Dietikon
Die Gemüsekooperative in Dietikon will in Zukunft doppelt so gross werden

Die auf dem Fondli-Hof beheimatete Genossenschaft Ortoloco hat ihre Expansion beschlossen. Die Lust an der gemeinsamen Arbeit, die Unabhängigkeit vom Markt und die Freude daran, Biogemüse aus dem eigenen Garten zu beziehen sind Antrieb genug.

Bettina Hamilton-Irvine
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So macht die Arbeit Spass: Gross und Klein helfen im Ortoloco-Garten in Dietikon.

So macht die Arbeit Spass: Gross und Klein helfen im Ortoloco-Garten in Dietikon.

Mit Mützen und Jacken sassen sie da, mit wetterfesten Schuhen, an denen teilweise noch Erde vom letzten Garteneinsatz klebte, die einen mit Kinder auf dem Schoss, die anderen mit Laptops und alle mit erwartungsvollen Blicken. Rund 60 Personen hatten sich im ehemaligen Stall auf dem Dietiker Biohof Fondli eingefunden, bis in die hinterste Ecke des Raums war die Aufbruchstimmung zu spüren.

Fläche und Abozahl verdoppeln

Kein Wunder: Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter waren zusammengekommen, um über die Zukunft ihres Kindes zu entscheiden, der vor zwei Jahren gegründeten Gemüsekooperative Ortoloco. Auf von Biobauer Samuel Spahn gepachtetem Land an der Grenze zu Spreitenbach wird dabei Gemüse angebaut, welches wöchentlich an die Genossenschafter, die aktive Mitarbeit leisten, verteilt wird.

Welche Hochgefühle das junge Gemeinschaftsprojekt offensichtlich auslösen kann, brachte einer der Genossenschafter auf sympathische Art und Weise auf den Punkt. Begeistert erzählte der Mann, der sonst im Büro arbeitet, von einem sonnigen Tag, an dem er in der Gruppe Zwiebeln erntete. Einfach nur wunderschön sei das gewesen, schwärmte er: «Das war Wellness vom Gröbsten. Wenn man dieses Gefühl vermitteln kann, könnte man Geld dafür verlangen.»

So weit soll es nicht kommen. Doch dass man diese Lust an der gemeinsamen Arbeit, die Unabhängigkeit vom Markt und die Freude daran, Biogemüse aus dem eigenen Garten zu beziehen, mit anderen teilen sollte, darüber waren sich schliesslich praktisch alle einig. Mit 58 Ja-Stimmen sprachen sich die anwesenden 62 Genossenschafter dafür aus, Ortoloco per Juni zu verdoppeln.

Konkret heisst das: Die Ackerfläche wird von heute 80 Aren auf 1,4 Hektaren vergrössert und die Anzahl der Gemüseabos wird von 115 auf 230 verdoppelt. Ausserdem soll ab März eine zweite Arbeitskraft mit einem 70-Prozent-Pensum eingestellt werden, welche die von Ortoloco beschäftigte Gärtnerin unterstützen und entlasten kann. Für Ursina Eichenberger, Mitglied der Betriebsgruppe, ist dies ein gewichtiges Argument für die Vergrösserung. Denn: «Heute trägt unsere Gärtnerin die alleinige Verantwortung für den fachlichen Bereich», erklärte sie. Damit laste viel Druck auf ihr.

«Die Dynamik erhalten»

Doch es gibt noch eine ganze Liste von weiteren Gründen, wieso die Verdoppelung der Genossenschaft Sinn macht. So ist das Projekt heute zu klein, um als eigenständiger Landwirtschaftsbetrieb anerkannt zu werden. Nach der Vergrösserung wird dies möglich sein. Wie Lea Egloff, ebenfalls Mitglied der Betriebsgruppe, erklärte, erreiche man so ausserdem eine «kritische Grösse», welche helfe, den Betrieb effizienter zu strukturieren. «Wir werden nicht jede Arbeit doppelt machen müssen, wenn wir doppelt so gross sind», sagte sie. Ausserdem habe man einfach «grosse Lust», das Projekt weiterzuentwickeln. Dies sah auch Betriebsgruppen-Mitglied Christian Müller so: «Ich möchte das Projekt nicht nur verwalten, sondern die Dynamik erhalten.»

Die Genossenschaft ist zuversichtlich, dass die zusätzlichen Gemüseabos an den Mann und die Frau gebracht werden können. Bereits heute füllen sich freie Aboplätze jeweils schnell wieder. Um die Zielgruppe zusätzlich zu erweitern, wird auch in Betracht gezogen, neu Haus-, Nachbarschafts- und Gastro-Abos für grössere Gemeinschaften anzubieten.