Das Tosen und Stampfen schwillt von fern durch die Luft. Man hört rasendes Zischen, Keuchen und Brausen, das stossweise den Raum erfüllt. Der bebende Boden, ein starker Luftdruck und eine Wolke von Dampf und Qualm kündigt das schwarze, schnaubende Gefährt an: die Eisenbahn. Schon immer hat sie Kinder in den Bann gezogen und wurde in Büchern und Filmen zum Protagonisten gemacht. Doch die Leidenschaft für das Fortbewegungsmittel auf zwei Schienen teilen auch Erwachsene.

«Mich fasziniert die Eleganz der Züge», sagt Andreas Häni. Der Birmensdorfer gründete im Jahr 1968 den Verein Reppischtaler Eisenbahnamateure. Zehn Jahre später fanden die Mitglieder in Ottenbach einen 100 Quadratmeter grossen Raum für ihren Mikrokosmos. Nun feiert der Club sein 50-Jahr-Jubiläum im Vereinslokal mit einem Tag der offenen Tür.

Im Raum befindet sich eine Werkstatt, eine Kaffee-Ecke und eine Eisenbahnanlage. Zu bewundern sind Lokomotiven, Wagen, Schienen, Signale, Gebäude und Landschaften, die im Massstab 1:45 nachgebaut sind. «Wir führen etwa alle zwei Jahre einen Modellbaukurs durch. Wir lernen dann, wie man eine Eisenbahn selber bauen kann», sagt der 63-Jährige.

Damals aus Blechdosen gebaut

Heute werden die Wagen mit dem Computer gemalt. Eine externe Firma ätze eine Messingplatte entlang der Trennlinien durch. «Früher bestand der Stolz vieler natürlich darin, die einzelnen Teile selbst mit einer kleinen Säge herauszufräsen. Unsere ältesten Mitglieder haben noch mit Blechdosen und aus Papier Modelle gebaut», sagt Häni. Mit der Digitalisierung seien die Mini-Eisenbahnen teurer geworden. Eine Modell-Lokomotive im Massstab 1:45 koste demnach etwa 4000, ein Waggon ungefähr 1000 Franken.

«Die Modellbahn war schon immer mein Hobby. Es ist aber nicht meine einzige Freizeitbeschäftigung», sagt Häni und entkräftet damit ein gängiges Vorurteil über die «Bähnler»: Er habe auch nicht extrem viel Zeit oder Geld dafür investiert. Deshalb besitze er nur wenige Wagen und habe keine eigene Anlage bei sich zu Hause. Als aktives Mitglied kommt er mit den anderen Eisenbahnamateuren jeden Freitag im Vereinslokal zusammen, um zu fachsimpeln. Der Club zählt 100 Mitglieder, von denen etwa ein Viertel aktiv ist und am Bau der Bahnanlage beteiligt ist. «Wir werden bis zum Tag der offenen Tür aufräumen und die Anlage auf Vordermann bringen.»

Andreas Häni mit seinem Lieblingsmodell, der berühmten Gotthard-Lokomotive Ae 6/6.

Andreas Häni mit seinem Lieblingsmodell, der berühmten Gotthard-Lokomotive Ae 6/6.

Würde man die Modelle der Vereinsmitglieder zusammenzählen, käme man auf 100 Lokomotiven und 300 Waggons. Im Ottenbacher Eisenbahnparadies nächtigen die komplexen Spielzeuge jedoch nicht. Die Mini-Züge gehören den Mitgliedern selbst und werden bei Treffen mitgebracht. So wolle man das Lokal schützen. Die Anlage allein sei nicht viel wert. «Es ist eher so, dass ein grosser emotionaler Wert darin steckt», sagt Häni.

«Mich fasziniert alles daran»

Der Frühpensionierte kann sich noch an seine erste Modelleisenbahn erinnern: «Ich war etwa sieben Jahre alt, als ich an Weihnachten von meinen Eltern eine dieser faszinierenden Nachbildungen der Marke Märklin bekommen habe.» Das sei jedoch kein ausschlaggebender Moment gewesen, der die Leidenschaft entfachte. «Wir hatten damals kein Auto und sind deshalb immer mit dem Zug gereist. Mich fasziniert alles daran: das Innere, das Äussere, einfach die ganze Atmosphäre in der Welt der Züge», so der Hobby-Eisenbahnamateur weiter.

Die Eisenbahn habe Häni durch das Leben begleitet. Gegründet wurde der Verein anfangs in der Schulklasse. Jeder hatte damals eine eigene Anlage. «Heute ist es ein professioneller und schweizweit bekannter Verein», sagt Häni. Man stelle immer höhere Ansprüche an den Modellbau. «Es ist wichtig, dass man nicht den Spass daran verliert.» Dem Verein fehlt es an Nachwuchs. «Die Verbindungen nach Ottenbach zum Vereinslokal sind schlecht und das Hobby ist kein günstiges.» Es sei schwierig, Jugendliche zu finden, die das Hobby weiterführten.

Eine Liebe zum Detail

Ein geübter Modellbauer braucht etwa 50 Stunden, um ein einfaches Modell, etwa einen Wagen fertigzustellen. «Die grösste Freude ist, wenn man es geschafft hat, ein Modell so wahrheitsgetreu zu bauen, dass man es bei einer Nahaufnahme nicht vom Original unterscheiden kann», sagt Häni. Ihm gefällt das Ziel, die Wirklichkeit exakt in klein abzubilden. Auch die Vielseitigkeit des Hobbys ist Grund für seine Begeisterung: «Man baut Züge, Landschaften und steuert die Lokomotiven.»