Fussball
Die Enttäuschung bei den jüngsten Kickern wird gross sein – Budenzauber fällt wohl aus

Die Chance, dass in den kommenden Monaten Fussball-Hallenturniere durchgeführt werden können, ist aktuell sehr gering. Eine Übersicht zu den Entscheidungen der Limmattaler Klubs.

Ruedi Burkart
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Diesen Winter werden sich die Nachwuchskicker kaum duellieren können wie hier die E-Junioren von Höngg und Dietikon. (Archivbild)

Diesen Winter werden sich die Nachwuchskicker kaum duellieren können wie hier die E-Junioren von Höngg und Dietikon. (Archivbild)

Ruedi Burkart

Die Faktenlage ist klar: Wegen Corona ruht bis auf weiteres der Spielbetrieb auch bei den Fussballern in allen Alterskategorien. Immerhin dürfen die Juniorinnen und Junioren bis zu einem Alter von 15 Jahren weiterhin normale Mannschaftstrainings abhalten. Wettkämpfe gegen andere Teams sind aber auch ihnen untersagt. Was bedeutet dies nun für die allseits beliebten Hallenturniere der jüngsten Kicker? Die ersten Limmattaler Klubs haben ihre Anlässe bereits abgesagt, andere warten mit der Entscheidung noch zu. Fakt ist jetzt schon: Die Enttäuschung bei den kleinen Kickerinnen und Kickern wird nach dem Abbruch der Rasensaison erneut riesig sein. Eine Übersicht.

FC Birmensdorf

Ein neu gebildetes Organisationskomitee hätte eigentlich das diesjährige Hallenturnier in der Kasernenhalle durchführen sollen. Doch Corona und das Wettkampfverbot haben alle Vorarbeiten zunichtegemacht. Der ursprünglich auf das kommende Wochenende terminierte Event musste nach Rücksprache mit der Gemeinde Birmensdorf und dem Kanton ersatzlos gestrichen werden. «Das haben wir bereits zwei Wochen vor dem Bundesratsentscheid über das Wettkampfverbot gemacht», sagt Birmensdorfs Vereinspräsident Harry Schenk.

Mehr als 150 Kinder aus Birmensdorf und 250 aus anderen Mannschaften sind für das Turnier angemeldet gewesen. Schenk: «Wir werden uns dadurch aber nicht entmutigen lassen, sondern mit vollem Elan die Turnierausgabe 2021 vorbereiten.» Dem FC Birmensdorf entgehen mit der Absage des Hallenturniers rund 10'000 Franken an Einnahmen.

FC Dietikon

Stand heute führt der 1.-Ligist vom 8. bis 10. Januar 2021 sein Traditionsturnier um den Bolliger-Cup in der Dietiker Stadthalle durch. «Wir blicken positiv voraus und sind zuversichtlich, dass der Bolliger-Cup nach aktuellem Planungsstand durchgeführt werden kann und ein Erfolg wird», sagt Dietikons Junioren-Obmann Pascal Stüssi auf Anfrage. Laut Stüssi werden für ein definitives Ja oder Nein nicht nur die weiteren Weisungen des Bundesrats entscheidend sein, es komme auch darauf an, wie sich die Zahl der Anmeldungen entwickelt.

Sollte das Turnier tatsächlich durchgeführt werden, gelte es, so Stüssi weiter, zahlreiche Massnahmen zu treffen. «Wir brauchen dann ein aktuelles Schutzkonzept. Bleibt die 50er-Regel bestehen, werden wir kaum Zuschauer in die Halle lassen können. Wer kommt, muss die Kontaktdaten hinterlegen. Es wird eine Festbeiz unter strenger Einhaltung des Schutzkonzepts geben. Und die Kinder werden die Duschen nicht benützen können.» Sollten die Verantwortlichen des FCD den Bolliger-Cup tatsächlich durchführen – in welcher Form auch immer – tun sie dies im kommenden Januar in erster Linie für den fussballbegeisterten Nachwuchs. «Wir werden das dann für die Kinder machen, die einfach tschutten wollen», so der Juniorenboss weiter. «Wir wollen ihnen ein kleines Stück Normalität erhalten.» In finanzieller Hinsicht wird laut Stüssi ein Plus für den Verein herausschauen.

FC Engstringen

Jeweils im März führt der FCE sein traditionelles Mittefasten-Turnier für E- und F-Junioren durch. Ob im kommenden Winter gespielt werden kann, ist laut Heinz Setz fraglich. «Momentan haben wir das Turnier noch nicht abgesagt, die Planung läuft normal», so der FCE-Präsident, «aber ich gehe eher nicht davon aus, dass wir es durchführen.»

