Die erste Fernsehköchin der Schweiz bewirtet etwa acht Mal pro Jahr die Schlieremer Senioren am Mittagstisch der Pro Senectute. Sie verwöhnt ihre Gäste mit einem Drei- oder Viergänger, der sich meist aus traditionellen Gerichten zusammensetzt. «Mir ist es wichtig, dass die Senioren das Essen mögen», sagt Irene Dörig. Dennoch versucht sie, hin und wieder neuartige Zutaten zu verwenden. So kam vor kurzem Couscous auf die Teller. Das sei bei den Gästen gut angekommen.

Überhaupt seien die Senioren dankbare Esser: «Es gibt keine Person, auf die ich wegen einer Allergie bei der Planung Rücksicht nehmen muss», sagt die 68-Jährige, die seit gut fünf Jahren in Schlieren wohnt.

Privat kocht die Seniorin in der Regel gutbürgerlich. Sie will nicht allen Essenstrends hinterherlaufen. «Insekten beispielsweise werde ich nie essen», sagt sie. Anderen Entwicklungen steht sie offener gegenüber. Die Idee, das ganze Tier zu verwerten, findet sie gut, denn sie mag Innereien. Der Haken daran sei jedoch, dass mindere Fleischstücke oft lange Garzeiten haben. So könne es auch mal vorkommen, dass ein Gericht während 30 Stunden auf ihrer Herdplatte steht.

Irene Dörig in ihrer Kochsendung

Irene Dörig in ihrer Kochsendung

Aufgewachsen ist Dörig in Urnäsch als Tochter eines Käsehändlers und Gastwirts. Weil sie nie etwas anderes wollte, als Köchin zu werden, bewarb sie sich in St. Gallen beim damals besten Hotel am Platz. «Der Ruf des Hotels Hecht hat mich magisch angezogen», sagt sie. Prompt erhielt sie ihre Wunschstelle und durfte unter einem fürsorglichen Küchenchef die Kunst des Kochens erlernen. Damals war sie die einzige Frau in ihrem Jahrgang. Obwohl sie hervorragend abschloss, war es für sie schwierig, in der Männerdomäne Fuss zu fassen. «Die Spitzenköche wollten keine Frauen anstellen, weil der Umgang in den Küchen sehr rau war», sagt sie. Dies sei heute nicht mehr vorstellbar.

Sie träumte von einer Schule

Nach einer zweiten Lehre in der Diätküche arbeitete sie bei der bekannten Schweizer Köchin Agnes Amberg, wo sie mit Verleger Max Frey in Kontakt kam. Dieser hatte die Absicht, eine Kochschule aufzubauen. Er bot ihr an, seine Idee zu verwirklichen. «Für mich ging ein Traum in Erfüllung», sagt Dörig, die damals 27 Jahre alt war. Gut zehn Jahre später machte sie sich selbständig und gründete im aargauischen Friedlisberg die Kochschule «Irenes Cuisine», die heute noch besteht.

Zur gleichen Zeit wurde sie vom Schweizer Fernsehen als Fernsehköchin engagiert. In der Sendung Schwiizer Chuchi präsentierte sie von 1986 bis 1989 Rezepte, die sie selbst entworfen hatte. Dabei legte sie Wert darauf, dass die Speisen von Laien nachgekocht werden können und die Zutaten allerorts erhältlich sind. «Das mit Mostbröckli, Gemüsejulienne und Käse gefüllte Appenzeller Schweinsfilet ist zu einem Klassiker geworden», sagt sie mit glänzenden Augen.

Irene Dörig kocht den Klassiker: Gefülltes Appenzeller Schweinsfilet

Im grossen Stil kochen

Seit ihrer Pensionierung ist die Kochschule zur Nebensache geworden. Den Schwerpunkt legt Dörig heute auf die von ihr organisierten Ferienkochkurse im Piemont. «Diese Kurse machen mir besonders viel Spass, weil ich mit den Teilnehmern im grossen Stil kochen kann», sagt sie. Anders als in den Abendkursen könne sie dort Gerichte zubereiten, die viel Zeit benötigen. Auch hier ist ihr wichtig, dass die vorgeschlagenen Rezepte in jedem Fall gelingen. «Nur so kann ich mit gutem Gewissen mit an den Tisch sitzen», sagt die Schlieremerin. Statt auf komplizierte setzt sie deshalb auf pfiffige Gerichte. Es sei heute allerdings gar nicht mehr so einfach, die Laienköche zu überraschen. «Früher gingen die Leute weniger oft aus und hatten einen kleineren Horizont», sagt sie.

Da Dörig ihre Kochschule nur noch in stark reduzierter Form führt, bleibt ihr nun wieder mehr Zeit, um sich auswärts verwöhnen und inspirieren zu lassen. «Als mein Essen neulich auf der Unterseite eines Tellers serviert wurde, war ich verwundert», sagt die 68-Jährige. Dass sie selbst einmal Gastgeberin in einem Restaurant wird, kam für sie wegen der strengen Arbeitszeiten nie infrage. Lieber lädt sie die Spitzenköche, zu denen sie gute Beziehungen pflegt, zu sich in die Kochkurse ein, wo die Profis ihr Können an die Kursteilnehmer weitergeben. Wie die gute Auslastung der Kurse zeigt, hat sie damit grossen Erfolg.

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