Maria Meier schlüpft durch eine unscheinbare Türe und führt durch die dunkle Scheune. Im oberen Stockwerk trocknen Heu und Stroh, unten türmen sich wundersame Gegenstände, deren Nutzen auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.

Von der Scheune tritt man in einen offenen Hof, gegenüber steht ihr Wohnhaus. Überschwänglich wird sie von einer rotbraunen Hündin begrüsst. «Sie versteht nur englisch», sagt Meier. Denn die Besitzer - für die sie das Tier während der Ferien hütet - seien Amerikaner. Sie nimmt das quietschende Spielzeug, wirft es mit einem kräftigen Schwung einige Meter in ihren Innenhof und lacht vergnügt, als die Hündin in dieselbe Richtung davonbraust.

Es ist offensichtlich, dass Meier ihre Tiere liebt oder besser, dass sie ihre Tiere geliebt hat. Denn ausser der Hündin, die zu Besuch ist, sind ihr eine Katze, ein Zebrafink, ihre zwei Esel und ein Pony geblieben. Ursprünglich besass sie über hundert Tiere. Diese hat das Veterinäramt am 21. Juni vorsorglich beschlagnahmt. Unangemeldet und in einer vierstündigen Aktion, die Meier als die schlimmsten Stunden ihres Lebens beschreibt. (Die Limmattaler Zeitung berichtete.)

180 Tiere abtransportiert

Der Vorwurf des Veterinäramtes lautete, dass Meier mit ihrem grossen Tierbestand überfordert sei und diese darum unter schlimmen hygienischen Bedingungen leben müssten. Bei den regelmässigen Kontrollen habe das Veterinäramt beobachten müssen, dass sich der Zustand der Tiere verschlechtert habe. Rund 180 Tiere wurden eingefangen und abtransportiert.

Dass es ihren Tieren schlecht ging, will und kann Meier nicht glauben. In einem neunseitigen Brief rekkurierte sie gegen die Verfügung des Veterinäramtes. In einem späteren Brief dementiert sie auf sechs weiteren Seiten zahlreiche Anschuldigungen der schlechten Tierhaltung: Bei Flohbefall könne auf einem Bauernhof nicht von einer Krankheit gesprochen werden.

Dass die Füsse der Hühner verschmutzt seien, liege in der Natur der Bodenhaltung. Das Meerschweinchen sei - nicht wie vom Amt geschrieben - in einer dunklen Scheune, sondern im Waschhaus mit zwei grossen Fenstern gehalten geworden.

Alles in allem ist Meier der Meinung, das Veterinäramt habe unverhältnismässig gehandelt und den Tieren mit ihrer mehrstündigen Einfangaktion beträchtlichen Schaden zugefügt. Die Verletzungen, die sich die Tiere dabei zugezogen hätten, würden jetzt zum Teil Meier in die Schuhe geschoben und ausserdem sei der ganze Tierbestand unsorgfältig aufgenommen worden. Das Veterinäramt möchte sich zu diesen Vorwürfen nicht äussern. Es verweist auf das laufende Verfahren.

Die Institution im Dorf

Doch wie geht es jetzt weiter mit Meier und ihren Tieren? «Das weiss ich selbst noch nicht», sagt die 83-Jährige und schüttelt den Kopf. Ihre Erscheinung entspricht nicht ihrem Alter, sie hat kräftige Arme und bewegt sich flink durch ihren Hof. Eigenwillig scheint sie, lässt sich wohl nichts sagen, das ihr nicht passt. Ihre blauen Augen blicken wach, die langen weissen Haare hat sie zu einem Zopf geflochten.

Inzwischen hat sie sich vom ersten Schock erholt und versucht nun, den Auflagen des Veterinäramtes gerecht zu werden. Putzen müsse sie alles, sagt sie. Und sie dürfe keine fremden Tiere mehr bei sich aufnehmen, ausser zwei Tages- oder Ferienhunde.

Denn über die Jahre wurde Meier zur Institution in Weiningen. Der ehemalige Bauernhof, wo sie mit ihrem verstorbenen Mann bis in die 80er Jahre im Familienbetrieb den Hof bestellte, bietet viel Platz. «Seit Jahrzehnten bringen mir Leute ihre Tiere vorbei, die sie selbst nicht mehr halten können», sagt Meier. Einmal gar habe sie einen Käfig mit Zwergkaninchen im Weidegehege gefunden, die bei ihr ausgesetzt wurden. Heute seien die Tiere wie Familienmitglieder: «Sie sind für mich eine Lebensaufgabe.»

Leere Käfige

Nachdenklich schreitet Meier an den leeren Vogelkäfigen vorbei. «Hier drin hielt ich 17 Nymphensittiche. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie unglücklich waren.» Laut Meier werde ein Nymphensittich etwa 30 Zentimeter gross. Nachdenklich sagt sie: «Vielleicht hätte ich mich schon fragen müssen, ob ich wirklich so viele Vögel brauchte.» Das Veterinäramt schreibt, Meier müsse verschiedene Auflagen erfüllen, um die Tierschutzaspekte in Zukunft einzuhalten. Hält sie sich daran, darf sie in Zukunft ihre zwei Hunde, fünf kastrierte Katzen, einen Ara, einen Kakadu, sechs Hühner und einen Hahn, sowie fünf Zebrafinken halten. Ein Bruchteil also von ihrem früheren Tierbestand.

Doch so einfach lässt sich Meier nicht abspeisen. Zusammen mit ihrem Sohn Eduard fordert sie auch einen Teil ihrer geliebten Singvögel zurück, die immer lustig in ihrem Wohnzimmer gezwitschert hätten. Die Kosten für die Unterbringung der Tiere, die sie auf rund 300 Franken pro Tag schätzt, möchte Meier nicht bezahlen. Auch nicht die Kosten des Abtransportes und der tierärztlichen Untersuchung.

Ob Meier ihre Tiere wieder zurück bekommt, ist noch ungewiss. Klar ist allerdings, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.