Leise dreht Alexandra Weber den Schlüssel um. Sie öffnet die Türe langsam und wird gleich von einem Hund begrüsst. Sonst ist es in der Wohnung noch dunkel und ruhig. «Guten Morgen», ruft es aus dem Schlafzimmer. Die erste Kundin der Fachangestellten Gesundheit (FaGe) Alexandra Weber und Denisa Demaj, Auszubildende zur Assistentin Gesundheit und Soziales (AGS), braucht Hilfe bei der Morgenroutine, vor allem beim Aufstehen. Aber bevor die Kundin behandelt wird, desinfizieren die beiden Frauen ihre Hände und ziehen ihre Spitex-Schürze an. Danach werden der Kundin erst einmal der Kathetersack geleert und warme Socken übergestreift. Auch beim Transfer vom Bett in den Rollstuhl bekommt die Dame Hilfe. Aus ihrem grossen Kleiderschrank sucht sie sich ein rotes
T-Shirt heraus, das ihr von den Spitex-Frauen angezogen wird. Danach wird noch eine Tablette verabreicht, und schon ist der Einsatz wieder vorbei.

Sie fanden ihre Berufung

Alexandra Weber hat schon ihre Lehre bei der Regio-Spitex in Dietikon gemacht und ist nun seit fünf Jahren ausgelernt. Zu viel sei ihr die Arbeit noch nie geworden: «Ich brauche keine extra Ruhe. In meine Freizeit gehe ich ganz normal meinen Hobbys nach», sagt Weber. Sie betreue aber auch nicht diejenigen Fälle, die einen an die Grenzen bringen könnten. «Das machen die vorwiegend im Aussendienst arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Ich arbeite teilweise noch im Büro und plane die Einsätze», so Weber.

Denisa Demaj steht hingegen noch ganz am Anfang, im ersten Lehrjahr. «Die Kompetenzen einer AGS liegen im pflegerischen und hauswirtschaftlichen Bereich, nicht im medizinischen», erklärt Demaj. Sie kam per Zufall zur Spitex, doch bereut hat sie den Schritt bisher nicht. «Ich wusste zuerst nicht einmal, was die Spitex ist, ich habe mich einfach einmal beworben», sagt sie. Aber schon beim Schnuppern wurde ihr bewusst, dass die Arbeit bei der Spitex genau ihr Ding ist.

Sie bauen eine Beziehung auf

Die zweite Kundin ist schon wach und liegt auf dem Sofa. Auch für diese Wohnung haben Weber und Demaj einen Schlüssel an ihrem grossen Schlüsselbund. «Im Normalfall öffnen uns die Kunden die Türe. Von gewissen Leuten haben wir aber die Wohnungsschlüssel dabei», sagt Weber. So kämen natürlich einige Schlüssel an ihrem Bund zusammen.

Der Kundin werden von den Spitex-Mitarbeiterinnen Stützstrümpfe angezogen, ihr Gewicht wird überprüft und die Medikamente für die nächste Woche werden vorbereitet. Die Kundin ist fröhlich und erzählt einiges, zum Beispiel über ihre zwei Wellensittiche. Man merkt, dass vor allem Alexandra Weber zu den Kunden schon eine Beziehung aufgebaut hat. «Viele sind bereits jahrelang dabei, da lernt man sich kennen», sagt sie. Anfangs seien viele Kunden noch etwas zurückhaltend und meinten, sie bräuchten keine Hilfe, doch mit der Zeit würden sie dann auftauen. So nascht Weber am Sonntagmorgen jeweils gemeinsam mit der dritten Kundin Schokolade. «Wir sind Schoggifreunde!», sagt sie. An diesem Tag wird auf das Ritual verzichtet, dafür trudeln einige Glückwünsche ein. Denn die Dame feiert ihren 88. Geburtstag. Aber auch an diesem speziellen Tag folgt bald die übliche Prozedur. Demaj wäscht Beine, Arme und Rücken, danach bindet sie noch die aufgeschwollenen Füsse der Frau ein. Berührungsängste hatte Demaj keine. Nur an ihrem allerersten Tag kam sie kurz an ihre Grenzen: «Wir mussten den Beutel an einem künstlichen Darmausgang wechseln. Das habe ich zuvor noch nie gesehen», so Demaj.

Die Tage sind lang

Ein normaler Arbeitstag der Spitex-Mitarbeiterinnen dauert in der Regel von 6.45 bis 16.10 Uhr. «Es kann aber auch schnell einmal später werden», sagt Weber. Denn die 60 Angestellten sind ziemlich ausgelastet. «Wenn sich jemand krank meldet, ist das eine planerische Herausforderung. Dann werden die Kunden so gut wie möglich auf die anderen Mitarbeitenden aufgeteilt», erzählt Weber. Manchmal müsse die Spitex Einsätze auch ablehnen, weil sie nicht dem Leistungsauftrag der Gemeinde entsprechen. Oder die Kunden erwarten zu viel, vor allem in der Hauswirtschaft. «Wir helfen sehr gerne, aber wir kommen nicht als Putzfrauen zum Fensterputzen», so Weber. Sie und Demaj lieben ihren Beruf und würden nirgends sonst arbeiten wollen. «Ich habe auch schon im Spital reingeschaut, da war es mir aber zu langweilig», sagt Weber.