Unterengstringen
Die Gemeindescheune wird dem Erdboden gleich gemacht

Die Bauarbeiten für das neue Gemeindehaus in Unterengstringen haben begonnen. Jetzt geht es Schlag auf Schlag.

Florian Niedermann
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Baustart für neues Gemeindehaus Unterengstringen
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Ein Blick in die Scheune zeigt, wie gross ihr Inneres ist
In der Scheune sind noch einige seltsame Relikte zu finden
Die Entsorgungsstelle wurde provisorisch verschoben

Baustart für neues Gemeindehaus Unterengstringen

Florian Niedermann

An der Dorfstrasse in Unterengstringen herrscht trügerische Ruhe. Der Vorplatz der Gemeindescheune ist zwar mit hohen Gitterbauten abgesperrt, doch von den Bäumen rund um das Gebäude zwitschern die Vögel und vom Telefongespräch auf einem benachbarten Balkon ist noch auf der Strasse jedes Wort zu hören. Kaum vorstellbar, dass hier in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten das neue Verwaltungsgebäude der Gemeinde entstehen soll. Doch dann zersägt wie aus dem Nichts das Dröhnen eines Motors die Stille dieses Montagmorgens. Auf der Rückseite der Scheune sind drei Bauarbeiter damit beschäftigt, mithilfe eines Baggers die Umzäunung der bisherigen Abfall-Entsorgungsstation abzureissen. «Bis Ende Woche wird das gesamte Gebäude dem Erdboden gleich sein», erklärt mir einer von ihnen und blickt hoch zum Dachfirst. An seinem Gesichtsausdruck ist abzulesen, dass noch viel Arbeit auf ihn zukommt.

Ab heute Dienstag geht es nun Schlag auf Schlag. Bis Donnerstag muss das Dach vollständig abgedeckt sein. Die Ziegel – insgesamt knapp 140 Tonnen – transportiert die zuständige Weininger Baufirma Richi AG in den Aargau, wo sie zu Dachsubstrat rezykliert werden. Ab Donnerstag wird dann die restliche Gebäudestruktur abgerissen. Rund 400 Kubikmeter Holz werden dabei anfallen. Diese verbrennt ein Biomassen-Kraftwerk zu C02-neutralem Strom. Nächste Woche sollen dann die Aushubarbeiten für das neue Gemeindehaus beginnen.

Erst bearbeiten Forscher die Erde

Im Boden neben der Scheune befindet sich ein gegrabener Brunnen aus dem Mittelalter, ein sogenannter Sodbrunnen. Im Wissen darum ging die Gemeinde bereits früh auf die Kantonsarchäologen zu, um eine mögliche Untersuchung des Bodens einplanen zu können. Bei ersten Grabungen stiessen die Forscher dann tatsächlich auf Funde aus der späten Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.). Die Gemeinde räumt den Forschern für ihre Arbeit nun bis spätestens Ende August Zeit ein. Der Sodbrunnen bleibt bei den Aushubarbeiten für das Gemeindehaus erhalten, wie Hochbauvorstand Simon Wirth (FDP) sagt: «Er liegt unter der Dorfstrasse und wird daher nicht tangiert.» Am 19. September wird dann der Spatenstich für das neue Verwaltungsgebäude stattfinden, das frühestens im Spätherbst 2016 bezugsbereit sein soll.

Dass die Bauarbeiten nun Beginnen ist für Wirth eine «grosse Erleichterung», wie er sagt. Kein Wunder: Zwölf Jahre liegen zwischen der Ablehnung der ersten Vorlage für ein Gemeinde-Dienstleistungszentrum und dem Ja der Stimmberechtigten zum 8,8-Millionen-Kredit für das aktuelle Projekt im vergangenen März. Mehrere Konzepte wurden in dieser Zeit erarbeitet, aber wieder zurückgestellt oder sistiert, bis schliesslich der Vorschlag von Architektin Tilla Theus über 54 Prozent der Bevölkerung zu überzeugen vermochte. Und selbst dieses Vorhaben war lange sehr umstritten. Die Rechnungsprüfungskommission lehnte es ab, weil sie davon ausging, dass der Steuerfuss der Gemeinde infolge der Investition von heute 94 auf 105 Prozent im Jahr 2018 steigen würde. Der Gemeinderat rechnete in seiner Finanzplanung hingegen von einem Anstieg auf lediglich 99 Prozent.

Platznot wurde immer schlimmer

Im Gegensatz zur RPK stellten sich Ortsparteien von links bis rechts hinter den Neubau. Zu prekär waren die Platzverhältnisse auf der Verwaltung geworden. «Wir mussten nicht nur die sozialen Dienste in Container auslagern. Und Besucher des Steueramts müssen im Gang warten, bis sie in die Büros unserer Mitarbeiter eintreten können», schildert Wirth. Die Angestellten der Gemeinde seien daher froh, dass es mit dem Gemeindehaus nun endlich vorwärtsgehe.

Mit grösseren Verzögerungen oder Problemen während der Bauphase rechnet der Hochbauvorstand nicht. Die Knackpunkte ist die Gemeinde laut Wirth bereits frühzeitig angegangen. Für die gestern abgerissene Entsorgungsstelle hinter der Gemeindescheune fand man neben dem alten Schulhaus einen provisorischen Ersatzstandort. Die Verwaltungen der direkten Nachbargebäude hat der Gemeinderat letzte Woche über die bevorstehenden Bauarbeiten informiert. «Ihre Fragen hielten sich aber in Grenzen, sodass wir sie telefonisch klären konnten», sagt Wirth.

Die Arbeiter, welche die Baustelle hinter der Gemeindescheune für den Abriss vorbereiten, dürfte die langwierige Entstehungsgeschichte ihres Auftrags kaum scheren. Sie gewähren mir einen Blick ins Innere des Gebäudes. Dort stehen, bedeckt mit einer feinen Schicht Staub, noch einige seltsame Relikte herum. Darunter drei identische Schilder mit der Aufschrift «Hund, hier darfst Du!». Nur kurz schmunzle ich beim Gedanken, dass dies selbst für Schweizer Vierbeinerverhältnisse ein grosszügiges stilles Örtchen wäre. Dann reisst mich der Bagger wieder dröhnend ins Hier und Jetzt zurück.