Dietikon

Die einen wollen eine Werkstatt, andere lieber eine «Happy Hour»

Der Vorstand des neuen Vereins Gleis 21 hat viel vor (v. l.): Christian Höhener, Fabian Hauser, Kerstin Camenisch und Carla Hohmeister. Flurina Dünki

Der Vorstand des neuen Vereins Gleis 21 hat viel vor (v. l.): Christian Höhener, Fabian Hauser, Kerstin Camenisch und Carla Hohmeister. Flurina Dünki

Die Erwartungen an das neue Kulturzentrum Gleis 21 beim Bahnhof sind hoch.

Die vollbesetzte Aussenbestuhlung vor dem ehemaligen Brocki Atelier 23 vermittelte ein Bild davon, was sich in Zukunft vor dem Gebäude hinter dem Bahnhof Dietikon abspielen könnte. Der schon seit Mai 2014 leer stehende Bau wird im Laufe dieses Jahres zu einem kulturellen Quartiertreffpunkt inklusive Bistro umgestaltet.

Der Bedarf an Kulturräumen wird in Dietikon mit dem momentanen Angebot nicht gedeckt. Dies gestand sich die Stadt im Mai letzten Jahres selber ein und schuf ein neues Raumkonzept für die Kultur, in welchem das Gebäude an der Buchsackerstrasse 21 als einer der drei kulturellen «Leuchttürme» genannt wird. Gleis 21 hat der kürzlich gegründete Trägerverein den neuen Kulturraum getauft, der gemäss Raumkonzept zu einem Arbeits- und Vernetzungsort für Kulturschaffende sowie Austragungsort für Musikveranstaltungen werden soll.

Anwohner wollen Begegnungsort

«Darüber hinaus hat der Verein jedoch viele Freiheiten und kann selber bestimmen, wofür Gleis 21 auch noch dienen soll», sagt Vereinspräsidentin Kerstin Camenisch. Ein Begegnungsbistro etwa, sei ein von den Anwohnern des Altbergquartiers, zu denen auch sie und die meisten anderen Vorstandsmitglieder gehören, ein oft genannter Wunsch.

Wo einst das Atelier 23 zu Hause war, entsteht ein neues kulturelles Zentrum. DEG

Wo einst das Atelier 23 zu Hause war, entsteht ein neues kulturelles Zentrum. DEG

Meditation oder Lernraum

Um zu hören, welche Erwartungen an den neuen Kulturraum sonst noch da sind, gab der Trägerverein am Sonntag Besuchern eines Informationsanlasses die Gelegenheit, diese gleich an Ort und Stelle aufzuschreiben. «Regelmässig stattfindende Meditationen», «Programm für Jugendliche» oder «Raum für die Lernenden und Studierenden aus Dietikon» war etwa auf den Papierbögen zu lesen. Einige wagten gar, bereits konkrete Ideen anzubringen: So wünschte sich ein Interessierter eine «mechanische Werkstatt von 5 auf 9 Meter im westlichen Teil», die für alle nutzbar sein soll. Ein anderer schlug für das entstehende Bistro das Motto «Kulinarikum» vor, während andere eine Bar mit «Happy Hour» bevorzugen.

«In Dietikon haben wir das Glück, dass kulturell sehr viel läuft», sagte Sonja Laughton vom Theater Dietikon, die sich am Anlass unter den Neugierigen befand. Nun müsse auch sichergestellt werden, dass genug Räume dafür vorhanden seien. Es fehle ein alternativer Kulturtreffpunkt, sagte ein anderer Besucher. Er hoffe nun diesbezüglich auf das Projekt Gleis 21. «Das Bistro sähe ich am liebsten in Form eines Sozialprojekts verwirklicht, etwa mit Einbezug von Mitarbeitenden mit Behinderung», sagte eine Frau.

Viel Erfahrung im Kulturbereich

«Während die Sanierung und deren Kosten in der Verantwortung der Stadt liegt, kümmern wir uns um den Innenbereich», sagt Camenisch. Den Aufwand für seinen Teil schätzt der Verein auf 500 000 Franken. Wie ihre Vorstandskollegen ist Camenisch kein unbeschriebenes Blatt im Terrain des Kulturmanagements. Einst administrative Leiterin des Haus Konstruktiv Zürich führt sie nun die Zürcher Stiftung «Ferien im Baudenkmal». Co-Präsidentin Carla Hohmeister arbeitet im Bereich Bühnen- und Filmsetausstattung, Fabian Hauser als Veranstaltungstechniker, und Christian Höhener ist als Schauspieler seit über 20 Jahren Teil des Komikerduos Lapsus. Nun hofft der Verein, dass die Stadt so schnell wie möglich mit der Sanierung beginnt, damit das Kulturzentrum im Frühjahr 2018 eröffnet werden kann.

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