Urdorf

Die grosse Kampfwahl ums Schulpräsidium

In der Bildmitte die Urdorfer Schulanlage Embri – dort befindet sich auch die Schulverwaltung, wo sich die Schulpflege zu Sitzungen trifft. Sandra Ardizzone

In der Bildmitte die Urdorfer Schulanlage Embri – dort befindet sich auch die Schulverwaltung, wo sich die Schulpflege zu Sitzungen trifft. Sandra Ardizzone

Stefan Zehnder und zwei weitere Schulpflegemitglieder treten 2018 nicht an – der Wahlkampf wird spannend.

Der Urdorfer Schulpräsident Stefan Zehnder (parteilos) tritt bei den Wahlen 2018 nicht mehr an. Sechseinhalb Jahre lang war er Schulpfleger, bevor er 2002 als Präsident gewählt wurde. Nun, nach 22 Jahren im Dienst des Volkes, ist am 31. Juli 2018 Schluss. Dann endet die Amtsperiode. Mit Zehnder werden zwei weitere verdiente Schulpflegemitglieder abtreten. Namentlich sind das der parteilose Fritz Iseli (seit 2010 in der Schulpflege, unter anderem Delegierter für das Schulhaus Zentrum) und die parteilose Schulvizepräsidentin und Sonderpädagogik-Vorsteherin Françoise Schnellmann (seit 1998 in der Schulpflege). «Es ist Zeit, etwas Neues in Angriff zu nehmen», sagt Schnellmann zu ihrem Entscheid. Zudem sei es wünschenswert, dass nun jüngere Leute mit schulpflichtigen Kindern gewählt werden: «Meine Kinder sind mittlerweile ausgezogen.»

Die Urdorfer CVP-Ortspartei gab gestern bereits ihren Anspruch auf das Schulpräsidium bekannt: Sie teilte mit, dass der Parteivorstand die Schulfinanzvorsteherin Irmgard Struchen als Schulpräsidentin vorschlägt. Sie ist seit 2006 Schulpflegerin.

Am 9. November wird die CVP-Versammlung voraussichtlich Struchens Kandidatur absegnen, die vor dem Hintergrund der letzten beiden Wahlen keine totale Überraschung ist: Beide Male holte Struchen hinter Françoise Schnellmann das zweitbeste Resultat. «Ich bin motiviert und wurde über die Jahre auch von aussen immer wieder darauf angesprochen, als Präsidentin zu kandidieren», sagt Struchen. Sie kenne sowohl die Schulgemeinde als auch die politische Gemeinde sehr gut: «Eine gute Zusammenarbeit der beiden Güter ist mir ein grosses Anliegen.»

Struchen, Eberle, Fuchs: Dreikampf?

Als Finanzvorsteherin habe sie zudem schon bisher ähnlich viel Zeitaufwand gehabt wie der Präsident. Welcher Führungsstil wäre von Struchen zu erwarten? «Ich bin konsensfähig und respektvoll im Umgang mit anderen Meinungen, in einem Wort: weiblicher.» Aber auch Hartnäckigkeit könne sie an den Tag legen.

Die wird sie bald brauchen: Auch Schul-Liegenschaftenvorsteher René Eberle (SVP, seit 2002 in der Schulpflege) will Schulpräsident werden, wie die SVP bestätigt. Und Musikschulvorsteher Markus Fuchs (SP, seit 2013 in der Schulpflege) wurde von der SP am 31. August nominiert.

SP hat bereits neue Kandidatin

Weiter hat die SP bereits eine mögliche neue Schulpflegerin gefunden: Sie hat Emine Osmani als Kandidatin nominiert. Für die EVP – die Partei führt noch Gespräche – wird voraussichtlich die Bisherige Theres Seiler antreten, für die FDP die Bisherige Barbara Meerwein. Die GLP führt ebenfalls noch Gespräche. Sie ist bisher weder in der Schulpflege noch im Gemeinderat vertreten. Und für die SVP will neben Eberle auch Schulpfleger Roger Schmidinger wieder kandidieren.

Damit zurück zu Stefan Zehnder, der 2018 ganze 22 Jahre in der Schulpflege hinter sich haben wird. «Ich bin der Meinung, das ist genug», erklärt Zehnder. «Es ist schon auch etwas Wehmut da, denn ich habe es sehr gerne gemacht. Aber jetzt braucht es junge Leute für den Generationenwechsel», führt Zehnder weiter aus. In dieser Hinsicht freut sich Zehnder darüber, dass der 37-jährige parteilose Marcel Weber 2018 wieder versuchen wird, in die Schulpflege einzuziehen. Zur Kampfwahl ums Schulpräsidium will sich Zehnder nicht äussern: «Da enthalte ich mich.»

Zehnders Leistungsausweis ist gross. Als gewichtige Stimme hat er letztes Jahr mitgeholfen, die Eigenständigkeit der Schulgemeinde in der Volksabstimmung zu bewahren. Und unter ihm hat sich die Urdorfer Schule ihren Ruf als gute innovative Schule bewahrt. In Zehnders Amtszeit fiel auch der Volksentscheid, die Schulpflege von elf auf neun Mitglieder zu reduzieren. «Der grösste Schritt in meiner Amtszeit war aber die Einführung der Schulleitungen», ergänzt Zehnder. In Urdorf wurde das Schulleitungsmodell zur Jahrtausendwende eingeführt.

Bis zu seinem letzten Amtstag am 31. Juli 2018 ist Zehnder «eine gute Übergabe» am wichtigsten. Und damit meint er nicht nur die Schulpflege, sondern auch die Schulkommission der Berufswahlschule Limmattal, die er ebenfalls präsidiert. Auch dort steht ein grösserer Umbruch bevor, ist doch der Dietiker Stadtrat Jean-Pierre Balbiani (SVP) Vizepräsident, der sich 2018 ebenfalls von seinen Ämtern verabschieden wird. Klar ist auch schon, wo Zehnder seinen Abschied feiern wird: an der traditionellen Schulschlussfeier Mitte Juli.

Gemeinderat: Sitzgewinn für SVP?

So grosse Umbrüche wie bei der Schulpflege stehen beim Urdorfer Gemeinderat nicht bevor. Sandra Rottensteiner (EVP, Präsidentin), Thomas Hächler (FDP, Vizepräsident), Danilo Follador (CVP), Olivier Buchs (FDP) und Andreas Herren (SP) werden wieder antreten, wie gestern von der Gemeindeverwaltung zu erfahren war. Schon lange bekannt ist, dass Urs Rimensberger (parteilos) nicht mehr antritt.

Noch offen ist, ob Roland Stämpfli (SVP) weitermachen will oder nicht. Die SVP hält sich allgemein bedeckt, bis die Mitgliederversammlung am 11. November konkrete Beschlüsse gefasst hat. Auf Anfrage sagt SVP-Ortsparteipräsident Jürg Bosch aber: «Wir haben jemanden, der sich ganz konkret für die Nachfolge von Gemeinderat Rimensberger interessiert.» Damit hat die SVP ihren Mitstreitern zurzeit etwas voraus. Bis zum 4. März 2018 dauert es noch 170 Tage. Dann wählt das Volk. Bis dahin braucht es noch eine dritte Person, die neu für die Schulpflege kandidiert, um alle Sitze zu besetzen.

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