Es gibt in Dietikon kein neu zu überbauendes Stück Zentrumszone, das für eine Überbauung attraktiver wäre als das Park-and-Rail-Areal beim Bahnhof. Heute füllen sich die 160 Parkplätze tagein, tagaus mit Autos, viele davon aus dem Kanton Aargau. Bereits im Jahr 2012 hatte der Dietiker Gemeinderat beschlossen, das Areal einzuzonen, damit die SBB die Fläche in Zukunft bebauen könnten.

Lange war es nun ruhig um dieses Ansinnen. Jetzt wird es wieder aktuell. Denn die SBB hatten ab Januar 2017 in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt eine sogenannte Volumenstudie erstellt, die als Grundlage für die weitere Planung hätte dienen sollen. Dabei kamen die Verantwortlichen der Stadt zum Schluss, dass es sinnvoller ist, gleich das ganze Bahnhofsgebiet in die Planung miteinzubeziehen. «Das Park-and-Rail-Areal sollte nicht separat geplant werden. Auch die anderen, angrenzenden öffentlichen Räume müssen mitgedacht werden», sagt Severin Lüthy, Projektleiter beim Dietiker Stadtplanungsamt. Das Bahnhofsgebiet ist zu wichtig für die Stadt Dietikon, als dass hier die Gefahr eines Flickwerks eingegangen werden kann.

Ganzheitliche Planung ist also gefragt. Diese ist nun aufgegleist und geht in die nächste Phase: Die Stadt Dietikon und die SBB wollen gemeinsam ein städtebauliches Konzept erarbeiten. Dafür hat der Stadtrat Dietikon nun einen Kredit in der Höhe von 199'800 Franken gesprochen, wie er kürzlich mitteilte. Die andere Hälfte der Kosten übernehmen die SBB. Organisiert und begleitet wird das gemeinsame städtebauliche Verfahren vom Zürcher Büro Eckhaus AG.

Park-and-Rail-Parkplatz soll weg

Die SBB und die Stadt werden als nächstes vier Planungsteams einladen, sich am Verfahren zu beteiligen. Welche Teams das sein sollen, ist noch offen. Klar ist, dass jedes Team in drei Fachbereichen kompetent sein muss: Städtebau respektive Architektur, Landschaftsarchitektur respektive Freiraumplanung sowie – und das ist besonders wichtig – Verkehrsplanung. Die neue Planung bietet nämlich die Chance, das Verkehrschaos abzumildern, das sich jeweils ergibt, wenn zahlreiche Autos von der Merkurstrasse auf Höhe der Postfiliale auf den Bahnhofsplatz abbiegen wollen. «Im Dietiker Gesamtverkehrskonzept ist bereits ein Lösungsvorschlag enthalten. Es kann aber sein, dass sich im Rahmen der Weiterentwicklung des Bahnhofgebiets weitere Lösungsmöglichkeiten eröffnen. Darum ist es uns wichtig, dass sich am städtebaulichen Verfahren auch Verkehrsplaner beteiligen», sagt Stadtplaner Lüthy. Zudem sollen die Park-and-Rail-Parkplätze ersatzlos gestrichen werden. «Die heutige Nutzung dieses Gebiets wird dem Standort nicht gerecht», sagt Lüthy. Die Stadt will grundsätzlich nicht mehr, dass die Leute von ausserhalb mit dem Auto nach Dietikon kommen und hier auf die öffentlichen Verkehrsmittel (öV) umsteigen. «Das Ziel ist, dass schon ausserhalb auf den öV umgestiegen wird. Der Verkehr soll sich nicht mehr durch das Dietiker Zentrum bewegen. Das Dietiker Strassennetz ist schon sehr gut ausgelastet», sagt Lüthy.

Damit solche Anliegen der Stadt berücksichtigt werden, beteiligt sie sich am Verfahren. Mit der Übernahme der Hälfte der Kosten stellt die Stadt zudem auch sicher, dass ihre beiden Vertreter dann im Beurteilungsgremium gleich viel mitzureden haben wie die beiden SBB-Vertreter und die vier externen Experten. «Das nun gewählte Verfahren sichert die Qualität», hält Lüthy fest.

Doch was soll entstehen auf dem Park-and-Rail-Areal? Am wahrscheinlichsten war bislang, dass hier an der Ecke von Weiningerstrasse und Überlandstrasse ein neues Hochhaus entsteht. So ist es im Hochhauskonzept der Stadt Dietikon angedacht. Falls das Studienverfahren nun aber bessere Möglichkeiten aufzeigen würde, wären auch diese möglich. Genauere Aussagen lassen sich erst machen, wenn im Spätsommer 2019 die Ergebnisse aus dem Verfahren öffentlich vorgestellt werden. Bis spätestens Ende 2018 werden die Teams ausgewählt, die sich am Verfahren beteiligen, damit sie Anfang 2019 mit ihrer Arbeit anfangen können, die dem Dietiker Bahnhofsgebiet die Zukunft weisen wird.

Bleibt das Bahnhofsgebäude?

Auch die Zukunft des Bahnhofsgebäudes ist noch völlig unklar. Denkmalgeschützt ist es nicht. «Daher ist alles denkbar, zum Beispiel auch eine Aufstockung, ein Ersatzneubau oder ein Teil-Ersatzneubau. Das hängt von den SBB ab», erklärt Lüthy. Bei den Gebäuden auf dem Bahnhofsareal, insbesondere auch beim angedachten Hochhaus, sollen die Erdgeschosse eine publikumsorientierte Nutzung aufweisen wie zum Beispiel Läden, Cafés und weiteres Gewerbe. Weiter oben sind Wohnungen denkbar – für die SBB wäre das sicherlich attraktiv.
Künftig nur Kurzzeitparkplätze

Für die neuen Nutzungen werden auch Parkplätze zur Verfügung stehen, insbesondere für die Bewohner und die Beschäftigten. Angestrebt werden aber möglichst wenige Parkplätze und vor allem keine öffentlichen, auf denen man sein Auto stundenlang stehen lassen kann wie auf dem Park-and-Rail-Areal. Weiterhin geben soll es Kurzzeitparkplätze für Personen, die beispielsweise auf die Post gehen oder jemanden vom Bahnhof abholen (Kiss-and-Ride genannt).

Teil des Verfahrens ist auch der Busbahnhof, der nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. So sind die Haltekanten zu kurz für die heutigen Gelenkbusse. Zudem erfüllen sie die neusten Behindertengleichstellungsvorgaben nicht. Bis das geändert wird, dürfte es aber noch etwas dauern. Denn es können nicht gleichzeitig die Limmattalbahn gebaut und der Busbahnhof umgebaut werden, weil dann die Busse nirgends mehr Platz hätten.
Das Bahnhofsareal gehört zur Zentrumszone Z5 und untersteht einer Gestaltungsplanpflicht. Über den privaten Gestaltungsplan wird der Gemeinderat abstimmen, ein Referendum ist möglich.

Wann die ersten Bagger auf dem Park-and-Rail-Areal auffahren, ist noch offen. Klar ist aber, dass die Überbauung des Gebiets für die SBB attraktiv ist. «Auch für die Standortattraktivität von Dietikon hat dieses zentrale und bestens erschlossene Gebiet eine grosse Bedeutung», sagt zudem Severin Lüthy.