Grippe-Welle

Die geografischen Ausmasse der Grippewelle bleiben unberechenbar

Die saisonale Grippe hat inzwischen die ganze Schweiz erfasst. (Symbolbild)

Die saisonale Grippe hat inzwischen die ganze Schweiz erfasst. (Symbolbild)

Die Limmattaler Zeitung wollte wissen, warum die Grippe an manchen Orten früher, an anderen später auftritt, warum Kinder der Hauptrisikofaktor für Erkrankungen sind, und warum sich Impfen jetzt nicht mehr lohnt.

Die Grippewelle hat die Region erfasst - solche Meldungen häuften sich in den letzten Wochen. Inzwischen hat die saisonale Grippe nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) die ganze Schweiz im Griff. Am meisten Fälle pro 100 000 Einwohner wurden aus Graubünden und dem Tessin gemeldet, gefolgt von der Innerschweiz und der Region Bern/Fribourg/Jura. Die Region Ostschweiz, zu der das BAG den Kanton Zürich zählt, lag knapp unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Doch wie gestaltete sich der geografische Verlauf der Grippewelle? Und wie lässt er sich erklären?

Im Osten etwas später

Laut Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, trat die Grippe diesmal zuerst in der West- und Südschweiz auf. Im Osten unseres Landes sei sie etwas später angekommen, in Frankreich etwas früher. «Sie hat nicht immer den gleichen geografischen Verlauf», erklärt Koch.
Warum die Grippe an manchen Orten früher, an anderen später auftrete, sei kaum erklärbar. Zu vielfältig seien die Faktoren, die dazu beitragen. Koch nennt einige davon: «Das Wetter spielt eine Rolle, dann die Frage, um welchen Virus es sich handelt - und ob die Bevölkerung diesen Virus schon mal erlebt hat. Es ist komplex, schlimmer als beim Wetter. Daher sind keine Vorhersagen möglich.»

Hauptrisikofaktor Kinder

Für die Ausbreitung der Grippe besonders relevant sind Kinder, wie Stefan Kuster, Oberarzt am Universitätsspital Zürich, sagt: «Sie stecken sich in der Schule, im Kindergarten oder in Spielgruppen gegenseitig an und sind weniger immun als Erwachsene, weil sie noch nicht so viele Grippewellen erlebt haben.» Der Kontakt mit Kindern sei daher der Hauptrisikofaktor punkto Grippe. Doch auch die Reisetätigkeit spiele für deren Ausbreitung eine Rolle - was den geografischen Verlauf der Grippe noch unberechenbarer mache. Daneben wirken laut Kuster auch Faktoren wie tiefe Temperatur und tiefe Luftfeuchtigkeit mit.
Bei der diesjährigen Grippe handelt es sich übrigens nicht um eine speziell gefährliche. «Es ist eine normale saisonale Grippe», sagt BAG-Experte Koch. Der vom BAG definierte epidemische Schwellenwert von 69 Verdachtsfällen pro 100 000 Einwohner wurde vor gut drei Wochen überschritten, zuletzt lag er schweizweit bei 201. Im Vorjahr flaute die Grippewelle ab dieser Grössenordnung wieder ab. Vor zwei Jahren hingegen gab es pro Woche maximal gegen 300 Verdachtsfälle auf 100 000 Einwohner. Und: In den beiden Vorjahren dauerte die Grippewelle neun respektive zwölf Wochen. Ob der epidemische Schwellenwert nun auch in der vierten Januarwoche überschritten wurde, gibt das BAG heute bekannt.
Wie auch immer: «Zum Impfen ist es jetzt zu spät, das hätte man schon im Herbst tun sollen», sagt Koch. Was an präventiven Massnahmen bleibt: Häufiges Händewaschen, gebrauchte Nastücher schnell entsorgen, keine Mitmenschen anhusten. Und wen die Grippe erwischt hat - was sich durch plötzlich ansteigendes Fieber, Gliederschmerzen, verbunden mit Halsweh, Schnupfen oder Kopfweh anzeigt - für den ist Bettruhe ratsam, solange er Fieber hat, ruft Koch in Erinnerung. Zudem können fiebersenkende Medikamente helfen.

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