FC Oetwil-Geroldswil

Auch wenn auf der Vereinswebsite des 3.-Ligisten letzte Woche immer noch Werbung für das Hallenturnier vom kommenden Wochenende gemacht worden ist, gekickt wird in der Weininger Turnhalle nicht. «Wir haben unseren Anlass schweren Herzens schon frühzeitig abgesagt», sagt Nachwuchsboss Beat Lutz. Und weil man beim FCOG davon ausgeht, dass sich die epidemiologische Lage auch in naher Zukunft kaum zum Besseren verändern wird, ist auch das zweite Turnierwochenende vom 9. und 10. Januar 2021 bereits jetzt ersatzlos gestrichen worden.

Bemerkenswertes Detail: Vier der total acht Kategorien sind seit Wochen restlos ausgebucht. «Wir hätten für das Turnier im Januar ein taugliches Schutzkonzept gehabt», so Lutz. «Aber das wäre dann nicht mehr ein schöner Anlass geworden.» Keine Festbeiz, kein gemütliches Zusammensitzen vor und nach den Spielen, keine Stimmung in der Halle – lieber kein Turnier als ein seelenloser Anlass. Immerhin hält Nachwuchsboss Lutz ein Zückerchen bereit. «Es ist denkbar, dass wir im Frühling die Turniere nachholen werden. Einfach auf unserem Kunstrasen statt in der Halle.» Schliesslich habe man die Preise – sprich Pokale – bereits frühzeitig bestellt.

FC Schlieren

Dass das sechstägige Hallenturnier um den 16. Bellini-Cup vom 8. bis zum 10. Januar respektive vom 15. bis zum 17. Januar 2021 in der Schlieremer Unterrohrhalle durchgeführt werden kann, ist Stand heute unwahrscheinlich. «Wir werden an einer Sitzung am 27. November über das weitere Vorgehen entscheiden», lässt Turnierboss Roger Küng auf Nachfrage wissen. Es stehen zwei Optionen zur Debatte: Man streicht den Bellini-Cup 2021 ersatzlos, oder dann wird das Turnier entweder über Auffahrt oder im kommenden Sommer als «Outdoor-Cup» mit Banden auf dem Zelgli-Kunstrasen gespielt. «Wir werden versuchen, eine Lösung im Sinne der Kinder zu finden», äussert sich Marco Seifriz, Co-Präsident des FCS. Das Schlieremer Turnier ist eines der grössten in der Region. Vor einem Jahr spielten 1500 Fussballerinnen und Fussballer im Alter zwischen 5 und 16 Jahren um den Sieg in total 14 Kategorien.

FC Uitikon

Der 4.-Liga-Klub führt keine Hallenturniere durch. «Wir haben schlicht keinen Platz bei uns oben», sagt Vereinspräsident Martin Cincera. Sollte 2024 das neue Schulhaus Allmend mit der Dreifachturnhalle tatsächlich stehen und seinen Betrieb aufnehmen, könne man sich jedoch durchaus vorstellen, «etwas auf die Beine zu stellen».

FC Urdorf

Ob die «Stiere» am Wochenende des 16./17. Januar 2021 in der Zentrumshalle ihr 46. Hallenturnier mit insgesamt sechs Kategorien durchführen werden, ist zurzeit noch offen. Man werde die Lage genau beobachten und Ende Dezember einen definitiven Entscheid fällen, so FCU-Vereinspräsident René Janz. Ist das zeitlich nicht ein bisschen knapp? «Wir haben ein bestens eingespieltes Team und können so kurzfristig reagieren», sagt Janz.

Ein Schutzkonzept müsste mit der Gemeinde Urdorf noch ausgearbeitet werden, aber dies sei kein Problem. Je nach epidemiologischer Lage in zwei Monaten kann sich Janz auch vorstellen, das Hallenturnier gänzlich ohne Zuschauer durchzuführen. «Ein normaler Anlass wird es so oder so nicht. Im Foyer werden wir kaum die gewohnte Festbeiz aufstellen können.»

Als eine spezielle Herausforderung bei einem Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit könnte sich eine in normalen Zeiten als Lappalie wahrgenommene Tätigkeit entpuppen: das Schnüren der unzähligen Turnschuhe der ganz kleinen Kicker, ohne dass die Eltern helfen dürfen. «Das wäre dann in der Tat eine spezielle logistische Herausforderung», sagt Janz und schmunzelt. In den momentanen Zeiten ist eben nichts mehr so wie noch vor kurzem.