Weihnachtsbeleuchtung
Die «Giraffe» holt die letzten Lichterketten vom Himmel

Weihnachten ist schon lange vorbei, das neue Jahr vor 12 Tagen angebrochen. Nun ist in Dietikon die Weihnachtsbeleuchtung demontiert worden.

Nicole Emmenegger
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Runter mit dem Festtags-Schmuck: EKZ-Mitarbeiter Guido Giudici im Arbeitskorb der Hebebühne. nem

Runter mit dem Festtags-Schmuck: EKZ-Mitarbeiter Guido Giudici im Arbeitskorb der Hebebühne. nem

Limmattaler Zeitung

Die Weihnachtswärme verglimmt im Morgengrauen: Zum letzten Mal in diesem Winter erlöschen die 1800 Glühbirnen, die Dietikon seit der Adventszeit einen festlichen Glanz verliehen haben. Und schon reckt an der Ecke Asylstrasse/Zürcherstrasse die «Giraffe» ihren 17 Meter langen Hals in die Höhe, nähert sich dem ersten Weihnachtsstern, der an einer Strassenlampe hängt.

«Giraffe» – so nennt EKZ-Mitarbeiter Guido Giudici die Hebebühne, in deren Arbeitskorb er sich per Joystick durch die Luft manövriert. Tief unten regelt Adrian Richli von der städtischen Gartenbau-Abteilung im orangefarbenen Gewand den Verkehr. Der Korb ruckelt ein wenig, ein Bus braust unten durch. Trotzdem behält Giudici eine ruhige Hand, als er die Anschlussdrähte des Weihnachtssterns vom Stromkreis der Strassenlampe trennt.

Etwas später sinkt der Stern im Arbeitskorb zu Boden, in die Arme von Elektriker Tim Karakushi. Von nah sieht der Stern mit seinen grünen Plastikfransen und den alten Glühbirnen ziemlich unglamourös aus. Besonders, als Karakushi ihn später in einem weissen Transportwagen verstaut.

Glanz ging über die Jahre verloren

Vom Himmel hoch direkt in den dunklen Laderaum – und am Abend in den Keller der Firma Elektro Locher Installationen AG in Bergdietikon, wo die Dietiker Weihnachtsdekoration für den langen Sommerschlaf vorbereitet wird.

Defekte Glühlampen werden ersetzt, kaputte Sterne oder Girlanden hingegen ausgemustert, wie Werkhofleiter Lorenz Fränzl sagt: «Die Dekoration ist schon rund 40 Jahre alt und soll gemäss den städtischen Richtlinien 2012 ersetzt werden. Da lohnt es sich nicht, defekte Teile aufwändig zu reparieren.»

Stern um Stern, Girlande um Girlande sind aus diesem Grund in den letzten Jahren für immer erloschen. «Früher hingen die Girlanden noch in der Badenerstrasse und an den Häuserfassaden im Zentrum», erinnert sich Fränzl. 1999 konnte die Stadt die Beleuchtung vom aufgelösten Verein Pro Dietikon übernehmen; seither investiert sie jährlich rund 10 000 Franken in die Wartung, in die dreitägige Montage sowie in die zweitägige Demontage.

Improvisieren beim Schmücken

Die «Giraffe» rollt weiter die Zürcherstrasse hinunter, zu einer Girlande, die quer über die Strasse hängt. Auf einer Metallleiter klettert Elektriker Tim Karakushi eine Hausfassade hoch. Trotz frostiger Temperaturen trägt er keine Handschuhe, seine Finger sind von den Arbeiten geschwärzt. Sein Ziel ist die «Pizza-Blitz»-Leuchtreklame, an der ein Drahtende der Girlande befestigt ist.

Nachdem er dieses gelöst hat, übernimmt Werkhof-Mitarbeiter Adrian Richli die baumelnde Lichterkette. Ein Blick nach links, nach rechts, dann geht er damit hurtig über die verkehrsreiche Strasse – «damit kein Auto hineinfährt», wie Richli sagt. Er ist seit rund 30 Jahren für den Werkhof tätig und kennt die Dietiker Weihnachtsbeleuchtung wie kein Zweiter. «Wir müssen jedes Jahr improvisieren, wenn wir die Beleuchtung montieren», erzählt er. Viele alte Gebäude und Strassenlampen, an denen die Sterne und Girlanden einst befestigt waren, seien aus dem Stadtbild verschwunden, sagt Richli. Bei neuen Strassenlampen würden die altertümlichen Anschlüsse einiger Beleuchtungselemente nicht passen: normale Stecker, wie sie bei Haushaltsgeräten üblich sind.

Die Polizei muss helfen

Wie der echte Sternenhimmel sieht die Dietiker Weihnachtsbeleuchtung deshalb jedes Jahr etwas anders aus. Was hingegen bleibt, sind die Tücken bei der Montage und Demontage. Bei der Bijouterie «Tesoro» zeigt Adrian Richli auf eine automatische Sonnenstore. Diese Store habe sich einmal just in dem Moment geöffnet, als er die davor platzierte Leiter emporgeklettert sei, erzählt er und lacht.

Die Hauptgefahr droht indes vom Verkehr, der sich neben den Arbeitern durch die Strassen wälzt. «Das Nadelöhr ist die Bremgartnerstrasse, wo zusätzlich die Bremgarten-Dietikon-Bahn verkehrt», sagt Werkhofleiter Lorenz Fränzl. Dort regle jeweils die Stadtpolizei den Verkehr. Ein weiteres Risiko stellt die 1200-Volt-Fahrleitung der Bahn dar, um die sich EKZ-Mitarbeiter Guido Giudici mit seiner Hebebühne in sicherem Abstand herummanövrieren muss.

Die Spannung beim Zuschauer steigt aber bereits kurz vor der Bremgartnerstrasse. Das Fahrzeug mit der Hebebühne muss an einem ungewöhnlichen Ort parkiert werden: auf einer schmalen Verkehrsinsel in der Strassenmitte. Mit Brettern verbreitert Adrian Richli die Insel, damit die «Giraffe» mit ihren vier Rädern und den vier zusätzlichen Stützen Platz findet. Scheinbar stabil. Doch Giudici muss den 17 Meter langen Arm der Hebebühne bis ans Limit einsetzen, um den Stern an einer Strassenlampe zu erwischen. Die hinteren Stützen heben leicht vom Boden ab. Dann ist es geschafft. Im Scherz bekreuzigt sich der EKZ-Mitarbeiter, als er wieder nach unten schwebt. Laut den Arbeitern ist die Demontage der Weihnachtsbeleuchtung bisher stets unfallfrei verlaufen.

Ein Blick zurück in die Zürcherstrasse: Im Laufe des Morgens sind dort die letzten Spuren der Feiertage verschwunden. «Ich werde die Beleuchtung schon etwas vermissen», sagt Adrian Richli. Zwar sei die Montage im November beschwerlich, «aber wenn sie dann oben ist, freut man sich halt doch daran.»

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