Weiningen
Die hochgesteckten Ziele der Zihlmanns

Mit «Star Romania» sammelten Josef und Silvia Zihlmann innert 9 Monaten 50000 Franken – bis 2015 soll es doppelt so viel werden. der Tierarzt und Tierschützer setzt sich für rumänische Strassenhunde ein.

Alex Rudolf
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Von ihrem Wohnsitz in Weiningen aus organisieren Josef und Silvia Zihlmann ihre Aktionen im rumänischen Gheorgheni.

Von ihrem Wohnsitz in Weiningen aus organisieren Josef und Silvia Zihlmann ihre Aktionen im rumänischen Gheorgheni.

Alex Rudolf

«Mir hei in Rumänie echli grumooret», sagt der Weininger Tierarzt und Tierschützer Josef Zihlmann in breitem Entlebuchdeutsch und mit einem Lächeln auf den Lippen. Seit gut neun Monaten ist die von ihm, seiner Frau Silvia und dem tierärztlichen Notfalldienst Zürich West und Limmattal gegründete Organisation «Star Romania» zum Schutz rumänischer Strassenhunde tätig. Das bereits Erreichte beeindruckt nicht nur die rund 2500 Schweizer, die seiner Aktion Geld gespendet haben. Auch die rumänischen Politiker hören dem Tierarzt genau zu, wenn er seine Ideen vor Ort präsentiert.

Anfang dieses Jahres absolvierte Josef Zihlmann bereits drei Grosstransporte, bei denen Hundefutter, Medikamente und Operationsmaterial nach Rumänien gebracht wurden. Ende April trat Zihlmann eine weitere Reise in die Stadt Gheorgheni in der Region Siebenbürgen an. Sein damaliges Mitbringsel: eine Tierambulanz. «Dieses Fahrzeug wurde als reguläres Ambulanz-Fahrzeug im Kanton Zug eingesetzt», so Zihlmann. Einer seiner Tierärzte-Kollegen habe es jedoch nach dessen Ausmusterung auf die Bedürfnisse tierischer Eingriffe umbauen lassen. Das Konzept der Tier-Notfallbehandlung war hierzulande jedoch nicht von Erfolg gekrönt, sodass Zihlmann das Gefährt zu einem guten Preis erwerben konnte. «Für unsere Organisation ist dies ideal. Die von uns angestellten Tierärzte können damit problemlos in die Vororte von Gheorgheni fahren und dort Strassenhunde vor Ort kastrieren», so Zihlmann.

100 Franken für eine Kastration

«Star Romania» wird solche Kastrationen noch bis Ende dieses Jahres kostenlos durchführen. Danach entfällt auf die Hundebesitzer eine Gebühr von 100 Franken für einen Eingriff, was im Vergleich mit den Preisen in der Schweiz – rund 800 Franken – sehr günstig sei. Darin enthalten sind unter anderem die Kastrierung, ein Chip sowie eine Registrierung und eine Parasitenbehandlung. Der Preis ist für rumänische Verhältnisse trotzdem stattlich. Denn er entspricht rund einem Viertel eines durchschnittlichen rumänischen Monatsgehalts. «Wir wissen, dass die Kosten für viele Rumänen sehr hoch sind. Dies soll aber eine Motivation für die Hundebesitzer sein, ihre Tiere noch in diesem Jahr der Gratisbehandlung zu unterziehen», sagt Zihlmann. Er ist trotzdem zuversichtlich, dass seine aus zwölf Tierärzten bestehende Equipe auch im kommenden Jahr noch zahlreiche Kastrationen durchführen wird.

Wer nicht kastriert, wird gebüsst

Ab 2015 werden Hundebesitzer in Rumänien, deren Tiere nicht kastriert sind, mit einer Geldstrafe von rund 300 Franken gebüsst. «Das kann sich dort nun wirklich fast niemand leisten», fährt Silvia Zihlmann fort, und weist auf die gross angelegten PR-Aktionen hin, die in Zusammenarbeit mit den Behörden auf die Beine gestellt wurden. «Im Moment gehen wir auf die dortigen Medien zu. Die Resonanz ist gross», so Silvia Zihlmann. Man merke, dass den Leuten das Problem langsam bewusst wird. Sie habe die Rumänen als sehr hundefreundliche Nation kennen gelernt. Viele Menschen würden ihr letztes Hemd für das Wohl ihres Hundes hergeben.

Mit der bestehenden Infrastruktur von «Star Romania» können im Moment rund 100 Hunde pro Tag operiert werden. Dies dank der Schaffung einer Tierarztklinik, die seit letzter Woche fertiggestellt ist, und dem daran angeschlossenen Tierheim, das Platz für 30 Hunde bietet. Für 20 000 Franken wurde das Gebäude beinahe gänzlich ausgehöhlt, baulich angepasst und mit medizinischer Gerätschaft ausgestattet. «Diese Investition konnte nur dank der zahlreichen Spenden aus der ganzen Schweiz getätigt werden», so Josef Zihlmann. Seit September 2013 kamen rund 50 000 Franken zusammen. «Ich hätte es nie und nimmer erwartet, dass wir derart viel Geld sammeln können», hält er fest.

Nächstes Ziel ist doppelt so viel

Geht es nach den Zihlmanns, kann es mit der Entwicklung von «Star Romania» im selben rasanten Tempo weitergehen. Im kommenden Jahr will er die Tierheim-Plätze von 30 auf 100 aufstocken. Das Projekt ist bereits aufgegleist, Gespräche mit einem Architekten finden in Bälde statt. Dass seine Ziele ambitioniert sind, weiss der Tierarzt. Für die Erweiterung des Heims und die Versorgung der Hunde muss «Star Romania» im nächsten Jahr auf einen Spendenbetrag von rund 100 000 Franken kommen.

Hier ein Videobeitrag aus dem Rumänischen Fernsehen mit Josef Zihlmann (erster Beitrag, bis 03:28).