Schlieren
Die eingeschworene Truppe der Friauler feiert Jubiläum

Im Fogolar Furlan Udinese Club Zürich wird die Kultur des norditalienischen Friaul gelebt und gepflegt. Der Klub wurde vor 50 Jahren von italienischen Migranten aus dieser Region gegründet. Die Gründung des Vereins wird dieses Jahr gefeiert.

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Das Handwerk sitzt: Einer der Polenta-Köche ist für das Grillfest extra aus dem norditalienischen Bergamo angereist.

Das Handwerk sitzt: Einer der Polenta-Köche ist für das Grillfest extra aus dem norditalienischen Bergamo angereist.

David Hunziker

Ein Trommelwirbel und eine Trompetenfanfare geben den Startschuss: Drei Männer heben den riesigen Topf vom Feuer und giessen die gelb glänzende Polenta-Masse in die vorbereiteten Holzbleche. Dann wird die Polenta mit grossen Holzkellen glatt gestrichen und in Portionen geschnitten. Die ersten Gäste erheben sich von den Festbänken, die im Klubhaus der Reitgesellschaft an der Limmat aufgestellt sind, und bewegen sich zum Tresen, wo die Polenta mit Koteletts, Würsten, Käse und Brot angerichtet wird.

Wie jedes Jahr trifft sich hier anfangs Sommer der in Schlieren beheimatete Fogolar Furlan Udinese Club Zürich für ein friulanisches Grillfest. Auf den Teller kommen kulinarische Spezialitäten aus dem Friaul, einer Region im Nordosten Italiens. Der Klub wurde vor 50 Jahren von italienischen Migranten aus dieser Region gegründet. Einerseits haben sich die Vereinsmitglieder bei alltäglichen Problemen gegenseitig unterstützt, andererseits wollten sie die Verbindung zur Kultur ihrer Heimat nicht aufgeben. Die Gründung des Vereins wird dieses Jahr ausgiebig gefeiert.

Die Kultur des Friauls muss die Menschen zusammenschweissen. Denn Ableger des Fogolar-Furlan-Klubs gibt es auf der ganzen Welt, wie der Schlieremer Gianni Pupolin erzählt. Er ist seit 1973 Mitglied im Verein, seit 1994 auch im Vorstand. «Der Gemeinschaftssinn der Friauler hängt sicher auch damit zusammen, dass in ihrer Region eine eigene, seltene Sprache gesprochen wird: Friaulisch.» Friaulisch wird zur gleichen Sprachgruppe wie Rätoromanisch gezählt. Wegen dieser kulturellen Verwandtschaft sind auch Vertreter des Kantons Graubünden ans grosse Jubiläumsfest im Zürcher Spirgarten eingeladen, das im November stattfindet.

Im Spirgarten oder auch im Kaufleuten fanden in den Anfangsjahren des Vereins rauschende Feste mit 300 bis 400 Personen statt, erzählt Pupolin. «Manchmal mussten sogar Leute wieder nach Hause geschickt werden, weil der Saal überfüllt war.» Die Mitgliederzahl ging über die Jahre jedoch immer weiter zurück, weil die Nachfahren der ersten Einwanderergeneration sich oft nicht mehr im Verein engagierten.

Pupolin stammt aus der zweiten Generation und ist zufällig in sein Vereinsamt gerutscht. Eigentlich machte er die Kasse für den Udinese Club Zürich, der früher noch ein eigener Verein war und Fans des Fussballklubs Udinese Calcio versammelte. 1994 wurde dieser mit dem Fogolar Furlan Club zusammengelegt und Pupolin machte gleich weiter. «Weil ich gut Italienisch und Deutsch spreche, muss ich zwischen den Generationen vermitteln», meint er lachend.

Nur noch die Hälfte sind Friauler

«Im Verein stammen heute noch etwa die Hälfte der Mitglieder tatsächlich aus dem Friaul», erzählt Pupolin weiter. Die andere Hälfte komme entweder aus anderen Regionen Italiens oder auch aus der Schweiz. «Bei uns kann jeder Mitglied werden und unsere Anlässe stehen allen offen.» Das war nicht immer so: Bis zur Fusion in den Neunzigerjahren durften dem Verein nur Friauler angehören.

Fussballausflüge nach Mailand

Der Verein lädt immer wieder Musiker aus dem Friaul für Konzerte ein, einmal auch eine Theatergruppe, und manchmal reist eine Gruppe südwärts durch die Alpen, um sich ein Fussballspiel von Inter oder AC Mailand anzusehen. Die beiden Vereinskulturen führten über die letzten 20 Jahre eine friedliche Koexistenz.
Im Unterstand des Reitklubs hat mittlerweile die Band Mezza Sproca Dozzina ein heiteres Lied angestimmt, es wird gegessen und getrunken. Wenn Pupolin die anderen Feste nennt, die der Klub organisiert, etwa das Rohschinkenfest oder das Herbstfest, geht es meist vor allem ums Essen. «Das ist sicher der Mittelpunkt unseres Vereinslebens», sagt Pupolin und schmunzelt.