Birmensdorf
Die Gegner des Schulhaus-Neubaus resignieren bereits jetzt

Die späte Opposition wird leiser. Kaum regt sich der Widerstand gegen den geplanten Schulhaus-Neubau im Haldenacher in Birmensdorf, resignieren die Gegner bereits.

Florian Niedermann
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Die Mitglieder der IG «Nein zum Schulhaus Haldenacher» brachten an ihren Häusern Banner mit der Nein-Parole an. fni

Die Mitglieder der IG «Nein zum Schulhaus Haldenacher» brachten an ihren Häusern Banner mit der Nein-Parole an. fni

Florian Niedermann

Kaum regt sich der Widerstand gegen den geplanten Schulhaus-Neubau im Haldenacher in Birmensdorf, resignieren die Gegner bereits wieder. An einer Sitzung am Sonntagabend besprachen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft «Nein zum Schulhaus Haldenacher», welche von direkten Anrainern der vorgesehenen Bauparzelle gegründet wurde. Dabei war die Mehrheit der Ansicht, dass wohl kaum Chancen bestehen, das Projekt zu kippen, wie IG-Mitglied Emanuel Suter auf Anfrage sagt: «Dies vor allem, weil Schulhaus-Vorlagen bei Volksabstimmungen generell selten abgelehnt werden.»

Auf sich aufmerksam gemacht hat die IG vergangenen Freitag an einer Infoveranstaltung, an der die Primarschulpflege die Bevölkerung über das 13,7-Millionen-Projekt informierte. Am 8. März befinden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne über den Schulhaus-Neubau. An der Veranstaltung verteilte die IG Flyer, um die Teilnehmenden davon zu überzeugen, ein Nein in die Urne zu legen. Ihr Hauptargument: Die Schulpflege verschweige, dass das bestehende Schulhaus Reppisch renoviert werde, und so Mehrkosten von 6 Millionen Franken entstünden.

Hauptargument ist haltlos

Doch diese Behauptung stimmt nicht: Bereits 2013, als sich die Primarschule dazu entschloss, den dringend benötigten zusätzlichen Schulraum auf dem eigenen Land im Gebiet Haldenacher zu erstellen, erklärte Schulpflegepräsident Ernst Brand gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass das Schulhaus Reppisch im Anschluss an die Erstellung des Neubaus saniert würde. Und in der Investitionsplanung der Primarschule sind 5 bis 6 Millionen für die Renovation vorgesehen. Die Stimmbürger könnten zudem über den Kredit für die Renovation des Schulhauses Reppisch erneut abstimmen, zumal sich die Kosten auf über eine Million Franken belaufen, entgegnet Brand den Vorwürfen der IG: «Wem die Kosten zu hoch sind, kann dann Nein stimmen.»

Die Mitglieder der IG «Nein zum Schulhaus Haldenacher» hätten im Vorfeld ihrer Flyer-Aktion nicht gewusst, dass die Primarschulgemeinde über die Sanierung bereits informiert hatte, sagt Suter: «Wir müssen uns diesbezüglich selbst an der Nase nehmen. Wir waren an den Gemeindeversammlungen nicht dabei, und haben auch die Informationen im Gemeindeblättchen nicht gelesen.» Vor diesem Hintergrund erklärt er auch, weshalb die IG so spät aktiv wurde: «Wir haben die Planungsphase der Primarschulgemeinde verschlafen.»

Primarschulpräsident Brand vermutet, dass die IG-Mitglieder das Schulhaus bekämpfen, um zu verhindern, dass ihnen der Schulhausneubau die Aussicht aus ihren Liegenschaften versperrt. Suter streitet zwar nicht ab, dass dieses Motiv eine wichtige Rolle spielt. Er verweist aber darauf, dass jenes Mehrfamilien-Haus, das dem geplanten Gebäude am nächsten steht, zum Schutz des Landschaftsbilds zwei Meter tiefer gebaut werden musste als jene daneben. «Wenn man uns nun ein so markantes Schulhaus direkt vors Fenster stellt, fühlen wir uns übers Ohr gehauen», sagt Suter.

Denkmalschutz war dagegen

Ursprünglich plante die Primarschulpflege, das Schulhaus Reppisch abzureissen und einen Ersatzbau beim Lindenschulhaus zu errichten – das frei gewordene Land hätte die dabei bebaute Sportanlage ersetzt. Doch die kantonale Denkmalpflege kündigte an, das Gebäude unter Schutz zu stellen, sobald die Schulpflege um eine Baubewilligung ersucht. Die Behörde zog daher Juristen sowie Spezialisten des Heimatschutzes und ein Architekturbüro bei. Sie sollten eine Studie erstellen und Argumente dafür sammeln, weshalb das Schulhaus nicht unter Schutz gestellt werden kann. Doch ihr Fazit war vernichtend, wie Brand sagt: «Sie teilten die Einschätzung des Denkmalschutzes, dass das Gebäude schützenswert ist.» Dies bewog die Behörden dazu, stattdessen auf die Parzelle im Haldenacher auszuweichen.

Die IG fordert jedoch von der Schulpflege, dass sie sich gegen den Denkmalschutz wehrt und für den Abbruch des «hässlichen und völlig unpraktisch konzipierten» Baus kämpft. Brand räumt zwar ein, dass man eine Unterschutzstellung per Rekurs hätte anfechten können: «Doch das hätte viel gekostet und angesichts der von uns in Auftrag gegebenen Studien wenig Aussicht auf Erfolg gehabt.»