Was die traditionsreichen Zürcher Zünfte noch heute sind, waren für lange Zeit auch die regionalen Vertretungen der Serviceklubs – reine Herrenrunden. Die männlichen Entscheidungsträger des Limmattals finden sich in Runden wie dem Lions Club oder dem Rotary Club ein, wo sie sich zu gesellschaftlichem und karitativem Zweck treffen. Diese Woche wurde jedoch bekannt, dass es in der über 40-jährigen Geschichte des Lions Clubs Limmattal noch Raum für Neues gibt. Mit Manuela Stiefel (FDP), der Schlieremer Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin, wurde nämlich das erste weibliche Mitglied aufgenommen. «Der Lions Club Limmattal veranstaltete jüngst Anlässe mit weiblichen Referentinnen – eine davon war ich», so Stiefel.

Im Anschluss nahmen sie der Schlieremer Charly Mettier und der Oetwiler Horst Färber als Paten unter ihre Fittiche. Diese müssen den Versammlungen einen Lebenslauf des Kandidaten – oder neu auch der Kandidatin – vorlegen und aufzeigen, warum die Person gut für den Club geeignet ist. «Ich bin im Sternzeichen des Löwen geboren und bin gar im Aszendent ein Löwe. Im Lions Club bin ich daher am genau richtigen Ort», sagt stiefel mit einem Augenzwinkern. Dass Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, etwas zurückgeben, finde sie ernsthaft wertvoll. Denn die Stärke einer Gesellschaft zeige sich bei den Schwächsten.

Der Lions Club Limmattal habe sich bereits vor ein paar Jahren für die Aufnahme von Frauen ausgesprochen, wie Färber auf Anfrage sagt. «Doch war es uns wichtig, Frauen aufzunehmen, die unsere Werte teilen und gut zu uns passen. Bei Manuela Stiefel war dies mehr als gegeben», sagt er weiter. Das Aufnahmeprozedere ist alles andere als leicht. Denn, lehnt an der Aufnahmeversammlung nur eines der 44 Mitglieder den Antrag ab, wird der Kandidat oder die Kandidatin nicht aufgenommen.

«Ja, wir wollen mit der Zeit gehen»

Stiefel freut sich. Auf sie warten zwei monatlich stattfindende Anlässe – ein Mittagessen und ein Abendprogramm – bei denen sie nun teilnehmen darf. Dass sie die letzte Frau im Lions Club Limmattal bleiben wird, glaubt sie nicht. «In naher Zukunft werden sicherlich noch mehr Frauen dazukommen», ist sie überzeugt. Von den Mitgliedern erhielt sie positive Rückmeldungen. «Mir wurde anlässlich meiner Aufnahme gesagt, dass man sich von mir eine Türöffner-Wirkung erhoffe», sagt sie.

Dies kann Färber bestätigen. Denn auch beim einige Jahre zurückliegenden Grundsatzentscheid für die Aufnahme von Frauen gab es einige Skeptiker, die die Lions als Männergremium hätten beibehalten wollen. «Einige hatten Vorbehalte gegenüber möglichen Veränderungen. Doch abschliessend wurde einheitlich entschieden: Ja, wir wollen mit der Zeit gehen und uns verändern.»

Einen Schritt weiter ist der zweite grosse Serviceklub des Limmattals. Denn im Rotary-Club wurde mit Jasmina Ritz, Geschäftsleiterin der Limmatstadt AG, vor drei Jahren die erste Frau aufgenommen. «Damals war es noch eine Männerbastion. Zwischenzeitlich haben sich noch drei weitere Frauen zu mir gesellt», so Ritz auf Anfrage. Auch sie betont, dass sie primär als Person und nicht als Frau aufgenommen wurde. «Die älteren Rotarier, die den Club wohl am längsten als reine Männerorganisation erlebten, begrüssten mich beinahe am herzlichsten», so Ritz. Einzig habe man organisatorische Fragen klären müssen. So wurde das ursprüngliche Damenprogramm geschlechtsneutral in Partnerprogramm umbenannt. «Beim wöchentlichen Lunch küsse ich zur Begrüssung nicht 50 Männer, sondern schüttle Hände», fügt Ritz schmunzelnd an.