Verblüfftes Augenreiben auf der Tribüne des Stadions Niedermatten: Es läuft die 37. Minute im Spitzenkampf der 2. Liga interregional zwischen dem FC Wohlen II und dem FC Dietikon. Eine präzise Flanke zischt von links in den Wohler Strafraum. Mehrere Spieler steigen hoch und die Kugel prallt irgendwie vom Rücken des Dietikers Aleandro Norelli ins Tor. Ein kurioser Treffer. Doch der Grund für das Augenreiben bei den Zuschauern ist nicht die Art und Weise, wie dieses Tor gefallen ist – sondern das, was auf der Anzeigetafel zu sehen ist. Denn dort heisst es bereits 3:0 für Dietikon.

Doch der Reihe nach: Die Hausherren starten engagiert, gehen den Tabellenführer aus Dietikon mit forschem Pressing an. Doch die Elf von Neu-Trainer João Paiva hält dagegen, ist von der ersten Minute an hellwach und geht sogleich in Führung. Blazenko Klaric wird lanciert, behält die Übersicht und bedient den mitgelaufenen Norelli mustergültig. Dieser nutzt die erste Torchance der Partie eiskalt und sorgt in der 6. Minute für einen Traumstart. «Wir wussten, dass Wohlen II ein starkes Team hat. Wir wussten aber auch, dass wir sie unter Druck setzen können, wenn wir gleich von Anfang an auf die ersten Bälle gehen. Das ist uns gelungen», bilanzierte ein zufriedener João Paiva nach dem Spiel.

Eindrückliche Bilanz nach der ersten Halbzeit

Der ehemalige Profistürmer hatte auch allen Grund, zufrieden mit dem Auftritt seiner Equipe zu sein. Was der FC Dietikon insbesondere im ersten Durchgang zeigt, wie er den Tabellenzweiten phasenweise dominiert, beeindruckt. In der 15. Minute fällt bereits der zweite Treffer: Ein geblockter Abschlussversuch von Dino Duvnjak landet bei Klaric. Dieser lässt sich nicht zweimal bitten und schliesst ins nahe Eck ab. Bei diesem Treffer, wie auch beim nachfolgenden 3:0 durch Norelli, beanspruchen die Limmattaler Wettkampfglück. Es ist jedoch das Glück des Tüchtigen, das hier jeweils mit ihnen ist. Die Gäste sind stets eine entscheidende Spur gewillter, mutiger und heisser als die Wohler. Und dies schlägt sich bis zum Pausentee eindrücklich im Resultat nieder. Die Partie ist bereits mit dem Seitenwechsel entschieden.

Das Spiel beweist: Es läuft momentan einfach beim FC Dietikon. Seit Paiva an der Seitenlinie steht, verlor man in der Liga noch nie und grüsst darum verdient – wenngleich etwas unerwartet – mit einem Spiel weniger als die Konkurrenz von der Tabellenspitze. Es wirkt, als habe der Portugiese ein Geheimrezept gefunden, um den Limmattalern ein neues Selbstverständnis einzupflanzen. Davon will er jedoch nichts wissen: «Die Frage ist nicht, was ich richtig gemacht habe, sondern was die Jungs richtig gemacht haben. Sie sind unser Rezept. Sie geben in jedem Spiel einhundert Prozent, jeder will das Maximum herausholen. Der Teamgeist ist unglaublich.»

Diese Philosophie stellt sein Team in der zweiten Hälfte unter Beweis: Trotz Führung marschiert der FCD weiter, lässt die Aargauer nicht in die Partie finden. Grund hierfür ist insbesondere die abgeklärte Defensivleistung. Allen voran Tim Springmann zeigt eine ansprechende Leistung, grätscht viele Bälle ab und sorgt mit seinen Abwehrkollegen dafür, dass Wohlen erst in der 72. Minute zum ersten Torschuss kommt.

Die gesteigerte defensive Stabilität ist ein Faktor, der den unter Paiva erstarkten FCD auszeichnet. Mit lediglich drei Gegentoren aus sechs Partien stellt man die beste Abwehr der Liga. Und auch offensiv zeigt der FCD gegen Wohlen, was in ihm steckt: Die Gäste überzeugen mit einer Mischung aus jugendlicher Unbeschwertheit, abgeklärter Routine und enormer Kampf- und Laufbereitschaft. Die Tore durch Simic und Klaric in der Schlussphase sorgen für den 5:0-Endstand in einem Spitzenkampf, den Dietikon nie zu einem klassischen Spitzenkampf werden liess.

Kein Platz für Aufstiegsgedanken

Wer derart abgeklärt an die Tabellenspitze marschiert, der wird zwangsläufig irgendwann als Aufstiegsaspirant erkoren. Paiva möchte nicht so weit vorausdenken: «Jetzt geniessen wir erst einmal diesen Sieg. Am Montag geht es weiter mit der Vorbereitung auf das Spiel gegen Olten. Darauf fokussieren wir uns.» Bei den Limmattalern verliert man trotz des Traumstarts nicht die Bodenhaftung und geht den eingeschlagenen Weg beständig weiter. Gut möglich, dass sich viele bald wieder verdutzt die Augen reiben.