Niemand weiss genau, wie viel Geld an den Steuerbehörden vorbeigeschmuggelt wird. Die OECD, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, schätzt, dass es in der Schweiz 8,3 Prozent aller erwirtschafteten Einnahmen sind. Wenn dem so ist, gingen Dietikon jährlich bis zu 5 Millionen Franken verloren.

Es könnten aber auch weit weniger sein: SP-Gemeinderat Peter Wettler wies am Donnerstagabend im Dietiker Parlament darauf hin, dass gemäss Schätzungen der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe 0,5 Prozent der Sozialhilfebezüger betrügerisch handeln. Gelte dieser Prozentsatz auch für Steuerzahler, so Wettler, würde sich, grob geschätzt, bloss ein Verlust von etwa 380 000 Franken ergeben.

So oder so: Wettler findet, die Anstellung eines Steuerdetektivs sei zumindest zu prüfen. Die Mehrheit des Parlaments sah das jedoch anders: Wettlers Postulat wurde mit 23 zu 9 Stimmen deutlich abgelehnt.

Auch der Stadtrat stellte sich gegen die Forderung. «Wir sind nicht blauäugig», sagte Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP). Bestimmt gebe es einen gewissen Teil der Bevölkerung, der die Steuererklärung nicht ehrlich ausfülle. Doch sei das Potenzial, in Dietikon Betrug aufzudecken, eher klein. Denn nur die Steuererklärungen von Personen ohne Immobilien und mit Lohnausweis werden in Dietikon geprüft.

Bei diesen 63 Prozent gebe es kaum Möglichkeit zur «Steueroptimierung», so Schaeren. Den Rest – juristische Personen und selbstständig Erwerbende – übernimmt der Kanton. Dort gebe es mehr Möglichkeiten, Steuern zu hinterziehen.

Gereizte Stimmung

Dem stimmte die CVP zu, die sich geschlossen gegen die Überweisung des Postulats stellte. Weil die komplizierteren Fälle sowieso in Zürich behandelt würden, rechne sich ein Steuerdetektiv für Dietikon nicht, sagte Max Wiederkehr.

Ziemlich gereizt reagierte die FDP auf die Idee eines Steuerdetektivs. «Wenn dies die sozialdemokratische Antwort auf unsere Finanzprobleme in Dietikon ist, dann sind wir ja in den besten Händen», sagte Martin Romer.

Er kritisierte die SP dafür, dass sie «Tausende von Sozial-Franken» verteile und im Gegenzug diejenigen «aussaugen und ihre Geschäftstätigkeit beschneiden» wolle, die mit ihrer Arbeitsleistung dafür bezahlten. Dies wiederum ärgerte SP-Gemeinderat Manuel Peer: «Wie lange müssen wir uns das noch anhören?», rief er. (BHI