Weiningen
«Die Ernte wird eine Sisyphusarbeit»

Die verhagelten Rebstöcke haben sich nach dem Sturm im Juni gut erholt. Für die Weininger Weinbauern ist klar: «Es wird ganz sicher einen Weininger Jahrgang 2011 geben».

Katja Landolt
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Die verhagelten Reben nach der dreiwöchigen Schockstarre. mke

Die verhagelten Reben nach der dreiwöchigen Schockstarre. mke

Von einem Spitzenjahrgang war im Frühling die Rede. Dann kam der Sturm mit Böen und Hagel, der am 13. Juni eine Schneise der Verwüstung durch die Schweiz gezogen hat – auch mitten durch die Weininger Rebhänge. Aus dem «Spitzenjahrgang» wurde innert Minuten ein «Totalausfall». Wochen später sieht die Welt etwas rosiger aus – die Rebstöcke und einige Trauben haben den Sturm überlebt.

Die Weininger Weinbauern haben sich in den letzten Tagen mit dem kantonalen Rebbaukommissär und weiteren Experten zusammengesetzt und die wichtigsten Fragen geklärt:

Wie können die Triebe geschützt werden? Werden die Trauben noch genügend Zucker produzieren? Und welche Arbeiten müssen jetzt getan werden? «Viel mehr als die Reben vor Mehltau zu schützen, können wir momentan nicht tun», sagt Robin Haug, Winzer und Sohn des Weinbauers Hans-Heinrich Haug. Alles andere sei Sache der Natur.

90 Prozent der Trauben kaputt

Nach einer dreiwöchigen Schockstarre wachsen die Reben wieder, die Triebe schlagen aus. Und die Hitze der letzten Tage hat ihnen zusätzlichen Schub verliehen. «Es sieht ganz danach aus, als dass es doch noch Wein gibt aus unseren Trauben», sagt Robin Haug.

Viel wird es aber nicht: Die Hagelschätzer haben anfangs Woche festgestellt, dass auf den Rebbergen von Hans-Heinrich Haug im Schnitt gegen 90 Prozent der Ernte zerstört wurden. Ähnlich sieht es auch auf den anderen Weininger Rebbergen aus, beispielsweise dem von Hanspeter Haug, Weinbauer und Gemeindepräsident.

Trotzdem ist auch für ihn nicht Hopfen und Malz verloren: «Es wird ganz sicher einen Weininger Jahrgang 2011 geben.»

Die Experten hatten auch gute Nachrichten. «Bis nächsten Sommer werden sich die verhagelten Rebstöcke wieder erholt haben», sagt Robin Haug. Auch Hanspeter Haug zeigt sich optimistisch: «Die Rebstöcke haben frisches Laub, die Saftbahnen sind also nicht beschädigt worden.»

Im Frühjahr müsse aber vermutlich ein anderes Schnittsystem gewählt werden. «Wir werden uns dann nochmals mit dem Rebbaukommissär, Experten der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt in Wädenswil und anderen betroffenen Winzern zusammensetzen und anhand von Rutenproben bestimmen, wie wir das Schneiden handhaben werden», sagt Hanspeter Haug.

Wieder im Zeitplan

Der heisse August hat die Weinbauern wieder milde gestimmt. Der Schub, den die Triebe wegen der Hitze gemacht haben, ist gar so gross, dass die Trauben wieder im Zeitplan liegen. Der Riesling-Silvaner wird Ende September oder anfangs Oktober gelesen werden können, der Blauburgunder Mitte oder Ende Oktober – je nach Wetter.

«Damit liegen wir in den regulären Lesezeiten», sagt Robin Haug, fügt aber an, dass das Lesen eine mühsame Angelegenheit wird. Alle beschädigten oder grünen Beeren müssten aus den Trauben herausgepickt werden. Robin Haug lacht und meint: «Das wird eine Sisyphusarbeit. Die Ernte wird trotz der viel geringeren Menge nicht schneller erledigt sein.»

Haben die Weinbauern den Ärger über den Hagel überwunden? «Es tut schon noch weh; gerade wenn man sieht, wie die Reben der Kollegen in den angrenzenden Weinbaugebieten aussehen», sagt Robin Haug. Aber das sei halt einfach die Natur.

«Damit muss man leben und umgehen.» Er nimmt die Situation sportlich: «Vor dem Hagel wäre es ein Spitzenjahrgang geworden – nach dem Hagel können wir noch immer gute Qualität liefern.»