Schlieren

Die Frau, die den FC Schlieren prägt

Céline Bürgisser spielt seit 13 Jahren auf dem Schlieremer Zelgli: Sie erlebte schöne Siege, aber auch bittere Niederlagen.

Céline Bürgisser spielt seit 13 Jahren auf dem Schlieremer Zelgli: Sie erlebte schöne Siege, aber auch bittere Niederlagen.

Céline Bürgisser spielt seit 13 Jahren im FC Schlieren: Die 32-Jährige erinnert sich im Gespräch mit der «Limmattaler Zeitung» auch an bittere Niederlagen - doch die schönen Momente überwiegen. Sie kündigt deshalb an, noch lange auf dem Zelgli auflaufen zu wollen.

Vor ein paar Tagen war die Sportwelt noch einigermassen in Ordnung. Da blickte Céline Bürgisser auf der Schlieremer Sportanlage Zelgli mit einem Lächeln um sich und sagte: «Das ist es, was ich an meinem Sport so liebe.» Vergangene Woche herrschte noch einmal Hochbetrieb, mehr und mehr füllte sich die Sportanlage mit erwartungsfrohen Kindern und deren Eltern. Es war laut, phasenweise verstand man sein eigenes Wort nicht mehr. «Es läuft hier immer etwas, und das gefällt mir», sagt Bürgisser. «Genau deshalb brauchen wir hier ein neues Garderobengebäude. Schau Dir nur die vielen Mädchen und Jungen an, die tschutten wollen! Wir haben etwa 400 Kinder im Verein. Darum hoffen wir sehr, dass die Bevölkerung am 29.November an der Urne Ja sagt zum Neubau.» Nach dieser kurzen Abstimmungsempfehlung findet das Gespräch mit der 32-jährigen Integrationsfigur der Schlieremer Fussballerinnen aus akustischen Gründen im Innern der Sportplatz-Beiz statt. Bei einem Glas Mineralwasser spricht Bürgisser aus dem Nähkästchen. Und zu erzählen hat der Captain des NLB- Teams nach über 13 Jahren im FC Schlieren einiges.

Dass sie nach ihrer Zeit im Nachwuchs von YF Juventus im Alter von 19Jahren zum FC Schlieren gewechselt hatte, war mehr oder weniger Zufall. «Ich kam hierher, weil ich ein paar Spielerinnen kannte», gibt Bürgisser zu Protokoll. Aus demselben Grund schloss sie sich als Zwölfjährige der Damenabteilung von YF Juventus an, nachdem sie mit Basketball aufgehört hatte.

Ein 0:8 beim Karrierehöhepunkt

Beim FC Schlieren hat Bürgisser die volle Bandbreite an Emotionen erlebt. Zweimal stieg sie mit den Limmattalerinnen in die Nationalliga B ab, zweimal gelang der Wiederaufstieg in die höchste Liga. Dazu kommen eine geschichtsträchtige 0:8-Blamage und zahlreiche Trainerrochaden. «Langweilig wurde es mir in all den Jahren nie», sagt sie lächelnd. Speziell in Erinnerung blieb ihr und dem gesamten Verein der 20.Mai 2009. An einem wunderbaren Mittwochabend durften die Schlieremerinnen zum ersten und bisher einzigen Mal in einem Cupfinal spielen. Die Partie gegen Thun endete allerdings in einem Desaster. Gleich mit 0:8 mussten sich die Limmattalerinnen geschlagen geben. Nie zuvor und danach verlief ein Endspiel resultatmässig ähnlich einseitig. «Ich sass zwar die ganzen 90 Minuten auf der Ersatzbank», blickt Bürgisser zurück. «Aber Eindruck machte mir die ganze Sache schon.» Wenige Tage nach der legendären Abfuhr war der Abstieg aus der NLA Tatsache.

Trotzdem hielt sie dem Verein vom Zelgli die Treue – und das nun seit über 13 Jahren. Warum, Céline Bürgisser? «Wissen Sie, ich hätte das eine oder andere Mal bei einem NLA-Club ein Probetraining absolvieren können. Aber hier in Schlieren, das ist für mich zu einer Art Heimat geworden.» Die beruflich für den Kanton Zürich tätige Fussballerin kann sich keinen bes­seren Klub vorstellen. «Auch wenn wir immer wieder sportlich untendurch mussten, es gefällt mir immer noch beim FCS. Solange für mich alles stimmt, kann ich mir durchaus vorstellen, noch ein paar Jahre zu spielen und mit meiner Mannschaft noch etwas zu bewirken.» Schöne Worte und eine Wertschätzung an den Vereinsvorstand um die beiden Co-Präsidenten Stefan Bolliger und Marco Seifriz und deren Arbeit.

Der Trainer ist voll des Lobes für seinen Captain

Grosse Stücke hält Schlierens Trainer Fernando Esteban von seinem Captain: «Céline ist eine absolut vorbildliche Sportlerin. Sie ist nicht nur für ihr Team auf und neben dem Platz wichtig, sie ist auch im gesamten Verein hoch ange­sehen.» Esteban kann sich gut vorstellen, dass Bürgisser dereinst eine tragende Rolle im Hintergrund übernehmen wird. «Sie wird die Leidenschaft für Fussball immer haben, das würde ich sofort unterschreiben. Darum sehe ich sie später einmal in einer wichtigen Position abseits des Rasens. Ich kann mir Céline sehr gut als Sportchefin vorstellen.»

Bevor sie allenfalls in späteren Jahren einmal in die Teppichetage des FC Schlieren wechselt, wird Bürgissers voller Einsatz auf dem Feld vonnöten sein, sollte der Meisterschaftsbetrieb tatsächlich wieder aufgenommen und die Saison regulär beendet werden. In der aktuellen NLB-Tabelle liegen die Schlieremer Frauen nach sieben Partien und mit sechs Punkten in der Zehner-Meisterschaftsgruppe auf Rang acht und damit knapp über dem ominösen Strich.

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