Dietikon
Die Dietiker Stadtjodler fühlen sich im Stich gelassen

Der Verein kann die Miete der Stadthalle nicht mehr tragen und zieht mit dem traditionellen Jodler-Abend in die Sporthalle Tägerhard nach Wettingen. Bei der Stadthalle lässt man die Kritik nicht gelten und signalisiert Gesprächsbereitschaft.

Bettina Hamilton-Irvine
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Vor ein paar Tagen sangen die Stadtjodler nach 42 Jahren wohl das letzte Mal in der Stadthalle.Christian Murer

Vor ein paar Tagen sangen die Stadtjodler nach 42 Jahren wohl das letzte Mal in der Stadthalle.Christian Murer

«Ein Fest für das Herz»: Unter diesem Motto ging am letzten Wochenende der traditionelle Jodler-Abend in der Stadthalle Dietikon über die Bühne. Trotz des fröhlichen Anlasses hatte einer an diesem Abend ein schweres Herz: Hansruedi Weibel, Präsident der Dietiker Stadtjodler, sagte in einem Artikel der Limmattaler Zeitung, man werde den seit 42 Jahren stattfindenden Anlass zukünftig in der Sporthalle Tägerhard in Wettingen durchführen müssen, weil der Verein sich die hohe Saalmiete der Stadthalle nicht mehr leisten könne. Zudem seien in Wettingen erst noch die Parkplätze gratis.

Diese Aussagen gerieten Reto Siegrist, Präsident der Stadthalle Dietikon, in den falschen Hals. Er will sich gegen diesen «Rundumschlag gegen die Stadthalle» wehren, wie er es nennt. «Diese Art von Polemik ist unfair und nicht zielführend», sagt er. Denn auch wenn die Stadthalle mit der ganzen Infrastruktur ihren Preis habe, müsse betont werden, dass sich die Hallenmiete für die Dietiker Kartellvereine seit 15 Jahren nicht verändert habe.

Klar sei, so Siegrist, dass eine Veranstaltung in der Stadthalle mindestens 500 Besucher anziehen müsse, um sich zu rentieren – wobei der Eintrittspreis bei mehr als den von den Jodlern verlangten 10 bis 15 Franken pro Person liegen müsse. Zudem sei die Stadthalle eine der wenigen Hallen, wo noch eigenverantwortlich eine Festwirtschaft betrieben werden könne. Mit diesem Erlös könne man sich Stargäste und Attraktionen sichern. Mit einem guten Sponsoring schliesslich erziele man den Gewinn aus dem Anlass. Er sei überrascht, so Siegrist, dass sich Hansruedi Weibel nie bei den Verantwortlichen der Stadthalle gemeldet habe, um seine Bedenken zu thematisieren: «Wir sind immer gesprächsbereit. An uns soll es nicht liegen.»

Wie Weibel gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung sagte, habe er durchaus das Gespräch mit Vertretern der Stadthalle gesucht und seine finanziellen Sorgen dargelegt. Leider sei man ihm aber nicht entgegengekommen. Er habe für die Miete der Stadthalle inklusive aller Extras wie Infrastruktur eine Rechnung für gut 7000 Franken erhalten, so Weibel. «Das können wir einfach nicht mehr tragen.» Zwar habe er einige Sponsoren, die den Anlass unterstützten. Doch: «Wenn einer davon abspringt, kommen wir in die roten Zahlen.» Und auch die Festwirtschaft werfe keinen Gewinn ab. Weil die Stadtjodler sie nicht selber führen können, bezahle der Verein die Fasnachtsgruppe Guggihäxe dafür: «Das ist am Schluss mehr oder weniger ein Nullsummenspiel für uns.»

«Ich bin sehr enttäuscht»

Zudem hätten sich diverse der rund 600 Gäste bei ihm über die im letzten Dezember vom Stadtrat eingeführte Parkgebühr von 5 Franken für den Abend beschwert, sagt Weibel. Das könne er verstehen: «Wir haben ein älteres Publikum, die schauen einen Fünfliber von beiden Seiten an, bevor sie ihn ausgeben.» Deshalb habe er vor dem Anlass den Stadtrat diesbezüglich um Hilfe gebeten – jedoch ohne Erfolg. «Ich bin sehr enttäuscht, dass die Stadt uns nicht entgegenkommt», sagt Weibel. «Schliesslich locken wir jedes Mal rund 500 Auswärtige nach Dietikon und tun etwas für das kulturelle Leben.»

Schweren Herzens habe er sich nun nach Alternativen umgesehen und in Wettingen gefunden. Dort zahle er für Halle und Infrastruktur maximal 2500 Franken, sagt Weibel. Trotzdem: Der Stadthalle den Rücken zu kehren, falle ihm ausgesprochen schwer – schliesslich fänden die Jodlerabende schon seit 1972 immer dort statt. Noch habe er Hoffnung, dass sich eine Lösung finden lasse, bevor er in einer Woche den Vertrag für die Wettinger Halle unterschreiben müsse, sagt Weibel.

Siegrist wiederholte gestern auf Anfrage, er sei gesprächsbereit. Er sei überzeugt, dass sich eine Lösung für die Stadtjodler finden lasse. Dazu müssten diese aber auch selber etwas beitragen – und vor allem ihre Eintrittspreise überdenken: Man könne heute nicht mehr Preise wie in den 1990er-Jahren verlangen. Und: «Die Stadtjodler müssen moderner werden und ein paar Schritte vorwärts machen. Dann kommen auch mehr Leute an den Anlass.»

Siegrist verrät ausserdem, der Vorstand der Genossenschaft Stadthalle habe an seiner letzten Sitzung beschlossen, den Dietiker Kartellvereinen per 1. Juli einen Rabatt auf die Hallenmiete zu gewähren – unabhängig vom aktuellen Fall. Um wie viel es sich handelt, will er aber noch nicht sagen: Das werde den Vereinen im Juni kommuniziert.

Stadt will über Sponsoring reden

Stadtpräsident Otto Müller betonte gestern, Weibel habe die Stadt nur bezüglich Parkgebühren um Hilfe gebeten. Der Stadt sei viel daran gelegen, den Anlass der Stadtjodler in Dietikon zu behalten. Deshalb wolle er nun den Vereinspräsidenten in den nächsten Tagen zu einem Gespräch einladen, so Müller: «Wir sind bereit, über ein Kultursponsoring zu verhandeln.»