Dietikon
Die Idee kam vom Terminator: er entwickelt und produziert Optotune-Linsen

Seit zwölf Jahren entwickelt und produziert Manuel Aschwanden in Dietikon verstellbare Linsen.

Lydia Lippuner
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Aus der anfänglichen Idee wurden mittlerweile vier Produktelinien, aus einem kleinen Team ein 180 Mitarbeiter grosses Unternehmen und aus einem Start-up ein stetig wachsender Betrieb.
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Als grösster Lernerfolg habe er während seiner Doktorarbeit mitgenommen, dass «es etwas ganz anderes ist, ob man einen Prototyp bastelt oder ob man ein Produkt herstellt», sagt Aschwanden.
Dass seine Erfindung für den Markt tauglich sei, habe er ziemlich bald gemerkt, doch dann hätten die Probleme beispielsweise in der Produktion erst angefangen.
Die Idee kam vom Terminator
Mit seinen automatisch fokussierbaren Linsen gehe der Ablauf schneller und sei überdies präziser.
Hier werden die automatisch fokussierenden Linsen hergestellt.
Rund 97 der in Dietikon hergestellten Produkte werden exportiert.

Aus der anfänglichen Idee wurden mittlerweile vier Produktelinien, aus einem kleinen Team ein 180 Mitarbeiter grosses Unternehmen und aus einem Start-up ein stetig wachsender Betrieb.

Sandra Ardizzone

Von den Arbeiterinnen im Reppischhof in Dietikon sieht man nur noch die Augen. Der Rest ist in einen weissen Übermantel gekleidet. «Der Staub ist unser grösster Feind», sagt Manuel Aschwanden. Er ist CEO von Optotune, einem international tätigen Optik-Unternehmen. Die Mitarbeiterin im Reinraum platziert eine Linse unter das Mikroskop. Später wird die Linse in eine Kamera eingebaut, die dadurch automatisch fokussieren kann. «Unsere Linsen sind kompakter, schneller und zuverlässiger als Konkurrenzlösungen. Am Anfang unserer Idee stand das Terminator-Auge aus dem Film», sagt der 39-Jährige. Aus der anfänglichen Idee wurden mittlerweile vier Produktelinien, aus einem kleinen Team ein 180 Mitarbeiter grosses Unternehmen und aus einem Start-up ein stetig wachsender Betrieb. Wobei sich das Unternehmen dank Lizenz- und Entwicklungsgeschäften bereits von Anfang an selbst finanzieren konnte.

Doch von vorne: Als Aschwanden noch Student an der ETH war, fragte ein Professor in einer Vorlesung, wer gerne Unternehmer werden möchte. «Ich dachte, warum nicht», sagt Aschwanden. Als es dann um die Doktorarbeit ging, entschied er sich, eine Arbeit über anpassbare optische Elemente zu schreiben. Diese sollten möglichst schnell marktreif sein. Für die Themenfindung hatte er genau zwei Monate Zeit. «Ansonsten hätte ich ein eher wissenschaftliches Thema bearbeiten müssen.»

Nach seiner Doktorarbeit hatte er tatsächlich ein brauchbares Produkt und damit auch die Idee für ein Unternehmen. Als grösster Lernerfolg habe er während seiner Doktorarbeit mitgenommen, dass «es etwas ganz anderes ist, ob man einen Prototyp bastelt oder ob man ein Produkt herstellt», sagt Aschwanden. Bis das Produkt in Serie produziert werden kann, dauere es ungefähr drei Jahre. Bis dahin muss das Produkt entwickelt, verbessert, in ein Endsystem eingebaut und massenfertigungstauglich produziert werden. Dass seine Erfindung für den Markt tauglich sei, habe er ziemlich bald gemerkt, doch dann hätten die Probleme beispielsweise in der Produktion erst angefangen. «Wir machen auch heute, nach zwölf Jahren, noch grosse Fortschritte. Das ist ein kontinuierlicher Prozess», sagt er.

Manuel Aschwanden CEO Optotune

Manuel Aschwanden CEO Optotune

Sandra Ardizzone

Dank Optotune-Linsen zur ­richtigen Brille

Zurzeit sind die Produkte von Optotune in Barcodescannern, Industriemaschinen und Projektoren integriert. Sie sind in unterschiedlichen Grössen erhältlich. Zudem finden sie auch in Medizinalgeräten Verwendung. Etwa beim Augenoptiker: Probiert ein Augenarzt, welche Linse am besten zum Patient passt, vergessen die Patienten meist sehr schnell, ob ihre Sehstärke besser oder schlechter geworden ist. «Dadurch sind die Messungen oft ungenau und schliesslich wird ein Grossteil der Brillengläser falsch verordnet», sagt Aschwanden. Mit seinen automatisch fokussierbaren Linsen gehe der Ablauf schneller und sei überdies präziser.

Doch auch wenn viele der Optiker hierzulande bereits mit Optotune-Linsen arbeiten, so werden doch die meisten Artikel ins Ausland geliefert. «Rund 97 Prozent unserer Produkte werden exportiert», sagt Aschwanden. Das Unternehmen hat ins Ausland expandiert: In Taiwan und in Korea befinden sich Verkaufsbüros und in der Slowakei wird ein Teil der einfacheren Montage-Arbeiten durchgeführt. Die hochtechnologischen Arbeiten werden jedoch nach wie vor in Dietikon verrichtet. Manche werden sogar hinter heruntergelassenen Jalousien entwickelt und zusammengesetzt. «Nicht einmal unsere Entwickler dürfen alle Prozesse und neusten Erfindungen kennen», sagt Aschwanden.

Im Herzen bin ich Ingenieur und im Kopf Unternehmer.

(Quelle: Manuel Aschwanden CEO Optotune)

Deshalb will er sich auch nicht zu detailliert über die nächsten Produkte auslassen. Nur so viel verrät er: Es wird ein Stromübertragungssystem geben, das mittels Licht elektronische Geräte in einem Raum mit Strom versorgen kann. «Das alles soll ohne Kabel funktionieren», sagt er.

Noch tönen manche der Optotune-Produkte nach Zukunftsmusik: Doch das sei genau das Interessante an Aschwandens Job. Als CEO, sei er am Puls der Entwicklung und könne gemeinsam mit den Kunden immer wieder an neuen Dingen arbeiten. Dabei sei es natürlich wichtig zu merken, was eine guter Vorschlag und was eine Schnapsidee sei. «Wir haben auch schon falsch investiert», sagt er. Beispielsweise verstellbare Lampen für die Ausstellungen im Detailhandel, das passe nicht in ihr Sortiment. Zu diversifiziert sei der Markt und zu stark werde da auf die Preise in der Massenproduktion gedrückt. In solchen Fällen fokussiert sich Optotune lieber auf neue Entwicklungen, die noch wie Produkte aus einem Science-Fiction-Film tönen. Ob er nun mehr Ingenieur oder mehr Unternehmer sei, kann Aschwanden nicht beantworten: «Im Herzen bin ich Ingenieur und im Kopf Unternehmer.»