Hochwasserschutz

Die Gemeinde Urdorf präsentiert ihren neuen Schäflibach

An der 75. Bauvorständekonferenz besichtigten Politikerinnen und Politiker sowie Verwaltungsangestellte den renaturierten Schäflibach.

Gemächlich schlängelt sich das Wasser durch ein breites, flach ansteigendes Bachbett. Nicht weit entfernt zeugen ein Erdwall, Betonröhren und orange Schläuche davon, dass die idyllische Landschaft noch ziemlich neu ist. «Das ist ja extrem breit», sagte der Geroldswiler Hochbauvorstand Peter Vogel (FDP) am Mittwochabend, als er entlang des Schäflibachs an der Birmensdorferstrasse in Urdorf unterwegs war.

Damit meinte er den neu gestalteten 17 Meter breiten Gewässerraum und Unterhaltsweg. Er und rund 30 weitere Limmattaler Politiker und Verwaltungsangestellte liessen sich an der 75. Limmattaler Bauvorständekonferenz das Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekt der Gemeinde Urdorf vorführen.

Seit Anfang Jahr sind die Arbeiten für die Erneuerung der 1,1 Kilometer langen Strecke im Gange. Im November soll das 6,2 Millionen Franken teure Vorhaben an der Birmensdorferstrasse vollendet sein. Timo Heinisch, Projektleiter des Ingenieurunternehmens Holinger, das mit der Realisierung beauftragt wurde, nahm die Teilnehmer mit auf einen Spaziergang entlang des Gewässers zwischen dem Kreisel bei der Bahnhofstrasse und dem Areal Pappel.

«Unser Ziel ist, möglichst naturnah zu bauen. Deshalb haben wir die Bachsohle nicht mit Beton wie vorher, sondern mit Kies ausgestaltet», sagte Heinisch, der seit fast zehn Jahren mit der Planung des Projekts beschäftigt ist. Dies biete für Fische bessere Laichbedingungen. Um beim Bauen trockene Bedingungen zu haben, leitete man den Bach in einen Bypass um.

Sitzbänke in alle Richtungen

Doch nicht nur für die Natur, sondern auch für die Bevölkerung soll das Projekt Vorteile bringen. «Dort entsteht ein Aufenthaltsbereich mit Sitzbänken mit variablen Rückenlehnen», sagte Heinisch und zeigte auf eine Ausbuchtung neben dem Bachbett. «So kann man selbst entscheiden, in welche Richtung man schauen will», ergänzte der Urdorfer Planungs-, Bau- und Umweltvorstand Danilo Follador (CVP).

Auf der Höhe der Feldstrasse trafen die Politiker und Verwaltungsangestellten auf eine Brücke, die über den Schäflibach führt. «Diese bildet den vierten Arm des neuen Kreisels und dient der besseren Erschliessung des angrenzenden Landwirtschaftslandes», sagte Heinisch. Errichtet werden zusätzlich zwei neue Fussgängerbrücken.

Der Spaziergang führte weiter zum Gebiet, wo früher das Restaurant Pappel stand. Neben den entstehenden Mehrfamilienhäusern verschwindet der Bach in einem unterirdischen Kanal. «Der Durchlass wurde total erneuert. Die Zwischenräume haben wir mit Alpenblöcken aufgefüllt», erzählte Heinisch.

In den Jahren 1948 und 1999 konnte der alte Durchlass dem starken Wasseraufkommen nicht standhalten. Es kam damals zu Überschwemmungen und zahlreichen Schäden. Ob Urdorf nun vor Hochwasser sicher sei, wollten die Teilnehmer wissen. Heinisch zeigte sich zuversichtlich: «Der neue Durchlass ist mehr als doppelt so gross wie der alte. Er kann über 15,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aufnehmen. Das Hochwasser 1999 hatte eine Abflussspitze von 10 bis 12 Kubikmeter pro Sekunde.»

Nächstes Projetk steht bereits in den Startlöchern

Die Gruppe machte zudem einen Abstecher zum Bachtobelgraben. Der Rietmattbach, der bisher gänzlich unterirdisch verlief, wurde zwecks Hochwasserschutz auf einer Strecke von rund 60 Metern ausgedohlt und renaturiert. Ähnlich vorgehen wolle man bei der zweiten Etappe des Hochwasserschutzprojekts bei der Bachstrasse, so Heinisch.

Er sprach damit das nächste Projekt der Gemeinde an. Sie plant für rund 6 Millionen Franken eine Aufwertung und Neugestaltung der Bachstrasse und des anliegenden Muulaffeplatzes. Dazu gehört auch die Erneuerung des dort verlaufenden Schäflibachs. Derzeit liegen die Pläne dazu beim Kanton zur Prüfung. Und auch danach ist nicht Schluss. Die Gemeinde will voraussichtlich 2022 für 2,1 Millionen Franken die Hochwasserrückhaltebecken Allmendbach und Illtismoos ausbauen.

Die Teilnehmer konnten die vielen Eindrücke und Informationen anschliessend bei einem Apéro und Nachtessen im Restaurant Sonne miteinander besprechen. Das sei auch das Ziel des Anlasses, sagte Stefano Kunz (CVP), Präsident der Bauvorständekonferenz und Schlieremer Planungs- und Bauvorstand. «Der Austausch von Erfahrungen ist wichtig. Wir wissen nun, dass Urdorf viel Ahnung vom Hochwasserschutz hat und können uns Tipps holen. Schliesslich betrifft jede Gemeinde dieses Thema früher oder später.»

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