Statistik
Die Entscheidung steht fest: Urdorf will keine Stadt sein

Die Ziele im Leitbild der Gemeinde lassen sich nicht mit dem Titel «Stadt» verbinden. Der Urdorfer Gemeinderat ist überzeugt: «Von der Stadt-Defnintion sind keine rechtlichen Folgen und kein finanzieller Mehrwert absehbar.»

Alex Rudolf
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Der Urdorfer Gemeinderat besteht auf dem Image der stadtnahen, grünen Oase. So biete die Gemeinde den perfekten Wohnort für junge Familien.

Der Urdorfer Gemeinderat besteht auf dem Image der stadtnahen, grünen Oase. So biete die Gemeinde den perfekten Wohnort für junge Familien.

Limmattaler Zeitung

Erahnen liess es sich bereits Mitte Februar. Damals wurde öffentlich, dass Urdorf statistisch gesehen nun eine Stadt ist. Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) sagte als Reaktion darauf gegenüber dieser Zeitung, dass sie darin primär eine statistische Grösse sehe. Am Montag wurde diese Haltung nun offiziell. Die Exekutive gab in einer Mitteilung bekannt, dass Urdorf weiterhin als Gemeinde positioniert werde, obwohl die Möglichkeit bestünde, sich «Stadt» zu nennen.
Im Nachzug einer Änderung der Definition von Stadt durch das Bundesamt für Statistik, gelten nicht mehr wie bis anhin Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohner als Stadt. Neu definieren sie sich über ihre Dichte. Diese lässt sich aus der Anzahl Einwohnern, Beschäftigten und Logiernächten ableiten. Der Grund: Mit der neuen Definition soll der Effekt der Gemeindefusionen abgeschwächt werden, sodass Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern aber ohne städtischen Charakter oder dominantes Zentrum nicht mehr als Stadt gelten. Aufgrund dieser Anpassung wurde Urdorf zur statistischen Stadt, obwohl die Gemeinde Wohnort für «nur» 9611 Personen ist.
Es ist eine Frage der Identität
Sein Heranwachsen zur statistischen Stadt bleibt für Urdorf folgenlos. Wie der Gemeinderat gestern verlauten liess, hätten Abklärungen bei kantonalen Stellen und Verbänden ergeben, dass die Stadt-Definition ausschliesslich statistisch relevant sei. «Zudem sind keine rechtlichen Folgen und kein finanzieller Mehrwert absehbar», heisst es weiter. So könne die Bezeichnung «Stadt» übernommen werden, müsse jedoch nicht. «Ob eine Gemeinde dies tut, ist somit eine Frage der Identität und der Positionierung», schreibt die Exekutive weiter. Die Positionierung Urdorfs weckt nicht viele Erinnerungen an die Eigenschaften einer Stadt. So verweist der Gemeinderat auf das Leitbild «Urdorf 2010+», wo Entwicklungsziele bis ins Jahr 2020 festgehalten sind. Darin wird das künftige Urdorf als stadtnah und trotzdem im Grünen gelegen charakterisiert. Weiter verfüge die Gemeinde über ein intaktes Sozialleben und ein ganzjähriges, vielseitiges Freizeitangebot. «Diese Vorzüge wie auch die Einbettung in die dynamische Region Limmattal machen Urdorf vor allem für junge Familien zu einem sehr attraktiven Wohnort.»
Dass diese Eigenschaften auch mit dem Titel «Stadt» einhergehen können, glaubt die Exekutive offenbar nicht. Sie halte sich an dieses Leitbild und vertrete die Ansicht, dass am dörflichen Charakter und der heutigen politischen Struktur mit Milizsystem und Gemeindeversammlung festgehalten werden solle, heisst es weiter.