Dietikon

Die «gestrandeten Wale» vom Marmoriweiher sprühen klares Wasser aus

Die letzten Wochen wurden grosse Mengen an Sedimenten aus dem Marmoriweiher geholt — dabei kamen auch seltsame Säcke zum Einsatz

Sie sehen ein wenig aus wie Wale, die auf unerklärliche Weise an dieser Stelle gestrandet sind. Und sie dürften in den vergangenen Tagen wohl so manchen Spaziergänger verwundert haben: Ein halbes Dutzend grosse, schwarze Schläuche, die auf einer Wiese neben dem Marmoriweiher liegen. Es sind sogenannte «Geotubes», prall gefüllt mit Sedimenten, welche eine darauf spezialisierte Firma im Auftrag der Stadt die letzten Wochen aus dem Weiher gebuddelt hat.

«In den Säcken trennen sich die Sedimente vom Wasser», erklärt Thomas Weber, Leiter der Stadtgärtnerei. Während das Sediment in den Schläuchen bleibt, tritt das Wasser durch deren durchlässige Haut wieder aus — die Oberfläche der Schläuche ist dementsprechend feucht. «Das saubere, sedimentfreie Wasser fliesst danach in die Reppisch», sagt Weber und deutet auf den Fluss, zu dem der Boden unter den Schläuchen leicht abfällt. Die Reppisch wiederum speise den Marmoriweiher. «Der Kreislauf ist damit geschlossen», sagt Weber. Die Sedimententfernung, die nötig ist, damit der Zulauf in den Weiher nicht verlandet, finde damit ohne grosse Umweltbelastung statt.

Stadtgärtner Thomas Weber

Stadtgärtner Thomas Weber

Die Geotubes haben aber noch einen anderen Vorteil. Durch die Trennung der Sedimente vom Wasser wird das Gewicht des anfallenden Materials kleiner, womit die Stadt bei der Entsorgung spart. «Die Sedimente sind zum Teil mit Schadstoffen belastet und müssen deshalb speziell entsorgt werden», sagt Weber. Im Wasser, das zurück in die Reppisch fliesst, blieben aber keine Schadstoffe zurück, versichert Weber: «Bevor der Schlamm in die Schläuche gepumpt worden ist, wurde er mit einem Flockungsmittel angereichert.» Dieses Mittel sorge dafür, dass auch kleinste Partikel gebunden und vom Wasser getrennt würden.

750 Badewannen voll

Die Schläuche werden noch bis im Februar neben dem Weiher gelagert. So wird laut Weber einerseits sichergestellt, dass das Material vollständig entwässert ist. Und: «Der Boden ist dann gefroren und wird durch den Abtransport der Sedimente nicht so stark beschädigt.»

Denn auch entwässert ist die Menge an organischem Material, wie Sand, Kies oder Erde, aber auch an Siedlungsabfällen, die mit einem Saugbagger aus dem Weiher geholt wurden, beachtlich. Ein genaues Gewicht kann Weber aufgrund der unbestimmten Zusammensetzung des Materials nicht nennen. «Wenn die Sedimente mit viel Laub durchsetzt sind, ist das Gewicht geringer.» Einige Dutzend Tonnen dürften die prall gefüllten Geotubes aber durchaus wiegen.

Das Volumen der ausgehobenen Sedimente schätzt Weber auf 150 Kubikmeter — was etwa dem Inhalt von 750 Badewannen entspricht. Neben der grossen Menge an Sedimenten hat der spezielle Amphibienbagger, der im Marmoriweiher zum Einsatz kam, auch ein T-Shirt aus dem Wasser geholt. Ausserdem seien in den Schläuchen wohl auch Flaschen und Dosen gelandet. «Im Vergleich zu anderen Gewässern ist das Littering im Marmoriweiher kein grosses Problem», sagt Weber.

Fische wurden hingegen vom Bagger keine aus dem Weiher geholt, wie der Leiter der Stadtgärtnerei versichert. «Die Kraft reicht nicht aus, um einen gesunden Fisch aus dem Wasser zu saugen.» Ausserdem werden die Tiere durch die Vibrationen vertrieben.» Um die Tierwelt im und um den Weiher durch den Eingriff nicht zu fest zu stören, seien die Arbeiten ausserdem zwischen der Brutzeit der Vögel und der Schonfrist für die Fische durchgeführt worden.

Der Marmoriweiher wurde zuletzt 2009 von Sedimenten befreit. Die Arbeit ist nötig, damit der Zufluss von Reppisch-Wasser nicht blockiert wird. So wird die Strömung des Weihers erhalten und gleichzeitig verhindert, dass die Wasseroberfläche aufgrund der Verlandung kleiner wird.

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