie mit Jörg Mäder auf einen Kandidaten, der die Energiewende und die Digitalisierung als seine Kernthemen bezeichnet. Mäder ist Programmierer und Umweltwissenschaftler. Dass er antritt, ist keine Selbstverständlichkeit. 2015 schreckte die GLP vor einer Regierungsratskandidatur noch zurück. «Vier bis sechs Jahre braucht es noch», sagte Parteipräsident Maier damals. Mäder hat nun bereits acht Jahre Exekutiverfahrung als Opfiker Stadtrat und ist mit neun Jahren Kantonsratserfahrung auch in der Kantonalpolitik bewandert.

Im Kantonsrat will das neue Führungsduo an der Spitze der Zürcher GLP ebenfalls zulegen: «Wir sehen Wachstumspotenzial, weil wir als Mitmachpartei Bürgern von links bis rechts die Möglichkeit geben, sich einzubringen», sagte Forster. Dies gelte auch für die Nationalratswahlen im Herbst nächsten Jahres. Ob eine grünliberale Zürcher Ständeratskandidatur im Herbst 2019 anstehe, sei jedoch noch nicht ausdiskutiert.

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