Es passierte am Dienstag in der Nähe der Stadthalle Dietikon: Hündin Paula ist bei einer Betreuerin. Als diese die Autotüre öffnet, springt Paula aus dem Auto und läuft Richtung Schrebergärten davon. Die Suche startet noch am Dienstagabend.

Mehrmals wurde die Hündin in der Stadt gesehen, war aber immer schon wieder weg, als die Besitzer eintrafen. Um elf Uhr abends stellen sie die Suche ein – aber nur vorübergehend. Sie fahren nach Hause und drucken Plakate: 10000 Franken Finderlohn versprechen sie demjenigen, der ihnen Paula zurückbringt. Der Arzt aus Aarau, dem der Hund gehört, möchte nicht namentlich genannt werden. Nennen wir ihn deshalb der Einfachheit halber Peter Müller.

Grosse Hilfsbereitschaft

Die Suche ging dann weiter bis drei Uhr nachts. Bekannte wurden mobilisiert, und auch Paulas Kinder beteiligten sich an der Suche. Die Hündin ist nämlich stolze Mutter von sieben jungen Hunden. Aber auch das nützte nichts, die Suche blieb ergebnislos. Zwischen drei und sechs Uhr nachts hängte der Suchtrupp Plakate auf; als es dann langsam wieder hell wurde, ging die Suche weiter.

«Immer mehr Leute beteiligten sich – es haben um die 50 Leute angerufen, die helfen wollten, oder den Hund gesehen hatten», sagt Müller. Er ist überwältigt von der grossen Hilfsbereitschaft: «Es gab Leute, die haben uns herumgefahren, ein Tramchauffeur hat Paula gar auf den Schienen gesehen und über Funk seinen Kollegen mitgeteilt, sie sollen bitte achtsam sein.» Eine Frau habe einen Aufruf auf Facebook gemacht, Kiosks, Restaurants und Geschäfte hätten die Augen offen gehalten und sie bei der Suche unterstützt, sagt Müller. «Dabei ging es den meisten gar nicht ums Geld. Viele sagten von Anfang an, dass sie keinen Finderlohn möchten», erzählt Müller, der von der Unterstützung sichtlich gerührt ist.

Am Mittwoch Mittag fehlt dann von Paula plötzlich jede Spur. «Sechs Stunden lang erhielten wir keinen Anruf mehr.» Am späteren Nachmittag wird die Hündin dann wieder in der Stadt gesehen, mitten im Feierabendverkehr. «Sie hatte grosses Glück, dass ihr nichts passiert ist, sie ist im ungünstigsten Moment kreuz und quer über die Strassen gerannt», sagt Müller. Dann endlich kommt der erlösende Anruf: Im Langsamstig hatte sich die Hündin im Wald versteckt, sie war im Unterholz und kam nicht mehr hervor. Das scheue Tier getraute sich auch nicht gleich heraus, als die Besitzer eintrafen und es mit Hunde-Läckerli lockten. Erst nach einer halben Stunde liess es sich überzeugen.

Nur emotionaler Wert

Die Familie, die den Hund gefunden hat, möchte den Finderlohn nicht. «Wir stehen noch in Verhandlungen, wir möchten der Familie aber auf jeden Fall ein Geschenk machen – versprochen ist versprochen», so Müller, der endlich wieder mit Paula vereint ist. «Es war toll, wie uns die ganzen Leute bei der Suche unterstützt haben – viele haben sich auch nach gelungener Suche erkundigt, wie es dem Hund geht», sagt er und zeigt die vielen SMS, die er erhalten hat. Den hohen Finderlohn hat er übrigens nicht ausgesetzt, weil es sich um einen wertvollen Hund handeln würde. Müller: «Für mich ist es ein rein emotionaler Wert.»