1. August

Die Frauen haben dieses Jahr wieder weniger zu sagen

Frauen sind an Limmattaler Rednerpulten am 1. August in der Minderheit. Im Bild: Kantonsrätin Brigitta Johner in Dietikon 2012. Archiv

Frauen sind an Limmattaler Rednerpulten am 1. August in der Minderheit. Im Bild: Kantonsrätin Brigitta Johner in Dietikon 2012. Archiv

Bei den Festreden dominieren wie schon in den Vorjahren Politiker – Frauen und Jugendliche treten kaum auf. Die Frauenbeteiligung an den Reden ist gar auf einen langjährigen Tiefpunkt gesunken.

Ein Blick in die Statistik zeigt ein einseitiges Bild. In den vergangenen 15 Jahren hielten Frauen nicht einmal ein Drittel aller 1-August-Reden im Limmattal.

Zwar stellten sie in der Phase von 2009 bis 2012 immerhin 14 von 37 Rednerinnen, doch stehen heuer mit EVP-Nationalrätin Maja Ingold in Urdorf und BDP-Nationalrätin Ursula Haller Vannini in Birmensdorf nur gerade zwei Frauen zehn Männern gegenüber.

Damit ist die Frauenbeteiligung an den Festreden auf einen langjährigen Tiefpunkt gesunken.

Unter den zwölf Limmattaler Gemeinden fällt neben der Stadt Schlieren auch Uitikon diesbezüglich aus dem Rahmen: Von den 16 Rednerinnen und Rednern der letzten 15 Jahre gehörten 7 dem weiblichen Geschlecht an.

Das sei reiner Zufall, sagt Werkvorstand Fredy Lienhard: «Das Rederecht zirkuliert im Normalfall im Gemeinderat. Da 2010 gleich zwei Frauen in die Exekutive gewählt wurden, hielten sie gleich in zwei Folgejahren die Ansprache.»

Da zuvor auch FDP-Kantonsrätin Barbara Angelsberger eine Rede gehalten hat, habe sich eine gewisse Häufung ergeben.

Dieses Jahr setzt Uitikon wieder auf einen Auswärtigen – und einen Mann: Die Ansprache zur Bundesfeier wird SVP-Regierungsrat Ernst Stocker halten.

«Alle Mitglieder des gegenwärtigen Gemeinderats haben bereits eine 1.-August-Ansprache gehalten», erklärt Lienhard. Als man nach einem Festredner suchte, sei die Wahl schnell auf Stocker gefallen. «Er vertritt eine bürgerliche Politik und passt zu uns», so Lienhard.

Nur zwölf Jugendliche in 15 Jahren

Ebenfalls kaum zur Sprache kam in der Region seit 1998 die Jugend: Unter den 189 Personen, die seither am Nationalfeiertag am Mikrofon standen, waren nur gerade zwölf Jugendliche.

Urdorf erweist sich bei diesem Blick in die Vergangenheit als jugendfreundlichste Gemeinde, was den Festakt an der Bundesfeier betrifft. Immerhin drei Jugendliche liess man dort zu Wort kommen.

Die Statistik der Limmattaler Zeitung unterscheidet die fünf Kategorien «Politik», «Wirtschaft», «Jugend», «Kultur/Medien» und «Andere», in der vor allem Pfarrer, Sportler oder etwa auch ein Arzt zu finden sind.

Seit 1998 dominierten die Politiker die 1.-August-Ansprachen klar: Knapp jede dritte Rede wurde von jemandem gehalten, der nicht in der Politik aktiv ist. Diese Quote trifft auch in diesem Jahr wieder zu.

Dafür warten einige Gemeinden mit grossen Namen auf: So konnte Weiningen mit Hans Egloff (SVP) neben Urdorf und Birmensdorf als dritte Gemeinde ein Mitglied des Nationalrats verpflichten.

In Aesch wird mit Hans Bloch (CSP) ein Kantonsrat und in Uitikon mit Ernst Stocker wie erwähnt ein Regierungsrat die Rede halten.

Die tiefste Politikerquote wies in den vergangenen 15 Jahren Bergdietikon mit lediglich acht Politikerinnen und Politikern auf.

Grund dafür ist, laut Gemeindeschreiber Patrick Geissmann, dass die Bergdietiker Bundesfeier jeweils durch Vereine der Gemeinde organisiert wird: «So gross wie die Vielfalt der Vereine, ist die der Redner am 1. August.»

Für die diesjährige Bergdietiker Bundesfeier ist die IG Bürgerforum verantwortlich. Sie hat mit Kurt Waldmeier, dem CEO des Air Force Center Dübendorf, einen Wirtschaftsvertreter eingeladen.

Die Vielfalt unter den Rednern an der Bundesfeier begrüssen die Bergdietiker Behörden. Es entspreche der Absicht der Gemeinde, die Ansprachen nicht nur auf die Politik zu münzen, sagt Geissmann.

«Wir wollen den Mitgliedern unserer Gemeinde ein möglichst breites Spektrum an Inputs bieten. Das ist für sie sicher interessanter, als immer nur die politische Perspektive zu hören.»

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