Hans Käser, Betriebsleiter der Badi Urdorf, steht auf dem Sprungturm und blickt auf die Schwimmbecken hinunter. Von hier oben hat er die beste Übersicht über die Badeanstalt. Obwohl es Montagmorgen ist, herrscht bereits wieder reger Betrieb. Mütter mit kleinen Kindern und ganze Schulklassen suchen hier eine Abkühlung.

Im Vergleich zum vergangenen Wochenende sei der Andrang aber direkt harmlos, so Käser. Am Samstag zählte er 4000 und am Sonntag gar 4500 Personen in der Badi. Trotz den vielen Gästen sei aber alles reibungslos abgelaufen. Mit 25 Grad sei das Wasser noch immer eine Erfrischung und deutlich kühler als in anderen Badis. Das schätzten die Urdorfer, so Käser. Wenn es draussen so heiss sei, müsse man andauernd Frischwasser in die Becken fliessen lassen und das Wasser mit mehr Chlor behandeln. Ansonsten würde es gerade bei so vielen Besuchern schnell unhygienisch werden.

Dietikon knackt 5000er Marke

Auch die anderen Badis der Region erlebten am vergangenen Wochenende den grössten Ansturm dieser Saison. Die Badi Fondli verzeichnete mit 5223 Eintritten einen neuen Rekord. Noch nie ist es zuvor vorgekommen, dass die 5000-er Marke geknackt wurde. Marlies Graf, Pächterin der Badi Geeren in Birmensdorf, bestätigt das ebenfalls: «Einen solchen Ansturm habe ich während 20 Jahren noch nie erlebt.» Am Samstag seien 1900 und am Sonntag sogar 2500 zahlende Gäste in die Badeanstalt gekommen. Nicht gezählt werden dabei Kinder bis sechs Jahre.

Auch das Schwimmbad Im Moos in Schlieren verzeichnete dieses Wochenende mit 1100 Personen am Samstag und 1200 Gästen am Sonntag mehr Besucher als sonst.

Alle Rekorde knackten aber die Zürcher Badis dieses Wochenende. Laut Sportamt Zürich besuchten 131 000 Personen die Badeanstalten der Stadt. Das ist über alle bisherig erfassten Jahre die höchste Besucherzahl. Nicht einmal der Hitzesommer 2003 vermag da noch mitzuhalten. Im Vorfeld rechnete man gerade einmal mit 90 000 Gästen.

50 Prozent mehr Patienten

Ebenfalls mehr zu tun hatte die Notaufnahme Permanence am Zürcher Hauptbahnhof. So wurden am Wochenende rund 180 Patienten pro Tag verarztet. Durchschnittlich betreut die Permanence an einem Wochenende zwischen 120 und 130 Patienten pro Tag. Man könne davon ausgehen, dass ein beträchtlicher Teil der Patienten wegen den Folgen der grossen Hitze in die Notfallstation am Hauptbahnhof kam.

Gemäss der Einschätzung der Leiterin des Notfalls am Universitätsspital sind über das Wochenende aufgrund der hohen Temperaturen merklich mehr Patienten in den Notfall gekommen. Bereits geschwächte Patienten waren dehydrierter als sonst und einige ältere Patienten sind mit Erbrechen und Durchfall dazugekommen, was als Folge der Hitze eingestuft wird. Insgesamt war es aber auch für das Universitätsspital ein mehr oder weniger «normales» Sommerwochenende.

Die behandelten Notfallstationen im Spital Limmattal in Schlieren reihen sich den Schätzungen entsprechend ein. Gemäss Hans Matter, Chefarzt Institut für klinische Notfallmedizin, wurden am Wochenende 214 Personen in der Notfallstation behandelt, davon 11 mit Insektenstichen und 15 mit Symptomen der Überhitzung oder Austrocknung.

Dagegen ruhig verlief das heisse Wochenende für die Notaufnahmen in Zürich, sowie Schutz und Rettung – trotz des Strassenfests Caliente. Urs Eberle, Mediensprecher von Schutz und Rettung Zürich, sagt: «Es war ein leicht Erhöhtes Aufkommen von Einsätzen zu verzeichnen, die Anzahl lag aber weit unter den Erwartungen.» Gründe für das Ausrücken von Schutz und Rettung waren dann auch mehrheitlich Dehydration, kurzzeitige Bewusstlosigkeit wegen Überanstrengung und Erschöpfung. Diese Vorfälle können auf die hohen Temperaturen zurückgeführt werden. «Bei hohen Temperaturen versagt eben gerne mal der Kreislauf», sagt Eberle.

Zu heiss, um sich zu prügeln

Auch im Zusammenhang mit dem Caliente am Helvetiaplatz in Zürich wurden weniger Vorfälle verzeichnet als in den Vorjahren. Gründe dafür seien schwierig zu nennen. «Vielleicht war es den Leuten zu heiss, um sich zu prügeln», scherzt Eberle. Auch die Kantonspolizei Zürich verzeichnete rund um das Caliente weniger Zwischenfälle und Schlägereien.