Rockige Gitarrenklänge dröhnten vom Geroldswiler Dorfplatz, dazwischen hörte man begeisterte Pfiffe und Klatschen aus dem Publikum, als wäre ein grosses Open-air-Festival im Gange. Wer der Musik folgte, war dann aber erst einmal erstaunt: Da spielten gestern nicht Weltstars vor Tausenden von Leuten, sondern Jugendliche vor rund hundert Zuschauern.

Diese Zuschauer aber waren voller Elan dabei. So standen bei manchen Liedern mehr Leute vor der Bühne als noch an den langen Festbänken sassen. Und als es just in einer Umbaupause sintflutartig zu regnen begann und sich der Dorfplatz langsam mit Wasser füllte, wurden einfach die Tische und Bänke verschoben und die Leute rückten etwas näher zusammen. Mit Humor nahm es auch Moderator Matthias Arn: Er hiess das Publikum nach der Pause in «Geroldswil am See» willkommen. Arn ist Jugendarbeiter der Reformierten Kirche Weiningen – zu der auch Unterengstringen, Oetwil und Geroldswil zählen – und die treibende Kraft hinter diesem ersten «Summertime»-Open-Air. Anlass dazu war der 70. Churchplus-Gottesdienst, der gestern stattgefunden hatte. Churchplus ist der «junge Gottesdienst», ein Angebot von Jungen für Junge.

So kam es auch, dass die Jugend beim Open-Air im Zentrum stand. Neben einem kurzen Comedy-Theater des Churchplus-Teams hatte etwa die «Schülerband 14» der Oberstufe Weiningen ihren Auftritt, aber auch die erst dieses Jahr gegründete Band «The Flashback» und die BandX-Finalisten «Nosegrab» – allesamt Musiker und Sängerinnen zwischen 15 und 19 Jahren.

Das Durchschnittsalter nach oben zogen nur zwei Personen: Zum einen der Weininger Musiklehrer Mark Lim, der für einmal nicht mit seinen eigenen Bands auftrat, sondern mit (ehemaligen) Musikschülern; zum anderen der Behindertensportler Christoph Kunz.

Der Ratschlag des Verunfallten

Kunz gab als Talk-Gast spannende Einblicke in sein Leben als Rollstuhlfahrer, Vater und Goldmedaillengewinner. Das Edelmetall gab es an den diesjährigen Paralympics in Sotschi für seine Leistung im Monoski-Riesenslalom. «Wir sind dort auf den gleichen Pisten wie die normalen Skifahrer unterwegs. Und auch gleich schnell», sagte Kunz. Geschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern seien keine Seltenheit. Hohe Geschwindigkeiten haben den Sportler schon früh fasziniert – und sie wurden ihm beim Motorradunfall als 18-Jähriger zum Verhängnis. Trotzdem hat er nicht aufgegeben. «Im Leben kommt es meistens anders, als man denkt. Wichtig ist nur, dass man seine Ziele trotzdem nie aus den Augen verliert», gab er dann den gebannt zuhörenden Jugendlichen mit auf den (Lebens)Weg.

Mit diesem Konzert schloss die fünftägige Geroldswiler Kulturparty.