Schlieren
Die «Faustballerin des Jahres» ist jetzt Nachwuchs-Trainerin

In der Serie «Was macht eigentlich...?» kommt Weltmeisterin Simone Eicher-Estermann zu Wort: Die 39-Jährige zeigt heute dem Nachwuchs im Thurgau, wie es geht, und trifft sich noch immer mit ihren früheren Schlieremer Weggefährten.

Ruedi Burkart
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Den Ball fest im Blick: Simone Eicher-Estermann 2008. Der sechsjährige Gian mit Mami Simone und Papi Marcel: Alle drei sind begeisterte Faustballer.

Den Ball fest im Blick: Simone Eicher-Estermann 2008. Der sechsjährige Gian mit Mami Simone und Papi Marcel: Alle drei sind begeisterte Faustballer.

zim Bild: zvg

Am anderen Ende der Leitung ist die Stimmung ausgezeichnet: «Uns geht es hier im Thurgauischen sehr gut», meldet Simone Eicher-Estermann. Mit ihrem Mann Marcel – die beiden heirateten 2013 – und dem sechsjährigen Sohn Gian wohnt die ehemalige Weltklasse-Faustballerin in der kleinen Gemeinde Wi- len bei Wil. Eicher-Estermann arbeitet Teilzeit in einer neurologischen Rehaklinik als Sporttherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Im letzten Frühling beendete sie ihre grossartige Karriere, zum Schluss half sie bei Schlierens zweitem Damenteam ab und zu noch aus. Jetzt schlägt sie die Bälle nicht mehr wettkampfmässig, zurückgezogen von ihrem Lieblingssport hat sie sich dennoch nicht.

«Es waren schöne Zeiten in Schlieren», sagt Simone Eicher-Estermann. «Ein hervor- ragend geführter Verein mit einem motivierten Vorstand, eine super Truppe – wir hatten es wirklich gut.» Und sie fügt mit einem Schmunzeln an: «Am meisten auf diesen Artikel freut sich unser Sohn Gian. Er hat schon den ganzen Kindergarten informiert, dass er dann mit einem Foto in der Zeitung kommen werde.»

Der Kleine eifert seinen sportlichen Eltern übrigens bereits nach. «Gian wollte immer schon Faustball spielen. Da gab es keine Diskussion», sagt die stolze Mutter. Kein Wunder, schliesslich war nicht nur Mami Simone im Faustball eine do- minierende Person. Auch Papi Marcel ist eine Koryphäe und beim Verein Rickenbach-Wilen eine lebende Legende, er brachte es auf 82 Länderspiele für die Schweiz. Tritt nun Gian Eicher in die Fussstapfen seiner Eltern? «Langsam, langsam», sagt Simone Eicher-Estermann. «Gian hat Spass am Faustball, ja. Er spielt aber auch begeistert Unihockey.» Unnötig zu erwähnen, dass Eichers beim NLA-Faustballverein FG Rickenbach-Wilen engagiert sind. Simone leitet bei den Kleinsten die wöchentlichen Trainings. «Die Kinder dürfen zum Glück immer noch trainieren», sagt sie mit Blick auf die Coronamassnahmen.

Das Bonmot des Klubpräsidenten

Simone Eicher-Estermann war als junges Mädchen Ende der 1980er-Jahre fraglos eines der grössten Faustball-Talente des Landes. Sie durchlief beim STV Schlieren alle Nachwuchsstufen und etablierte sich schnell als Leaderin. Sowohl in der NLA-­Mannschaft der Limmattalerinnen als auch in der Schweizer Nationalmannschaft. Als Ei­cher-­Estermann 2007 im ­Alter von 26 Jahren zur «Schweizer Faustballerin des Jahres» gekürt wurde, freute sich Vereinspräsident Daniel Laubi so sehr, dass er die legendären Worte von sich gab: «Simone galt früh als Jahrhunderttalent.» Wie dem auch sei: Den sportlichen Erfolg schien Eicher-Estermann gepachtet zu haben. Auch dank ihr reihten die Schlieremerinnen bis vor elf Jahren einen Titel an den anderen, mit der Nationalmannschaft holte sie 2002 den WM-Titel, zudem gab’s dreimal an einer Europameisterschaft Gold, zuletzt 2009.

Natürlich habe sich der Faustballsport in den vergangenen Jahren verändert, die Trainings und Meisterschaftsspiele seien intensiver geworden. «Es sind vermehrt junge Teams an die nationale Spitze vorgestossen. Das hat zu mehr Ausgeglichenheit und Spannung geführt. Vor allem im Angriff ist die Auswahl an durchsetzungsstarken Spielerinnen gewachsen», rapportiert Eicher-Estermann ihre Beobachtungen.

Auch wenn sie jetzt nicht mehr aktiv im STV Schlieren dabei ist, den Kontakt abgebrochen habe sie keinesfalls. «Alle paar Monate treffe ich mich mit ehemaligen Mitspielerinnen. Wir gehen auch ab und zu gemeinsam Ski fahren oder spielen mit einem Team an einem Faustball-Plauschturnier mit.»

Was macht eigentlich?

In ihrer Serie «Was macht eigentlich?» beleuchtet die «Limmattaler Zeitung» das aktuelle Leben ehemaliger Grössen des Regionalsports. Die Serie erscheint in loser Folge.