Geroldswil

Die Finanzierung der Kultur ist ungewiss

Werner Stulz ist künftig für das kulturelle Angebot in Geroldswil zuständig. Als Event-Manager und langjähriges Mitglied des Vereins «Spektrum» ist er wie geschaffen dafür.

Werner Stulz ist künftig für das kulturelle Angebot in Geroldswil zuständig. Als Event-Manager und langjähriges Mitglied des Vereins «Spektrum» ist er wie geschaffen dafür.

Event-Manager Werner Stulz wagt nach dem Ende des Vereins «Spektrum» im Alleingang einen Neuanfang.

Werner Stulz fühlt sich ganz wohl in seiner neuen Rolle als externer Kulturverantwortlicher der Gemeinde Geroldswil. «Eigentlich arbeite ich lieber alleine als in einem Verein», sagt er.

Zwar könne er so nicht mehr auf die Talente zahlreicher Leute zurückgreifen, «aber ich bin effizienter und komme bisher sehr gut voran.» Seit der offiziellen Auflösung des Kultur-Vereins «Spektrum» Ende September führt er dessen Tätigkeit unter dem Namen «Event Geroldswil» im Alleingang weiter.

Bereits hat er eine Internet-Offensive mit Website und Social-Media-Präsenz gestartet und ein neues Veranstaltungskonzept entwickelt: Demnach sollen die beliebte Kulturparty und zwei bis drei weitere Veranstaltungen pro Jahr erhalten bleiben (siehe Kontext). In einem nächsten Schritt versucht Stulz Gönner anzuwerben. Dafür kommen vor allem die ehemaligen Vereinsmitglieder infrage.

Trotz Neustart ist die Zukunft des Geroldswiler Kulturprogramms ungewiss. «Durch eine einmalige Ausgabe vonseiten der Gemeinde ist die Arbeit von Werner Stulz für 2016 vorläufig gesichert», sagt Gemeindeschreiber Beat Meier.

Wenn es aber darum geht, einen dauernden Budgetposten für das künftige Kulturprogramm festzulegen, müsse die Gemeindeversammlung ab einem Betrag von 30 000 Franken entscheiden, ob Kultur in Geroldswil künftig noch öffentlich finanziert werden soll.

«Eine Institution geht verloren»

Die Kultur liege der Gemeinde jedoch am Herzen, so Meier. «Mit dem ‹Spektrum› geht eine Institution verloren. Wir fühlen uns verpflichtet, das Erbe des Vereins zu bewahren.»

Allerdings gebe es auch Stimmen, denen zu hohe Kulturausgaben ein Dorn im Auge sind. Zuletzt gab die Gemeinde Geroldswil dem Verein Spektrum eine Risikogarantie über 50 000 Franken. Laut Stulz, der seit sieben Jahren Mitglied des «Spektrum»-Vorstands war, kostete das Kulturprogramm jüngst etwa 85 000 Franken pro Jahr.

Davon seien nur etwa 32 000 Franken für Künstlergagen verwendet worden. Ein Teil wurde durch Sponsoren übernommen, die Passivmitglieder-Beiträge brachten dem Verein weitere 10 000 Franken ein.

«Das Ende von ‹Spektrum› hatte aber nur am Rand mit Geld zu tun», betont Stulz, «in diesem Jahr haben wir sogar Gewinn gemacht.» Der Verein sei vor allem daran gescheitert, dass man keine Leute mehr gefunden habe, die sich ehrenamtlich engagieren wollten, sagt Stulz.

Meier betont, dass es daher auch nicht infrage gekommen wäre, eine Kulturkommission zu gründen. «Das Problem wäre dasselbe gewesen: Wer macht das?»

Für die Gemeinde war Stulz die logische Wahl, sagt Meier. Zum Schluss hat dieser laut eigener Aussage im Verein einen Grossteil der Arbeit übernommen, die bei der Organisation von Veranstaltungen anfiel.

«Dadurch bewahren wir vorerst die Kontinuität zu den letzten Jahren», sagt Meier. Ausserdem bringt der gebürtige Stadtzürcher, der seit 13 Jahren in Geroldswil wohnt, die idealen Voraussetzungen mit: Er hat langjährige Erfahrung im Organisieren von Kulturveranstaltungen und durch seine Tätigkeit als Künstler-Agent ein breites Netzwerk.

«Events» statt «Kultur»

Seine Aufgabe sei nicht leicht, so Stulz: Für grosse Namen fehle das Geld, dennoch sollen die Kulturveranstaltungen der breiten Bevölkerung gefallen.

«Wir wollen kein spezialisiertes Publikum anziehen, sondern die Leute aus dem Dorf und der Umgebung.» Darum habe er sich entschieden, künftig von «Events» statt von «Kultur» zu sprechen, meint Stulz. «‹Events› ist offener und erinnert nicht an Hochkultur und Institutionen wie das Opernhaus.»

Darum sei die Haltung der Bevölkerung wichtig, betont Stulz. Durch die stärkere Präsenz auf Social-Media-Plattformen erhoffe er sich vermehrt Rückmeldungen. Und wenn er so noch einige Sponsoren hinzugewinnen könne, sei das umso besser.

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