Sommerserie (3)
Die Freizeitanlage Chrüzacher ist in Dietikon über Generationen bekannt

Seit 50 Jahren hat die Freizeitanlage Chrüzacher für viele Dietiker einen besonderen emotionalen Wert. Zwar sah die Anlage im Jahr 1963 noch ganz anders aus als heute, vieles ist aber auch gleich geblieben.

Bettina Hamilton-Irvine
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Zwar sah der «Chrüzi» im Jahr 1964 noch komplett anders aus als heute – vieles ist aber auch gleich geblieben. Fotos: ZVG Chrüzacher

Zwar sah der «Chrüzi» im Jahr 1964 noch komplett anders aus als heute – vieles ist aber auch gleich geblieben. Fotos: ZVG Chrüzacher

Als die Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher 1963 geschaffen wurde, konnte der heutige Chef der Anlage noch nicht einmal sprechen. Kein Wunder: Armin Strässle, der heute als Leiter Jugend & Freizeit für den «Chrüzi» verantwortlich ist, war damals gerade einmal ein Jahr alt.

An die nächsten paar Jahre erinnert sich Armin Strässle aber noch gut: Er habe im «Chrüzacher» getöpfert, mit Peddigrohr geflochten und jedes Jahr Götti, Gotti und Familienmitglieder mit Kerzen beglückt, die er am traditionellen Anlass in der Anlage selbst gezogen habe.

Am allerliebsten denkt er aber an den Bauspielplatz zurück: «Das war mein eindrücklichstes Erlebnis in der Freizeitanlage», sagt er.

«Einer meiner schwärzesten Tage»

Mit zur Verfügung gestellten Holzschwarten und allen möglichen selbst angeschleppten Materialien bauten sich die Kinder damals ihre eigenen Holzhütten im «Chrüzacher». Ganze Nachmittage hätten er und seine Freunde sich mit viel Eifer in diese Arbeit vertieft, erinnert sich der 51-Jährige.

Doch das Glück sollte nicht ewig dauern: «Es war einer meiner schwärzesten Tage, als der Bauspielplatz plötzlich geschlossen wurde», sagt er. Geschehen sei das wohl aus Sicherheitsgründen, vermutet er.

Der Bauspielplatz war aber bei Weitem nicht das Einzige, was die damalige Freizeitanlage vom heutigen «Chrüzi» unterschied.

Die Erdhäuser standen noch lange nicht: Mehrzweckraum und Büro waren ab 1963 in einer Blockhütte untergebracht, es gab einen Verkehrsgarten und eine Spielwiese, später auch ein Planschbecken. 1966 zogen die ersten Tiere ein.

Fünf Jahre später wurde ein Pavillon für den Bastelbetrieb hingestellt. Veranstaltet wurden aber auch Seifenkistenrennen, Sportartikelbörsen und Feste.

Die Oase der Ruhe und Freude

«Der ‹Chrüzacher› war ein wunderbarer Treffpunkt für alle, eine Oase der Ruhe und Freude», erinnert sich Gertrud Grossglauser. Die heute 73-Jährige war 1977 von Zürich nach Dietikon gezogen und arbeitete ab 1980 in der Freizeitanlage, die sie danach bis zu ihrer Pension leitete.

«Es war eine meiner glücklichsten Zeiten», sagt sie. So emotional verbunden sei sie mit dem «Chrüzi» gewesen, dass sie die Anlage nach ihrer Pension 2002 jahrelang nicht mehr besuchen konnte. «Ich wäre zu wehmütig geworden.»

Erst kürzlich war Gertrud Grossglauser das erste Mal wieder dort. «Jetzt macht es mir nichts mehr aus», sagt sie. Sie freue sich über das tolle Programm und wie kindergerecht alles organisiert sei.

Und der «Chrüzacher» sei noch immer ein Ort der Integration, wie schon damals zu ihrer Zeit. «Es war herzig, wie damals Kinder aus China und Thailand in der Spielgruppe Zürichdeutsch gelernt haben.» Und die Mütter hätten sich gegenseitig kennen gelernt.

Nicht alle waren aber von der integrativen Funktion des «Chrüzis» überzeugt:

1988 ergab eine detaillierte Aufnahme von Ist und Soll unter anderem, dass die Integration von Ausländern und Jugendlichen verbesserungswürdig sei. Folgenschwerer war aber die Feststellung, dass die Bauten baufällig seien und sich kaum mehr sanieren liessen.

Die Anlage zeige sich «als (konzepts-)lose Aneinanderreihung von kleinen Häusern, Ställen, Tiergehegen und Spielbereichen», hiess es in einem Bericht.

22 Stimmen entschieden

Die Stadt holte Konzeptvorschläge für eine Neugestaltung der Anlage ein. Sie entschied sich schliesslich für das Projekt des Architekten und Erdhaus-Pioniers Peter Vetsch.

Ende 1990 entschied sich der Stadtrat, dem Gemeinderat für den Neubau einen Kredit über 4,6 Millionen Franken zu beantragen.

Diesem war das zu teuer: Er wies das Geschäft zurück. Gertrud Grossglauser erinnert sich noch gut daran: «Das Volk fand, es sei viel zu viel Geld.»

Die Freizeitkommission hingegen, der sie auch angehörte, sei vom Konzept begeistert gewesen.

Im Mai 1992 dann kam das überarbeitete Projekt, das noch 3,9 Millionen kostete, vors Volk. Die Befürworter siegten um Haaresbreite:

Bei einer Stimmbeteiligung von 40,8 Prozent holten sie gerade einmal 22 Stimmen mehr als die Gegner.

Bei Gertrud Grossglauser und ihren Mitarbeitenden war die Freude riesig: «Wir fuhren mit einer Kutsche durch Dietikon und jubelten: Es gibt einen neuen ‹Chrüzi›!», erzählt sie.

Der grosse emotionale Wert

Während des Umbaus wurden die Tiere in einem alten Stall an der Bühlstrasse untergebracht, die Bastelkurse wurden ins alte Stadthaus verlegt. Im Herbst 1995 war die neue Anlage bezugsbereit und wurde mit einem rauschenden Fest eingeweiht.

Seither hat sich der «Chrüzi» äusserlich kaum verändert. Geblieben sind aber auch viele der Anlässe, die Feste und die Bedeutung der Anlage, wie die stellvertretende Leiterin Claudia Zumbühl sagt.

«Der ‹Chrüzi› wird sehr geschätzt und hat für viele Leute einen grossen emotionalen Wert.» Die Verbindung mit der Freizeitanlage bleibe oft über Generationen bestehen.

So wie bei Gertrud Grossglauser, die nach elf Jahren ihre Wehmut ablegen konnte und wieder in den «Chrüzi» gefunden hat. «Wenn mich meine zweijährige Enkelin das nächste Mal besucht, werde ich sie zum ersten Mal hierhinbringen», sagt sie.