Der Perfektionsanspruch der klassischen Musik engte Elisabeth Berner während ihres Kirchen- und Schulmusik Studiums in Stuttgart oftmals ein. «Die Improvisation ist für mich in dieser Zeit überlebensnotwendig geworden. Sie war für mich ein wichtiger Ausweg», sagt die Pianistin heute rückblickend. Seither beschränkt sich die Musikerin deshalb nicht mehr nur auf Kirchenmusik, sondern kam über die Begleitung verschiedener Chöre auch mit Gospel, Pop und später Jazz in Berührung. «Ich empfinde es als belebend, sowohl klassisch nach Noten zu spielen als auch zu improvisieren», so Berner.

In der Caffè Bar Limmatfeld in Dietikon zeigte Elisabeth Berner am Mittwochabend gemeinsam mit Tony Renold ihr Talent zur Improvisation. Alle Lieder des Abends begleiteten Berner während ihres Unterrichts in Basel, wo sie seit 2013 Studenten in Klavier unterrichtet. Obwohl bei den leisen Dialogen zwischen E-Piano und Schlagzeug Klassiker wie Eric Claptons «Tears in Heaven» oder eine Interpretation von Erroll Garners Jazzstück «Misty» dabei waren, fehlte nie die persönliche Note der beiden Musizierenden. «Mich interessieren die Bereiche, wo Klassik, Pop und Jazz miteinander in Berührung kommen. Das kann man an diesem Konzert in Dietikon gut hören», sagt Berner. Die gebürtige Deutsche spielt die meisten Passagen mit geschlossenen Augen und öffnet sie jeweils nur kurz, um sich mit einem Nicken auf Renold abzustimmen.

Freude weitergeben

Neben den vielen Vorteilen, die ihre breite und vielseitige musikalische Ausrichtung hat, sieht Berner auch einen Nachteil. «Man kann sich nicht mit jedem Gebiet so vertieft auseinandersetzen, wie man das gerne machen würde», sagt sie. Mittlerweile habe sie aber gemerkt, dass sie nicht die Musikerin sei, die stundenlang ein klassisches Klavier- oder Orgelprogramm übt. «Deshalb versuche ich auch, meinem Studierenden etwas von der Freude an Improvisation weitergeben zu können.»

Seit sechs Jahren wohnt Berner in Dietikon. Durch ihre jahrelange Arbeit in der Kirchgemeinde der Stadt hatte sie das Glück, sehr schnell viele Menschen kennenzulernen. «Ich habe mich bald heimisch fühlen können», sagt sie. Ihr gefalle die Natur rund um Dietikon und natürlich das Kulturangebot. «In Zürich stelle ich es mir schwieriger vor, als Musiker oder Künstler wahrgenommen zu werden.» Gerade in der Arbeit als Kirchenmusikerin habe sie das treue Publikum in Dietikon sehr zu schätzen gewusst. «Als Kirchenmusikerin kann man so oft und so viel live Musik machen wie sonst nur Orchestermusiker. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar.»

Auch die Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Tony Renold liegt einer Begegnung in Dietikon zugrunde. Als Berner den 56-Jährigen im Stadtkeller hatte spielen hören, war sie sofort begeistert. Seither treten die beiden Jazzliebhaber in regelmässigen Abständen immer wieder einmal gemeinsam auf.

Nach dem Konzert sind die beiden Musiker zufrieden mit dem Auftritt. Andreas Babic, Gründer des Vereins «Kreis 13» und Veranstalter der Konzertreihen in der Caffè Bar Limmatfeld, bedauert hingegen, dass so wenig Leute aus Dietikon Interesse am Angebot zeigen. «Gerade bei Elisabeth Berner hatte ich gedacht, dass mindesten 30 bis 40 Personen zum Konzert erscheinen würden.»