Unterengstringen
Die Geschichte von Absatzmördern und Hundefellen

Oskar Bamert macht im Ortsmuseum Geschichte erlebbar. Einst war die Liegenschaft die heute das Ortsmuseum beherbergt, ein Herrschaftshaus mit Ländereien, Rebbau, Stallungen, einigen Angestellten und Gesinde. Heute ist es Bamerts Reich.

Susanne Brem
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Limmattaler Zeitung

Wissen Sie, was ein Absatzmörder ist? Und woher kommt Ausdruck «Auf den Hund gekommen»? Oskar Bamert vom Ortsmuseum Unterengstringen weiss es - das und noch viel mehr. Ausserdem heizt er den alten Kachelofen im Museum ein: vom November bis März, immer am 1. Sonntag im Monat. Und dann wird Brot darin gebacken.

Einst war die Liegenschaft an der Weidstrasse 13, die heute das Ortsmuseum beherbergt, ein stattliches Herrschaftshaus mit Ländereien, Rebbau, Stallungen, einigen Angestellten und Gesinde. Ein stummer Zeitzeuge aus dieser Zeit ist der alte Kachelofen. Wenn Oskar Bamert anfängt über ihn zu sprechen, dann gerät er ins Schwärmen.

«Hier hinter dieser Wand verbirgt sich ein ganzes Labyrinth von Gängen», sagt er. «Da unten wird das Feuer gemacht. Dann geht der Rauch zuerst hier hoch, dann geht er nach hinten in den Kachelofen, dann kommt er hier zurück, geht wieder nach hinten und wieder nach vorn und schliesslich da hinauf.» Mit den Schiebern kann Oskar Bamert steuern, wo die Wärme hin soll: Es ist ein cleveres System, ob das Feuer den Kachelofen und damit die Wohnstube im Haus heizen soll, ob zusätzlich auch das Ofenbänkli warm werden soll, oder ob das Feuer «nur» zum Kochen gebraucht wird.

Vorsichtiges Einheizen gefragt

Wenn er am 6. November das erste Mal nach einem halben Jahr wieder Brot backen will, muss Oskar Bamert vorsichtig einheizen. «Der Schamottstein hat den Nachteil, dass er viel Feuchtigkeit speichert. Wenn ich zu schnell einheizen würde, könnte der Ofen bersten», sagt er. Er wird deshalb bereits am Vortag das erste Feuer im Ofen anfachen. Am Sonntag wird er dann um 5 Uhr in der Früh noch einmal ein Bürdeli Holz verbrennen, damit der Brandraum richtig heiss ist, wenn um 10 Uhr die Besucher kommen. Seine Frau bereitet in der Zwischenzeit zu Hause den Teig zu. Um 11 Uhr wird es im ganzen Haus nach frischem Brot duften. Schaulustige und Brothungrige sind herzlich willkommen.

Über das Ortsmuseum weiss Oskar Bamert so einiges zu berichten. Gerne zeigt er den Besuchern die alten Trouvaillen. Den «Bürdelibock» zum Beispiel oder die «Windröndle». Das eine brauchte man, um im Wald Holzbürdeli zusammenzubinden und das andere, um das Korn von der Spreu zu trennen.

Was ist ein Absatzmörder?

Er erzählt Anekdoten vom Böögg, der bis heute zu Mittefasten am Ufer der Limmat verbrannt wird. Er erzählt vom Rebbau und vom Ackerpflug und wie wichtig diese Geräte für unsere Vorfahren hier waren: So wichtig, dass der Gertel und die Pflugschar, «s'Wägiise» noch heute im Unterengstringer Wappen zu sehen sind.

Aber wussten Sie, was ein «Absatzmörder» ist? Das sind die Eisen, die man im Winter an den Schuhen befestigt hat, um damit Schlittschuh zu laufen. Diese Eisen hatte man vorne am Schuh eingeklemmt und hinten am Absatz festgeschraubt. So fest, dass der Absatz öfters mal zu Schaden kam oder ganz kaputt ging. Schlittschuh gelaufen sind die Leute trotzdem - einfach, weil es Spass gemacht hat.

Aber woher stammt der Ausdruck «Auf den Hund gekommen»? «Das kam so» - Bamert öffnet eine grosse Truhe in der früher Vorräte aufbewahrt wurden: Mehl, Weizen, gedörrtes Obst und Bohnen: «Um die Vorräte vor dem Marder zu schützen, legte man zuunterst in die Truhe ein gegerbtes Hundefell.» Der feine Geruch des Felles habe dann den Marder von den Vorräten ferngehalten. «Danach assen die Leute im Winter die Vorräte. Und die Truhe wurde immer leerer, bis man schliesslich zuunterst das Fell sah», weiss Bamert. War der Frühling noch weit und die Vorräte schon aufgegessen, so war man «auf dem Hund gekommen»!

Schulen anlocken

Oskar Bamert, der der Museumskommission seit dem 1. September 2010 angehört, hat eine Vision: Er möchte die Geschichte lebendiger und das Museum für die Jugend wieder zugänglicher machen. Dafür hat er viele Ideen: Er will Schulen anlocken und er möchte Handwerker, die die alte Handwerkskunst noch beherrschen, vom Schuhmacher zum Zimmermann und bis zum Eisenschmied, einladen, damit sie ihre Kunst im Ortsmuseum zeigen, immer am ersten Sonntag im Monat. Zunächst wird er jetzt aber Brot backen im Kachelofen vom ehemaligen Herrschaftshaus an der Weidstrasse in Unterengstringen.

Brotbacken im alten Holzofen: Sonntag, 6. Nov. 10.00 Uhr im Ortsmuseum, Weidstrasse 13, Unterengstringen.