Schlieren
Die Grünen finden keinen Nachwuchs für den Gemeinderat

Nur der bisherige Gemeinderat Dominik Ritzmann lässt sich für die Erneuerungswahlen 2014 aufstellen. Nebst Ritzmann sitzt heute nur noch Beat Rüst, Präsident der Schlieremer Grünen, im Parlament. Er tritt jedoch aus privaten Gründen nicht mehr an.

Alex Rudolf
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Dominik Ritzmann kämpft alleine für die Grünen um einen Gemeinderatssitz in Schlieren.

Dominik Ritzmann kämpft alleine für die Grünen um einen Gemeinderatssitz in Schlieren.

Wirft man einen Blick auf die Parteilisten der Gesamterneuerungswahlen des Schlieremer Gemeindeparlamentes, fallen die Grünen auf. Auf ihrer Liste ist nur ein Name aufgeführt. Der bisherige Dominik Ritzmann bewirbt sich für als Einziger seiner Partei für die Legislative.

Es sei enorm schwierig gewesen, Personen zu finden, die sich auf die Liste setzen lassen wollten, sagt der Präsident der Schlieremer Grünen, Beat Rüst. «Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, in der die meisten möglichst wenig Verantwortung übernehmen wollen.» Dies entspreche dem Zeitgeist. Dass sich die Wähler von einer Einerliste abschrecken lassen könnten, glaubt Rüst derweil nicht. «Anderen Listen sieht man an, dass dort einige Mitglieder nur als Füller aufgeführt wurden.» Dies mache keinen Sinn.

Nach 16 Jahren ist Schluss

Heute sitzen für die Grünen Dominik Ritzmann und Beat Rüst selbst im Parlament. Rüst entschied, aus privaten Gründen nicht mehr zu kandidieren. Doch was passiert, wenn seine Partei einen zweiten Sitz - den aktuell Seinigen - durch Wahllisten verteidigen kann? «Diese Möglichkeit besteht durchaus. Vor vier Jahren haben rund 250 Wähler die grüne Liste in die Urne gelegt», sagt er.

Wenn ihnen in dem 36 Sitze fassenden Gremium ein zweiter Sitz zustehe, dann müsse er das Gespräch mit Leuten der Basis erneut suchen. «Viele Mitglieder unserer Partei hätten sich weiter hinten auf der Liste aufstellen lassen, wollten aber unter keinen Umständen gewählt werden.» Diese Personen - er nennt keine Namen - würde Rüst, wenn zwei Sitze erzielt würden, erneut kontaktieren. Er selber hat sich fest vorgenommen, nach 16 Jahren im Gemeinderat 2014 den Hut zu nehmen.

2010 waren es sieben Kandidaten

Vor vier Jahren vermochten die Grünen eine grössere personelle Vielfalt zu bieten. Sieben Kandidaten stellten sich damals für den Gemeinderat zur Verfügung. Wo sind die Lokalpolitiker heute? «Einige sind weggezogen, bei anderen haben sich berufliche oder familiäre Veränderungen eingestellt», so Rüst.

SP hat keine Mühe

Ganz anders sieht es bei den Sozialdemokraten aus. Neben den acht bisherigen Gemeinderäten, die sich zur Wiederwahl stellen, kommen elf neue Gesichter hinzu. Von diesen haben fünf Personen Jahrgang 1980 oder sind noch jünger.

Was ist das Geheimnis der SP Schlieren? Präsidentin Béatrice Bürgin erklärt, dass bereits bisher jüngere Menschen für die SP im Gemeinderat sassen, diese ihre Kollegen dann für die Partei begeistern konnten. Was das Nachwuchsproblem der Grünen angeht, äussert Bürgin die Vermutung, dass die Partei auf kommunaler Ebene vor allem als Vertreter des Umweltschutzes wahrgenommen wird.

«Dass sie auch Standpunkte in der Verkehrs- und Sozialpolitik haben, das hört man eher wenig.» Um mehr Zuspruch zu finden, müssten die Grünen vermehrt auch Jugend- und Sozialthemen besetzen, so Bürgin.

Negative Auswirkungen auf die Arbeit im Rat erwartet Rüst kaum. «Auf kommunaler Ebene politisieren die Sozialdemokraten und wir Grünen beinahe deckungsgleich», hält er fest. Die Kernthemen seiner Partei würden ohnehin auf kantonaler oder nationaler Ebene entschieden. «Falls sich bei diesen Wahlen ein Sitz von den Grünen zur SP verschiebt, wären die grünen Anliegen somit nicht in Gefahr».

Die Grünliberalen (GLP) und die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) stellen für die Wahlen am 9. Februar erstmals eine Liste. Mit drei beziehungsweise fünf Kandidaten überflügeln sie die Grünen. Dass diese beiden neuen Kräfte den unbesetzten Sitz seiner Partei erhalten, glaubt Beat Rüst nicht. «Die GLP und die EDU werden der FDP, vielleicht sogar der SVP, Wählerstimmen streitig machen. Aber sicherlich nicht uns.»