Squash

Die Ikone von Vitis Schlieren hat noch nicht genug

Als Spielertrainer steht John Williams, die ehemalige Nummer 15 der Welt, nur noch sporadisch für Vitis Schlieren auf dem Platz. msu

Als Spielertrainer steht John Williams, die ehemalige Nummer 15 der Welt, nur noch sporadisch für Vitis Schlieren auf dem Platz. msu

Er hat mit Australien den Weltmeistertitel geholt und für die Schweiz an sechs Europameisterschaften teilgenommen: John Williams gilt im Squash als Ikone. Heute coacht er das Nationalliga-A-Team von Vitis Schlieren und die Schweizer Nationalmannschaft – und steht ab und zu noch auf dem Court.

«Lovely!», ruft John Williams und klatscht in die Hände. Der australisch-schweizerische Doppelbürger sitzt auf der Zuschauertreppe im Squashcenter Uster und freut sich über seinen Schützling Philipp Rohrer. Dieser hat einen Angriff seines Gegenspielers Oliver Horak gekontert und den Ball so tief getroffen, dass Horak nicht mehr reagieren konnte. Der Ballwechsel gehört an diesem Abend zu den schönsten in der Partie von Rohrer, einer der vier Spieler von Vitis Schlieren, die in der zweiten Runde dieser Nationalliga-A-Saison gegen den Squashclub Uster im Einsatz stehen.

Auch Williams fungiert auf der Liste der Spieler. Doch er spielt nicht mehr regelmässig. Seit bei ihm vor drei Jahren eine Reizdarmerkrankung diagnostiziert wurde, kann er nicht mehr so intensiv trainieren wie früher. «Ich muss auf Anraten meines Arztes etwas kürzer treten», sagt der 45-Jährige. «Eigentlich will ich ja gar nicht mehr spielen.»

Das nimmt man ihm kaum ab, denn selbst wenn Williams ausser Gefecht ist, sieht er zu, dass er möglichst bald wieder auf dem Court steht. So vor zwei Jahren. Damals riss sich der Spielertrainer eine Sehne im Fuss und drohte, die ganze Saison auszufallen. Ohne ihren Routinier befanden sich die Limmattaler fünf Runden vor Schluss der regulären Saison noch auf Platz 6 in der Tabelle – nur die vier besten Teams qualifizierten sich für die Playoffs. «Wir haben zwar sehr gute junge Spieler, aber unser Kader ist so nicht breit, als dass wir das einfach kompensieren könnten», zeigte sich Williams damals skeptisch. Doch dann gewannen die Schlieremer vier der verbleibenden fünf Begegnungen, unter anderem in der letzten Runde gegen die Pythons Kriens, bei der Williams überraschend wieder mit von der Partie war. Damit qualifizierten sie sich doch noch für die Playoffs und holten am Ende sogar den Titel.

Erfolgreiche Titelverteidigung

Auch in der vergangenen Saison sah es zunächst nicht gut aus für Williams und Vitis Schlieren. Nur dank der höheren Anzahl Siege konnten sie sich für die Playoffs qualifizieren. Einen grossen Anteil daran hatte Williams, der trotz Reizdarm 17 Partien bestritt und damit am meisten aller Schlieremer des Nationalliga-A-Teams. Der langjährige Profi, der mit Australien 2001 Mannschaftsweltmeister geworden war, holte auch am meisten Siege, nämlich insgesamt 16, darunter auch einen ganz wichtigen: Im Playoff-Final gegen Grabs schlug er seinen Gegner Luca Wilhelmi und ebnete damit den Weg zum Titel in der Schweizer Meisterschaft, dem zweiten in Folge und dem fünften insgesamt in der Geschichte von Vitis Schlieren. «Wir hatten mit dem Spanier Broja Golan und dem Niederländer Sebastian Weenink zwei Superspieler im Team», sagt Williams rückblickend.

Grosser Ehrgeiz

An diesem Abend allerdings steht Williams nicht auf dem Court, sondern schaut zu und kann sich ganz auf seine Rolle als Trainer konzentrieren. Die ersten beiden Sätze in der Partie zwischen Rohrer und Horak sind vorbei, Rohrer hat beide verloren und steht unter Druck. Williams eilt die Stufen hinab zu seinem Schützling, nimmt ihn zur Seite, redet auf ihn ein, gestikuliert mit den Händen. Williams’ Stimme ist trotz den wenigen Metern Distanz nicht zu hören – er wird nicht laut oder energisch, sondern erteilt seine Anweisungen ruhig. Nach ein paar Minuten geht es weiter, Williams setzt sich wieder und blickt gebannt auf den Court, wo Rohrer und Horak den dritten Satz beginnen. Die Rolle als Trainer gefällt ihm. «Jungen Spielern Tipps zu geben, hat auch seinen Reiz», sagt er.

