«Die Internetkriminalität nimmt extrem zu»: Ehemaliger Cybercrime-Chef der Kantonspolizei warnt KMUs

Daniel Nussbaumer war Cybercrime-Chef der Kantonspolizei. Am Forum der Schlieremer Alvoso riet er KMUs, sich gegen Cybercrime zu schützen.

David Egger
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Boten am Alvoso-Forum im «Zauberhut» von Knies Kinderzoo in Rapperswil ein Programm von Pensionskassenzahlen bis Papageienflugshow: Marc Jäggi, Moderator, Peter Pfändler, Comedian, Remo Schällibaum, Stiftungsratspräsident der Alvoso-Pensionskasse, Thomas Schmidiger, Geschäftsführer der Alvoso-Pensionskasse, und Daniel Nussbaumer, Ex-Cybercrime-Chef der Kantonspolizei Zürich.

Boten am Alvoso-Forum im «Zauberhut» von Knies Kinderzoo in Rapperswil ein Programm von Pensionskassenzahlen bis Papageienflugshow: Marc Jäggi, Moderator, Peter Pfändler, Comedian, Remo Schällibaum, Stiftungsratspräsident der Alvoso-Pensionskasse, Thomas Schmidiger, Geschäftsführer der Alvoso-Pensionskasse, und Daniel Nussbaumer, Ex-Cybercrime-Chef der Kantonspolizei Zürich.

David Egger / Limmattaler Zeitung

Der eine oder andere weiss es schon, trotzdem muss es Daniel Nussbaumer predigen. «Die Internetkriminalität nimmt extrem zu», machte er in seinem Referat am Alvoso-Forum klar.

Auch in Dietikon haben die Cyber-Kriminellen schon zugeschlagen

Beispiel: Diese Woche wurde bekannt, dass Kriminelle ein Alters- und Pflegeheim in Vessy GE gehackt hatten. Sie klauten sensible Daten und wollen sie veröffentlichen, wenn das Heim kein Lösegeld zahlt. Auch Gemeindeverwaltungen und unzählige Firmen wurden schon Opfer von Internetkriminellen; 2017 zum Beispiel das Hotel Sommerau-Ticino in Dietikon.

Als Leiter der Fachstelle Cybercrime der Kantonspolizei hatte Daniel Nussbaumer bis Februar mit Fällen zu tun, in denen der Schaden schon angerichtet war. Seit 1. März versucht er nun als Leiter des Geschäftsbereichs Cybersecurity von T-Systems Schweiz, solche Fälle bei seinen Unternehmenskunden zu verhindern. Zudem ist er Präsident der Swiss Internet Security Alliance. Diese Organisation, in deren Vorstand vor allem Wirtschaftsvertreter, aber auch Behörden vertreten sind, hat eine Vision: Die Schweiz soll das sicherste Internet-Land werden.

Dafür muss zuerst allen klar werden, wie aktuell die Gefahr ist und dass sie immer grösser wird.

«KMUs werden derzeit regelmässig angegriffen»,

so Nussbaumer. Die Angriffe würden immer gleich laufen. «Die Kriminellen verschaffen sich unbemerkt Zugriff auf die Systeme und spionieren sie aus, um noch mehr Berechtigungen zu erhalten. Dann verschlüsseln sie zuerst ein allenfalls vorhandenes Back-up, ehe sie alle Daten verschlüsseln, um die Firma zu erpressen.» Wer die Forderung der Gauner nicht zahlt, erhält seine Daten nie zurück. Und wer zahlt, erhält die Daten oft auch nicht. So oder so: Ohne ihre IT-Systeme kann kaum eine Firma überhaupt wirtschaften.

Der wichtigste Tipp von Nussbaumer ist der online verfügbare KMU-Schnell-Check auf www.digitalswitzerland.com. Dieser zeigt den Unternehmen, ob sie die wichtigsten technischen und organisatorischen sowie mitarbeiterbezogenen Massnahmen für ein Minimum an Cybersicherheit umsetzen. Auf der Website des Verbands Digital Switzerland gibt es auch einen Leitfaden.

Thomas Schmidiger ist nun ein Jahr im Amt

Neben Daniel Nussbaumer sprachen am Alvoso-Forum, das im Zauberhut-Gebäude in Knies Kinderzoo in Rapperswil stattfand, auch Alvoso-Stiftungsratspräsident Remo Schällibaum – er ist unter anderem auch als Inhaber vom «Leuen» in Uitikon bekannt – und Alvoso-Geschäftsführer Thomas Schmidiger. Letzterer wird Ende Monat auf ein Jahr im Amt zurückblicken.

Die Alvoso sieht sich nach Übernahmekandidaten um

Die nunmehr über 35 Jahre alte Alvoso-Pensionskasse hat seit Oktober 2020 eine eigene Geschäftsstelle in Schlieren, nachdem sie früher unter anderem auch schon in Oberengstringen und Dietikon zuhause war.

Nun hat die Alvoso stürmische Zeiten hinter sich. Von 2010 bis 2020 hiess sie noch Alvoso LLB, die Liechtensteinische Landesbank besorgte die Vermögens- und Versichertenverwaltung. Um die Versichertenverwaltung kümmert sich die Alvoso seit 2020 selbst, die Vermögensverwaltung liegt neu bei der Credit Suisse. Mit diesen beiden Neuerungen konnte die Alvoso schon viel Geld einsparen. In Zukunft könnte die Alvoso mit der einen oder anderen kleineren Pensionskasse zusammengehen, um weiter zu wachsen, wie Schällibaum andeutete. Die Pensionskasse zählt derzeit 337 Mitgliedsfirmen mit total 2741 versicherten Personen. Deckungsgrad: 109,9 Prozent.

Moderiert wurde das Alvoso-Forum, an dem rund 100 Personen teilnahmen, am Donnerstag von Marc Jäggi, bekannt als Moderator von Radio 1 (und früher Radio 24). Für Lacher war Comedian Peter Pfändler zuständig. Und für viel Bewunderung sorgte die Papageien-Show von Knies Kinderzoo. Alvoso-Chef Schmidiger bewahrte die Ruhe, als einer der Vögel auf seinem Kopf Rast machte.

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