Kaum waren die beiden Urdorfer Budgets für das Jahr 2016 bewilligt, kam eine Nachricht, welche die Stimmung etwas dämpfte. Eines der grössten Unternehmen im Dorf hatte mit einem unerwarteten Gewinneinbruch zu kämpfen.

Die Folge: Politische Gemeinde und Schulgemeinde mussten 2016 je rund 3,5 Millionen Franken Steuergelder an die betroffene Firma zurückzuzahlen. Die Gelder stammten aus den Jahren 2015 und 2016.

Damit legt eine Urdorfer Erfolgsgeschichte einen Zwischenstopp ein. Denn über die letzten zehn Jahre haben sich die Steuererträge von juristischen Personen verdoppelt (siehe Grafik). Und jetzt also die Abnahme vom Rekordwert 9,5 Millionen Franken auf 7,5 Millionen Franken (umgerechnet auf den 100-prozentigen Steuerertrag). Auch in relativen Zahlen ist die Abnahme deutlich: 2015 verantworteten die Unternehmen einen Rekordanteil von 32,5 Prozent des Steuerertrags. 2016 waren es noch 27,4 Prozent.

Hächler: «Es ist ein Einmaleffekt»

«Die doppelte Rückzahlung ist ein Einmaleffekt», sagt Finanzvorstand Thomas Hächler (FDP) zu dieser Veränderung im Steuerertrag, den die Gemeinde nicht beeinflussen kann. Also kein Grund zur Panik, denn die Rechnung der politischen Gemeinde bietet viel Grund zur Zuversicht: Bei einem Gesamtaufwand von 49,2 Millionen Franken und einem Gesamtertrag von 52,2 Millionen Franken resultiert ein Plus von rund 2,9 Millionen Franken. Budgetiert war eigentlich ein Minus von einer halben Million Franken. «Es handelt sich um ein überraschend gutes Ergebnis», sagt Hächler.

Der eingangs erwähnte Steuerausfall wurde vor allem durch zwei Faktoren mehr als kompensiert: Die Grundstückgewinnsteuern betrugen 1,1 Millionen Franken mehr als erwartet. Zudem gab es bei der sogenannten Steuerausscheidung – also den Zahlungen aus anderen Schweizer Gemeinden, wenn juristische Personen ihren Hauptsitz nicht in Urdorf haben – Mehreinnahmen von 1,3 Millionen Franken.

Gemeinde: weniger Sozialkosten

Weniger Ausgaben als geplant fielen unter anderem im Sozialbereich an: Rund 1,2 Millionen Franken weniger wurden hier ausgegeben. Man habe bei der Budgetierung insbesondere eine höhere Arbeitslosenquote erwartet, erklärt Thomas Hächler.

Einmal mehr fielen auch die Investitionen tiefer aus als budgetiert, nämlich um 4,9 Millionen Franken. Am meisten ins Gewicht fällt dabei, dass man noch immer auf den Entscheid des Kantonsrats warten muss, bevor Sanierung und Umgestaltung der Birmensdorfer- und der Feldstrasse an die Hand genommen werden können. Dies könnte auch jetzt noch etwas länger dauern als erwartet: Von Position 10 auf der Traktandenliste des Kantonsrats ist dieses Geschäft inzwischen wieder auf Position 123 zurückgerutscht.

Mit dem Gesamtergebnis steigt das Eigenkapital der politischen Gemeinde von 22,2 auf 26,1 Millionen Franken an. Gleichzeitig sinken die Nettoschulden von 14,1 auf 11 Millionen Franken. Abgesehen vom tieferen Steuerertrag bei den juristischen Personen gibt es also viel Positives zu vermelden. Hächler lobt denn auch die Budgettreue aller Involvierten und sagt klar: «Die Situation bei der politischen Gemeinde entspannt sich.»

Schule: Mehr im Minus als erwartet

Die Finanzvorsteherin der Schulgemeinde, Irmgard Struchen (CVP), kann derweil nichts Derartiges mitteilen. Bei einem Gesamtaufwand von 21,7 Millionen Franken und einem Gesamtertrag von 20,1 Millionen Franken resultierte ein Minus von rund 1,6 Millionen Franken. Budgetiert war ein Minus von 720 000 Franken. Das Eigenkapital sinkt nun erneut, diesmal von 6,3 auf 4,8 Millionen Franken. «Die um 660 000 Franken tieferen Nettosteuererträge sind der Hauptgrund für das schlechtere Rechnungsergebnis», sagt Struchen. Die zu optimistische Steuereinschätzung hat mit dem eingangs erwähnten Gewinneinbruch der grossen Urdorfer Firma zu tun.

Der Personalaufwand der Schule erhöhte sich gegenüber dem Budget um 353 000 Franken auf 14,2 Millionen Franken, was vor allem mit einer von der Bildungsdirektion verfügten Lohnnachzahlung zu tun hat. Unter Budget lag aber einmal mehr der Sachaufwand. Er war um 105 000 Franken tiefer als erwartet. Auch Irmgard Struchen kann die Angestellten der Schule also für die Budgettreue loben.

Das Problem: Der Sachaufwand ist das Einzige, was die Schule wirklich beeinflussen kann. Mit dem negativen Ergebnis musste das Darlehen der politischen Gemeinde an die Schulgemeinde nunmehr um 1,3 Millionen Franken auf 6,8 Millionen Franken erhöht werden.

Eine grosse Frage bleibt offen

Fazit: Die Rechnungen der beiden Güter driften erneut weiter auseinander. In Bezug auf das Budget 2018 drängt sich damit die Frage auf, ob und wie darauf reagiert wird. Für eine Antwort ist es noch zu früh, Hächler und Struchen lassen sich noch nicht in die Karten blicken. Klar ist aber: Eine Steuerfusserhöhung bei der Schulgemeinde um drei Prozent hatte die Gemeindeversammlung schon 2015 und 2016 abgelehnt.

Während die beiden Rechnungen auseinanderdriften, arbeiten Schulpflege und Gemeinderat aber gemeinsam an der Optimierung der finanziellen Gesamtsituation. Die nötigen Analysen für die Koordination der beiden Immobilienstrategien wurden inzwischen gemacht. Nun befindet man sich in der Strategiephase. Das ganz konkrete Ergebnis der Koordination zeigt sich dann im Budget 2019.