«Dietikon hat ein Flussbad»: So steht es im Regierungsprogramm der Stadt Dietikon der Jahre 2010–14. Doch wer in der Bezirkshauptstadt dem Limmatufer entlangspaziert, sucht danach immer noch vergebens. Das heisst nicht, dass hier nicht gebadet würde, im Gegenteil: Jedes Jahr scheinen mehr Leute den Freibädern der Region und den überfüllten Fluss- und Seebädern in Zürich einen Schwumm in der Dietiker Limmat vorzuziehen. Im Sommer ist etwa die Nötzliwiese beim Bahnhof nicht nur für zahlreiche Gummiboot-Fahrer, sondern auch für Naturschwimmer ein beliebter Treffpunkt.

Diese müssen jedoch weiterhin mit rutschigen Flusszugängen und ungenügenden Ausstiegsmöglichkeiten vorlieb nehmen. Denn die Pläne für das Flussbad, das Dietikon gemäss Legislaturzielen bereits haben sollte, werden zurzeit nicht weiterverfolgt. «Vorerst ist das Projekt sistiert», erklärt Stadtpräsident Otto Müller auf Anfrage.

Immer wieder verschoben

Es ist das vorläufige Ende eines Vorhabens, dessen Realisierung von Beginn an harzte. Als der Dietiker Stadtrat seine Pläne im Jahr 2006 bekannt gab, versprach er sich noch viel vom ungenutzten Potenzial des Limmatufers – und hatte ehrgeizige Ziele: Bereits 2008 sollte eine Flussbadestelle gebaut werden können. Doch seither wurde das Projekt verschoben, verschoben und wieder verschoben. Vor zwei Jahren hielt Stadtpräsident Müller zwar noch am Vorhaben fest: «Baden in der Limmat entspricht einem Wunsch vieler Personen und würde die Attraktivität der Stadt im Freizeitbereich steigern», gab er damals zu Protokoll. 2013 hiess es dann, dass man sich der Flussbadi «2013/2014» annehmen wolle. Nun ist das Projekt also bis auf weiteres begraben.

Als Grund dafür nennt Müller die laufende Neukonzessionierung des Flusskraftwerks Dietikon, das von den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) geführt wird. Im Rahmen dieser Neukonzessionierung, mit der eine Kapazitätssteigerung einhergehen soll, sind auch ökologische Ausgleichsmassnahmen am Limmatufer geplant. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, will sich die Stadt dem Thema Flussbad wieder annehmen, so Müller.

Nur: Das wird Jahre dauern. Der Stadtpräsident rechnet «sicher nicht vor 2017 damit, das Projekt wieder angehen zu können». Priska Laïaïda, Mediensprecherin der EKZ, welche die Uferaufwertung vornehmen werden, spricht sogar vom «Ziel, die Ausbaupläne und die begleitenden ökologischen Massnahmen 2019 realisieren zu können». Denn zuerst muss der Kanton den Umweltverträglichkeitsbericht prüfen, den ihm die EKZ gerade eben vorgelegt haben.

Niemand will haften müssen

Ein Flussbad ist dem Stadtrat vor allem aus Haftungsgründen ein zu heisses Eisen: «Heute schwimmen die Leute auf eigene Verantwortung in der Limmat», sagt Müller. «Doch wenn wir als Stadt ein Flussbad zur Verfügung stellen, haben wir die Aufsichtspflicht», gibt er zu bedenken. Er verweist auch auf die Sicherheitsbedenken, die die EKZ von Beginn weg am Projekt geäussert hatten und weiterhin äussern: Eine Badi in der Nähe des Flusskraftwerkes und bei der an dieser Stelle starken Strömung berge hohe Risiken.

Auch die Elektrizitätswerke befürchten rechtliche Konsequenzen, sollte sich ein Unfall ereignen: «Die EKZ lehnen ein Flussbad im Bereich des Kraftwerks ab, da sie als Werkeigentümer haftbar gemacht werden können», sagt Laïaïda. Der Knackpunkt liegt in der Definition «im Bereich des Kraftwerks Dietikon»: Zwar hat sich die EKZ gegen die erste Idee der Stadt – eine Badestelle auf der Nötzliwiese – ausgesprochen. Von dieser Stelle kam die Stadt jedoch schnell von sich aus ab und brachte als Alternativstandort das Gebiet Brunau, in der Nähe vom Bahnhof Glanzenberg, ins Gespräch. Dort besitzt sie einen Landspickel von rund 1500 Quadratmetern.

Kein Konzept, keine Bewilligung

Derweil wehren sich die EKZ dagegen, dem Projekt in allen möglichen Varianten im Weg zu stehen: «Wir sind nicht generell gegen ein Flussbad an der Limmat», sagt Laïaïda. Ob sie auch im Bereich Brunau eine Badi ablehnen würden, lässt sie offen: «Das können wir erst beurteilen, wenn konkrete Pläne vorliegen. Zurzeit sind uns keine solchen Pläne bekannt.» Das wiederum erstaunt Müller: Dass Dietikon unabhängig von den Plänen der EKZ ein Flussbad planen könnte, sei ihm neu, sagt er.

Beim Kanton, dem der Umweltverträglichkeitsbericht der EKZ nun zur Bewilligung vorliegt, tönt es ähnlich. Das laufende Bewilligungsverfahren mit seinen begleitenden Massnahmen sei nicht als generelles Bau- und Planungsverbot für Dietikon zu verstehen: «Wenn Dietikon ein Flussbad will, ist es Sache der Stadt, uns ein konkretes Konzept zur Prüfung vorzulegen. Der Kanton wird nicht von sich aus aktiv», sagt Baudirektionssprecher Markus Pfanner.

Auch gibt es wenig Grund zur Annahme, dass der Kanton dem Projekt grundsätzlich im Wege stehen wollen würde. Im «Massnahmeplan Wasser für das Einzugsgebiet Limmat und Reppisch» hat das kantonale Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) den Bedarf verbesserter Flusszugänge im Raum Dietikon bereits ausgewiesen: «Es fehlen insbesondere Flussbadeplätze respektive -anlagen», heisst es da. Und: «Speziell im Stadtraum von Dietikon ist der Wasserzugang zu verbessern.»