Tipps gibt Williams aber nicht nur den Spielern von Vitis Schlieren. Der 45-Jährige ist nämlich gleichzeitig auch Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und das schon seit über zehn Jahren. Dabei legt er grossen Wert auf die mentale Verfassung seiner Schützlinge. «Sie sollen eine sehr harte Einstellung zeigen», so die Meinung der ehemaligen Weltnummer 15. So wie er das eben selbst vorlebt. Tun sie das nicht, scheut er sich nicht, Kritik zu äussern. So monierte er vor Jahren einmal die Einstellung eines Spielers, weil dieser seiner Meinung nach nicht alles gegeben hatte.

Williams’ Ehrgeiz ist deutlich spürbar. Auch deshalb erzählt er noch heute vom Jahr 2012, als Vitis Schlieren im Kampf um die Schweizer Meisterschaft wegen eines einzigen verlorenen Satzes an Vaduz scheiterte. «Das tat sehr weh», gesteht Williams. «Aber wir schworen uns damals, so etwas nicht noch einmal zu erleben.» Und so holten sich die Schlieremer in der Sommerpause zwei echte Cracks: den Weltklassespieler Nicolas Müller, der damals als Transfercoup gefeiert wurde, und Marco Dättwyler. Beide waren vom Team Sihltal Adliswil gekommen, das sich aufgelöst hatte. Auch dank dieser Verstärkungen konnten die Schlieremer in den beiden Folgesaisons jeweils den Meistertitel feiern.

Mit jungen Spielern gegen Abstieg

Müller und Dätwyler verliessen den Verein aber nach zwei Saisons wieder. Und so kam es zu einem «Zwischenjahr», wie es Williams ausdrückt: dem dritten Platz in der Saison 2014/15. Für die Schlieremer, die vom Titelhattrick geträumt hatten, eine Enttäuschung.

Ein Erfolgserlebnis darf dagegen Philipp Rohrer verbuchen. Der Schlieremer hat den dritten Satz mit 13:11 für sich entscheiden können. Williams bleibt skeptisch: «Es wird schwierig werden.» Schliesslich müsse sich Rohrer erst noch an das Nationalliga-A-Niveau gewöhnen.

Auch in Bezug auf die noch junge Saison sprüht Williams nicht gerade vor Zuversicht. Denn die Schlieremer mussten in der Sommerpause die Abgänge von Golan und Weenink hinnehmen, eben jenen beiden Spielern, die letzte Saison noch für Furore gesorgt hatten. Füllen konnten die Limmattaler die entstandenen Lücken nicht. «Wir haben viele junge Spieler in der Mannschaft», sagt Williams. «Daher wird es schwierig, in die Playoffs zu kommen.» Aber das sei auch gar nicht das Ziel. «Es geht darum, den Abstieg zu verhindern», sagt der Spielertrainer. Könnte er sich vorstellen, das Team noch zu verstärken, sollte Vitis Schlieren tatsächlich in den Abstiegsstrudel geraten? «Es ist extrem schwierig, gute Schweizer Spieler zu finden», sagt Williams. Beim Squash wechselten die Spieler normalerweise nicht einfach den Verein. «Normalerweise bleibt man bei seinem Club», erklärt Williams. «Und Spieler abwerben – das macht man nicht.»

Inzwischen ist die Partie zwischen Rohrer und Horak vorbei. Rohrer hat den vierten Satz mit 7:11 verloren – und damit das Spiel. Williams klatscht mit ihm ab. Rohrer steht mit seiner Niederlage nicht alleine da: Seine Mannschaftskollegen mussten ebenfalls als Verlierer vom Platz. Uster hat das Zürcher Kantonsderby mit 4:0 gewonnen. Für Williams ist diese Niederlage keine Überraschung. «Wir müssen vor allem schauen, dass wir die unteren Teams schlagen können», sagt er. Damit meint er die Panthers aus Kriens, auf die Schlieren nächsten Donnerstag zu Hause in der Vitis-Halle trifft. Und Schaffhausen, gegen das die Limmattaler in der neunten Runde antreten. Gegen beide Teams will Williams übrigens auch spielen. «Natürlich reizt es mich, auf dem Court zu stehen», sagt er und lächelt.

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