Dass die Stadt Dietikon finanziell nicht gut dasteht, ist kein Geheimnis. Die Gründe sind vielfältig, eine Patentlösung fehlt, doch auf eines konnte man sich in den letzten Jahren trotzdem einigen: Von den neu entstehenden Quartieren, allen voran das bald fertig gebaute Limmatfeld, verspricht man sich viel. Finanzkräftige Neuzuzüger sollen zumindest helfen, das Dietiker Budget wieder ins Lot zu bringen. Die Attraktivität der neuen Überbauungen für finanziell gut dastehende künftige Bewohner scheint auf der Hand zu liegen: kurze Arbeitswege ins Wirtschaftszentrum Zürich, viel Platz, Nähe zu Erholungsgebieten, Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür.

Dieses Rezept hat scheinbar auch in Schlieren funktioniert, das schon etwas früher mit Grossüberbauungen angefangen hatte. Doch anders als in Schlieren, das seinen Steuerfuss 2014 um fünf Prozent senken kann, scheint die Rechnung in der Bezirkshauptstadt noch nicht so recht aufzugehen. So musste das Dietiker Parlament am Donnerstag eine Rechnung verabschieden, die trotz rund 40 Millionen aus dem Finanzausgleich im Minus abschliesst, während der Steuerfuss 2014 um zwei Prozent steigt. Die Problemkinder sind immer die gleichen: Hohe Schul- und Sozialausgaben lassen die Stadt nicht vorwärtskommen.

Zu früh gefragt

Da hilft bislang auch der neue Wohnraum nichts, der steuerkräftige Zuzüger anlocken soll. Auch wenn sich das Limmatfeld kontinuierlich füllt, lässt sich insgesamt noch kein positiver Steuertrend feststellen, wie aus der stadträtlichen Antwort auf eine kleine Anfrage von CVP-Gemeinderat Gabriele Olivieri hervorgeht. Oder besser gesagt: Olivieri hat zu früh gefragt: Es liegen nämlich schlicht noch keine aussagekräftigen Daten für die frühestens vor wenigen Jahren bezugsbereiten Gebiete vor.

Das liegt laut Stadtrat daran, dass das Dietiker Steueramt rund 40 Prozent der Steuererklärungen – darunter auch sämtliche Erklärungen juristischer Personen – dem kantonalen Steueramt weiterleitet, das deutlich länger für deren Bearbeitung beansprucht. Damit liegen der Stadt im besten Fall provisorische Daten der Steuerperiode 2012 vor. Und auch diese sind mit Vorsicht zu geniessen: So bleiben etwa Personen, die unter dem Jahr aus einer anderen Gemeinde des Kantons zuziehen, bis Jahreswechsel am alten Wohnsitz steuerpflichtig.

Eine erste dürftige Aufstellung zeigt zwar eine positive Entwicklung der Steuerkraft im Limmatfeld auf: Rund 2850 Franken betrug sie 2012 pro Kopf, rund 600 Franken mehr als im Jahr zuvor und ebenfalls rund 600 Franken mehr als die des durchschnittlichen Dietikers im Jahr 2012. Doch zwei Jahre sind schwerlich eine genug lange Zeit, um eine kontinuierliche Entwicklung aufzuzeigen.

Aufgrund der lückenhaften Datenlage kann der Stadtrat nur Prognosen erstellen. So erwartet er, dass die Steuerkraft im Limmatfeld im Vergleich zur ganzen Stadt auf höherem Niveau bleiben wird. Doch ob dies in der Rechnung bald spürbar wird, bleibt dahingestellt. Denn die guten Steuerzahler kommen nicht gratis: Um ein Gebiet für die erwünschte Klientel attraktiv zu machen, muss die Stadt einiges an Geld in die Hand nehmen. Neue Quartierbevölkerungen brauchen neue Infrastruktur; Strassen, Schulen, Plätze wollen erst gebaut sein, bevor man sie als Standortargument einsetzen kann.

Weitere Investitionen stehen an

So warnt die Exekutive auch davor, die auf den ersten Blick positive Entwicklung im Limmatfeld für bare Münze zu nehmen. «Das Gebiet hat auch die grössten Infrastrukturinvestitionen verursacht», schreibt er und schiebt nach, dass weitere anstehen. Denn sobald das Limmatfeld steht, gehts ans nächste Entwicklungsgebiet, auf dem grosse Hoffnungen für eine langfristige Stärkung der Steuerkraft ruhen: das Niderfeld. Für die Zwischenzeit erachtet es der Stadtrat als «wohl vorteilhafter», in bestehende Quartiere zu investieren. Denn Altbausanierungen wirken sich ebenso positiv auf den Bevölkerungsmix aus wie neue Quartiere, dessen ist sich Finanzvorstand Rolf Schaeren sicher. Der Unterschied: «Diese kosten die Stadt so gut wie nichts.»