Urdorf
Die Erbschaft für die Reformierten enthält eine spezielle Brunnen-Klausel

Nun ist klar, was mit dem geerbten Haus an bester Lage gemacht werden soll

Alex Rudolf
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Hier will die reformierte Kirche Urdorf ein Doppeleinfamilienhaus errichten. aru

Hier will die reformierte Kirche Urdorf ein Doppeleinfamilienhaus errichten. aru

Alex Rudolf

Nur wenig Verkehr und viel Grün. Das ruhige Urdorfer Einfamilienhausquartier unweit des Spitals Limmattal dürfte eine der letzten Bastionen sein, wo nicht Häuserblöcke mit Mietwohnungen hochgezogen werden, sondern der idyllische Traum vom Einfamilienhaus samt Garten gelebt wird. Ein spezielles Objekt steht an der Adresse im Moos 6. Dieses Gebäude erbte die reformierte Kirche Urdorf vor gut anderthalb Jahren; sie präsentiert nun, was sie mit dem Schatz zu tun gedenkt.

Wie der neusten Ausgabe der «Chileposcht» zu entnehmen ist, standen bei der Erarbeitung des Nutzungskonzepts zwei Varianten im Vordergrund. So hätte das Wohnhaus auf das Niveau der Objekte des heutigen Wohnungsmarktes instand gestellt werden können. Die Baukommission der Kirchenpflege kam aber zum Schluss, dass der Abriss des Hauses und ein anschliessender Neubau sinnvoller seien. Denn das Einfamilienhaus aus den 1940er Jahren hätte massiv umgebaut werden müssen, sodass es wieder von einer Familie hätte benutzt werden können. Laut Kirchenpflege wären die Kosten dafür in die Nähe derer eines Neubaus gekommen. Auch bliebe die Bausubstanz alt und die Räume klein.

So soll nun auf dem rund 700 Quadratmeter grossen Grundstück Doppeleinfamilienhaus entstehen. «Auf diese Weise wäre das Gelände gut ausgenützt und es gäbe Wohnraum an bester Lage für zwei Familien», schreibt die Kirchenpflege. Darüber hinaus soll bei einem der beiden Häuser ein Amtsraum eingerichtet werden: «Damit wäre ein Einfamilienhaus optimal für eine Pfarrfamilie geeignet.»

Bei der Architektur wolle man darauf achten, dass sich das Doppeleinfamilienhaus dereinst gut in das Quartier integriert. Rund um den Bau sollen die grosszügigen Grünflächen mit der Möglichkeit auf einen Garten beibehalten werden.

Erbschaft kommt mit Auflagen

Die Nutzung der Liegenschaft im Moos 6 ist laut Testament jedoch an Bedingungen geknüpft, wie die Kirchenpflege schreibt. So darf das Grundstück während 20 Jahren nicht verkauft werden und der darauf befindliche Brunnen darf nicht abgerissen werden. Daher müsse die Bewirtschaftung der beiden Häuser während 20 Jahren in Miete erfolgen, schreibt die Kirchenpflege weiter. Nach Ablauf dieser Frist könne entschieden werden, ob die Liegenschaften weiterhin vermietet oder verkauft werden sollen.

Den Teilnehmern der gestrigen Kirchgemeindeversammlung wurde somit der Antrag auf einen Projektierungskredit in der Höhe von 107 000 Franken gestellt, der von den 58 anwesenden Stimmberechtigten einstimmig angenommen wurde. Im Budget 2016 ist dieser bereits eingestellt. Die Kosten für den Bau werden auf rund zwei Millionen Franken beziffert. Dieser definitive Baukredit würde an der Kirchgemeindeversammlung im Juni kommenden Jahres an die Stimmberechtigten herangetragen.

Weiter befanden die Stimmberechtigten am gestrigen Sonntag über die Inlandhilfe. Weil bei der protestantischen Solidarität Schweiz (Soliprot) keine zu unterstützenden Projekte eingegangen sind, schlägt die Kirchenpflege vor, den Betrag von 10 000 Franken der Nachbarkirchgemeinde Hausen am Albis zu spenden. Die Versammlung hat dies gestern genehmigt.

Ebenfalls angenommen wurde der Voranschlag, der einen Aufwand von 1,6 Millionen Franken vorsieht. Der Steuerfuss bleibt bei 9 Prozent.