Am letzten Augustwochenende wird Dietikon wieder zum Treffpunkt für Hanffreunde aus nah und fern: Vom 29. bis 31. August findet in der Stadthalle nämlich bereits zum zweiten Mal die internationale Hanfmesse «CannaTrade» statt. Die Stadthallengenossenschaft musste nicht lange überlegen, als es darum ging, den Veranstaltern nach der ersten Durchführung im Jahr 2012 das Gastrecht auch 2014 zu gewähren: «Der Anlass ging letztes Mal so problemlos über die Bühne, dass wir keine Bedenken haben, der CannaTrade die Halle wieder zu vermieten», sagt Vizepräsident René Schleuniger auf Anfrage.

Tatsächlich verlief die 11. Ausgabe der Messe 2012 mit rund 7000 Besuchern nicht nur äusserst erfolgreich, sondern entgegen anfänglichen Befürchtungen auch ohne Zwischenfälle; das bestätigten Veranstalter und Stadthallengenossenschaft genauso wie Kantonspolizei und Stadt. So sahen die Organisatoren «keinen Grund für einen Standortwechsel», wie CannaTrade-Sprecher Marcel Müller sagt: «In Dietikon hat alles gestimmt: die Lage, die Grösse der Halle, die Zusammenarbeit mit Stadthalle und Behörden.»

Eltern gegen Drogen: «Verwerflich»

Ohnehin liegt falsch, wer in der CannaTrade eine Hochburg illegaler Machenschaften vermutet. Verkauft und präsentiert dürfen gemäss Auflagen nur legale Waren werden: Utensilien für die Pflanzenzucht etwa, Literatur oder Hanfprodukte wie Kosmetika, Kleider oder Lebensmittel. Trotzdem blieb die Verkündung des neuen Austragungsorts 2012 nicht ohne Misstöne. Die Vereinigung «Eltern gegen Drogen», die die Messe seit ihrem Beginn bekämpft, forderte den Stadtrat damals auf, den Veranstaltern die Bewilligung zu entziehen – erfolglos. Über die erneute Durchführung ist Präsidentin Sabina Geissbühler-Strupler erwartungsgemäss alles andere als erfreut: «Es ist verwerflich, dass die Stadt Dietikon die CannaTrade auch dieses Jahr ermöglicht», sagt die Berner SVP-Grossrätin auf Anfrage. Von den Verantwortlichen bei der Stadthalle ist sie nicht minder enttäuscht: «Ihnen geht es nur ums Geschäft.»

Anlässe wie die CannaTrade verharmlosen laut Geissbühler die Folgen von Cannabiskonsum. «Dabei ist Tetrahydrocannabinol (THC) sehr gefährlich, da es das Gehirn beeinträchtigt», sagt sie. Für sie ist zudem klar, dass es bei der Messe einzig und allein um Drogenhanf gehe, auch wenn die illegale Substanz selbst nicht an den Ständen verkauft werde – wobei sie auch hier Skepsis zeigt: «Unter dem Tisch wird auch mit Drogenhanfsamen gedealt», ist sie überzeugt. Auch biete die Messe Anbietern eine Plattform, auf den Kauf der illegalen Ware im Internet zu verweisen.

Dieser Darstellung widerspricht Marcel Müller vehement: «An der Messe findet alles im legalen Rahmen statt. Wir stehen in engem Kontakt zur Kantonspolizei und kontrollieren, dass die strengen Auflagen eingehalten werden.» Das bestätigt auch René Schleuniger: Die Messe sei «sehr professionell und zuverlässig» durchgeführt und alle Auflagen erfüllt worden.

«Ein Kifferparadies wars nicht»

Die Erfahrungen von 2012 vermochten auch den Dietiker Sicherheitsvorsteher Heinz Illi (EVP) zu überzeugen. Zwar habe der Stadtrat vor der ersten Durchführung durchaus Bedenken gehabt, wie Illi, der die Stadt in der Stadthallengenossenschaft vertritt, einräumt. Doch spätestens ein Augenschein vor Ort habe ihn eines Besseren belehrt: «Die Veranstaltung war sehr gut organisiert und verlief problemlos.» Dass trotz Rauchverbot in der Halle auf dem Vorplatz und auf der nahe gelegenen Wiese gekifft wurde, sei zwar auch ihm nicht gegangen. «Doch wir können nicht Hunderte von Menschen kontrollieren, zumal viele auch einfach nur Tabak rauchten – ein Kifferparadies war das Gebiet rund um die Stadthalle auf jeden Fall nicht.»

Auch dieses Jahr wird die Polizei jedoch Präsenz zeigen, so Illi. «Selbstverständlich wird sie, wie auch an jeder anderen Veranstaltung, das Geschehen im Auge behalten.» Sorgen macht er sich aber eigentlich keine: «Weil die Messe 2012 so reibungslos lief, sind wir guten Mutes, dass das auch dieses Jahr der Fall sein wird.» Illi plädiert zudem für etwas Toleranz: «Meine Welt ist es nicht», sagt er zwar unumwunden. «Doch die Menschen sind vielfältig, und solange alles im erlaubten Rahmen stattfindet, spricht nichts dagegen, den Messebesuchern gegenüber Toleranz zu zeigen.»

Die «Eltern gegen Drogen» haben für all das wenig Verständnis. Wie schon die Jahre zuvor wollen sie gegen die Messe protestieren – wie dies genau aussehen soll, haben sie aber noch nicht besprochen.

«Ganz stillschweigend wollen wir die CannaTrade nicht durchgehen lassen», sagt Geissbühler. «Wir wollen auf jeden Fall zeigen, dass Widerstand noch da ist.» Ob das wie 2007 in Bern mit einer Demonstration vor dem Messegelände geschehen soll, lässt sie offen. Wahrscheinlich ist das aber nicht: «Unser Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Wenn ich in Dietikon protestieren will, muss ich das Bahnbillett oder Benzin aus dem eigenen Sack bezahlen – während die Anbieter drinnen das grosse Geschäft machen», sagt sie resigniert.

Derweil blickt Marcel Müller einem möglichen Protest gelassen entgegen: «Der Zeitpunkt dafür ist ohnehin ganz schlecht: Wer dieser Tage einen Blick in die Zeitungen wirft, sieht, dass der Wind in der Drogenpolitik zurzeit nicht nur in Amerika, sondern auch hierzulande dreht.»