Aesch

Die Frau, die den Fokus auf die jüngere Generation legen will

Die parteilose Janine Vannaz lässt durchsickern, dass sie Sympathien für die Christdemokraten hat.

Die parteilose Janine Vannaz lässt durchsickern, dass sie Sympathien für die Christdemokraten hat.

Die Bankerin und neue Sozialvorsteherin Janine Vannaz will Tagesfamilien fördern. Politisch lässt sie sich nicht in ein links-rechts-Schema einordnen.

Wenn Janine Vannaz spricht, dann hat sie immer ein Lächeln auf den Lippen. Manchmal ist es ein subtiles, kaum wahrnehmbares, manchmal wartet es darauf, bei einer Pointe in ein lautes Lachen auszubrechen. Seit gut 100 Tagen ist sie Aescher Sozialvorsteherin, das Lachen ist ihr dabei offensichtlich nicht vergangen. Bei der Wahl des Ressorts hatte die 44-Jährige weder eine andere Präferenz noch eine andere Option. Der Umgang mit Menschen fällt ihr sichtlich leicht, mit beinahe jedem könne sie eine Gesprächsbasis finden, sagt sie.

Diese Fähigkeit kommt Vannaz als Kundenberaterin bei einer Bank in Zürich Wollishofen zugute, aber auch bei ihrer neuen Aufgabe im Gemeinderat. Dabei schienen die Fussstapfen, die ihre Vorgängerin Susanne Burla hinterliess recht gross. «Susanne Burla hat als Sozialvorsteherin einen riesigen Leistungsnachweis. Natürlich hat mir diese Messlatte erst imponiert», erklärt Vannaz. Inzwischen ist sie jedoch im Gremium angekommen, fühlt sich wohl und vor allem willkommen. Im Gemeindehaus geht sie ein und aus, wird von den Mitarbeitern freudig begrüsst. «Dass Susanne Burla mir ihr Vertrauen und ihren 100-prozentigen Rückhalt zugesichert hat, hat mich bestärkt.»

Das Interesse für die Politik kommt nicht aus dem Elternhaus. Dass man sowieso nichts ändern könne am Geschehen, sei der Tenor am heimischen Esstisch gewesen, sagt sie. Möglich, dass ihr Faible für Politik eine Auflehnung gegen das Elternhaus ist. Zentral für ihre Motivation, in den Gemeinderat gewählt zu werden, war die Möglichkeit auf das Mitgestalten. «Die Lebenswelt nach den Ansprüchen der Bevölkerung modellieren zu können, ist ein absoluter Luxus.» Dabei ist ihr die Partizipation wichtig, jeder soll seine Meinung abgeben. «Heute verpasse ich keine Wahl oder Abstimmung mehr», sagt sie. Ihr Interesse für Aktualität hört nicht an der Aescher Gemeindegrenze auf. So würden sie auch die kantonale und nationale Politik interessieren. Dass sie irgendwann auch auf einem grösseren Parkett in Erscheinung tritt, schliesst sie nicht aus.

Einen kleinen Vorgeschmack darauf erhält sie in den zahlreichen Gremien, in denen sie automatisch durch ihr Exekutivamt Einsitz hat. So ist sie im Vorstand der Sozialkonferenz, des Sozialdienstes Limmattal, des Alterszentrums «Am Bach» und Delegierte des Spitals Limmattal.

Dass sie sich dem Programm einer Partei unterordnen muss, hält Vannaz, wie auch ihre Vorgängerin Susanne Burla, nicht für nötig. «Ich stimme thematisch einmal eher rechts, einmal eher links ab», so Vannaz. Die Politik der Mitte gefällt ihr, sie lässt durchsickern, dass sie durchaus Sympathien für die CVP hat. Als Bankerin könnte Vannaz Nähe zum Freisinn unterstellt werden, doch ein persönlicher Schicksalsschlag stärkte ihre soziale Ader. Ihr schwer demenzkranker Vater habe ihr die Wichtigkeit der Versorgung Kranker und Schwacher aufgezeigt. Für mehrere Jahre haben sich ihr Bruder und sie um ihn gekümmert, ehe er in ein Wetziker Heim für Demenzkranke ziehen musste. Auch heute besucht sie ihn regelmässig. Die Demenzerkrankung ihres Vaters und ihre Funktion als Beiständin eines älteren Herrn im Altersheim Weiningen hätten ihr Weltbild sicherlich ein Stück weit geformt, so Vannaz. Aesch stehe glücklicherweise mit dem Alterszentrum und den Alterswohnungen sehr gut da, was das Angebot für die älteren Menschen angehe. Es sei daher an der Zeit, den Fokus auf die jüngeren Generationen zu legen. So will sie, das von Susanne Burla initiierte Angebot für externe Kinderbetreuung im Dorf – bald eröffnet die erste Krippe – weiterführen und Tagesfamilien fördern. Im nächsten Atemzug verweist sie auf die Wichtigkeit von bezahlbarem Wohnraum für junge Familien. Dies, wie gewohnt, mit einem Lächeln im Gesicht.

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