Sie versteht sich als digitale Handwerkerin. Consuelo Keller ist sich dessen bewusst, dass diese Berufsbezeichnung als Oxymoron – als innerer Widerspruch – verstanden werden könnte. Werkt doch der Handwerker begrifflich verstanden mit seinen Händen und nicht am Computer.

Das stimme, sagt sie, aber «ich verstehe die digitale Komponente als Weiterentwicklung.» Da sie ihren Schmuck auf dem Computer mit einem 3-D-Programm kreiere, sei sie auch schöpferisch tätig.

«Ich habe jedoch den Vorteil, dass ich verschiedene Objekte in kürzester Zeit erst simulieren, sie verwerfen oder weiterspinnen kann. Wer mit seinen Händen arbeitet, braucht mehr Zeit.» Wenn die gebürtige Tessinerin von Objekten spricht, dann meint sie ihren Schmuck. Vor rund einem Jahr machte sie sich mit ihrem Label «Digimorphé» selbstständig. In ihrer ersten Kollektion finden sich Ringe und Armreifen. Ab heute zeigt sie ihre Kreationen an der «Grafik 14» in der Zürcher Maag Halle.

Die studierte Archäologin findet nicht, dass der Sprung zur Schmuckdesignerin so gross ist, wie manche denken. Im Archäologiestudium habe sie sich mit der visuellen Kultur der Antike befasst, mit den Materialien und den Produktionstechniken. Auch wichtig dabei war der Kontext der Objekte: Ob sie nun Schmuck entwirft, oder ein antikes Werkzeug erforscht, immer macht sie sich Gedanken über die Gesellschaft, die den Schmuck oder das Werkzeug benutzt. In einem Punkt ortet sie jedoch einen Unterschied. Als Archäologin war sie auf der Seite der Archivierer und Observierer, nun kreiert sie selber Gegenständliches. Genau dies habe in ihrer ersten Karriere gefehlt.

Vom 3-D-Modell zum fertigen Armreifen: So entstehen die Schmuckstücke von Consuelo Keller.

Wie der Schmuck von Designerin Consuelo Keller entsteht

Keller sitzt vor ihrem Labtop, der Hintergrund des Bildschirms ist violett, nur die Umrisse eines Armreifs sind zu sehen. Nun beginnt sie damit zu spielen, ihn zu variieren. Form und Kontur des Armreifens verändern sich schlagartig und im Minutentakt. Nun hat das Objekt Rillen, jetzt ist es dicker, dann nicht mehr rund, sondern mit Ausbeulungen. Alles geschieht mit wenigen, flinken Handgriffen auf der Tastatur. «Es ist ein Herantasten, ein Spielen mit der Form», sagt Keller und schon sieht der Reif wieder anders aus. Mit der Maus dreht sie ihn und beäugt ihn von allen Seiten.

Preis hängt von Dichte ab

Die nächsten Schritte sind nicht minder spannend. Im FabLab Zürich baute Keller ihren eigenen 3-D-Drucker, der dreidimensionale Gegenstände fabrizieren kann. Diesen hat sie nun in ihrem Dietiker Atelier stehen. Dort druckt sie die Prototypen ihrer Kreationen in Polymilchsäure, das zu den Polyestern gehört, aus. Entscheidet sie sich für eine Form, dann sendet sie die Angaben an eine 3-D-Druckerei, dort könne präziser gedruckt werden. Zudem ist dort der 3-D-Druck auch in unterschiedlichen Materialien möglich. Die aktuellen Schmuck-Kreationen von Keller sind meist aus geschmolzenem Polyamid.

Die Höhe des Preises für ihren Schmuck hängt von der Menge an Material ab, die dafür verwendet wird. Ein Stück, das wenig Material in Anspruch nimmt, kostet rund 40 Franken. Eines, das dicht gedruckt werden musste, kann bis zu 170 Franken kosten. Ihr Schmuck ist ab April an der Zürcher Europaallee in einem Concept Store erhältlich. Eine Handvoll Kreative bieten dort ihre Produkte an.

Keller hat ihre Werke bereits an mehreren Messen in Italien präsentiert. Wie reagieren die Leute auf gedruckten Schmuck? «Sehr unterschiedlich. Die einen finden es cool und innovativ, andere sind ein wenig gehemmt.» Der Wert eines Goldrings liege in seinem Material, bei Kellers Schmuck liege dieser aber im Prozess. Um dem vorzubeugen, hat Consuelo Keller aber bereits einen Plan: Sie wird in ihrer nächsten Kollektion auch Schmuck aus Metall anbieten.