Feuerwehr
Die Dienstjahre in der Feuerwehr werden immer weniger

Die Bereitschaft sich langfristig in einem Verein zu engagieren sinkt, das Freizeitangebot steigt. Das merken auch die Ortsfeuerwehren. Erst kürzlich hat die Feuerwehr Geroldswil-Oetwil einen Aufruf gestartet, um neue Kameraden zu gewinnen.

Sandro Zimmerli
Merken
Drucken
Teilen
Die Ausbildung der Feuerwehr (hier in Birmensdorf) muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.

Die Ausbildung der Feuerwehr (hier in Birmensdorf) muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden.

mu

Eine Aufstockung ist nötig, weil das Korps nicht die von der Gebäudeversicherung Kanton Zürich vorgeschriebene minimale Anzahl Feuerwehrleute umfasst. Dieser Wert ist abhängig von der Bevölkerungszahl in den Gemeinden und beträgt in der Regel 60 Feuerwehrleute in kleineren Gemeinden oder 80 in Stützpunktfeuerwehren beziehungsweise grossen Gemeinden.

Kein Stadt-Land-Unterschied

Die Vermutung liegt nahe, dass gerade Feuerwehren in urban geprägten Gemeinden Mühe haben, genügend Leute zu finden. Denn in diesen Gebieten ist das Freizeitangebot besonders gross. Bei der Gebäudeversicherung, die für die Feuerwehren im Kanton zuständig ist, hegte man einen ähnlichen Verdacht und leitete vor zwei Jahren eine Untersuchung ein. Das Ergebnis überraschte auch den Leiter der Abteilung Feuerwehr bei der Gebäudeversicherung, Kurt Steiner.

«Es ist nicht so, dass man in urbanen Gemeinden mehr Mühe hat, genügend Feuerwehrleute zu finden. Selbst innerhalb derselben Region gibt es grosse Unterschiede», sagt Steiner. So führten gewisse Feuerwehren in urbanen Gegenden eine Warteliste, während es in ländlichen Gebieten schwierig sei, Leute zu finden.

Trotz dieser Erkenntnis sei es nicht von der Hand zu weisen, dass das Freizeitangebot und -verhalten auch Auswirkungen auf die Feuerwehr habe, so Steiner. «Das sehen wir bei den Verabschiedungen. Früher hatten wir oft Feuerwehrleute, die 25 Jahre ja sogar 30 Jahre Dienst leisteten. Dies ist heute immer weniger der Fall», sagt er.

Immer jüngere Offiziere

Dies habe einen Einfluss auf die Ausbildung. Es gebe immer jüngere Offiziere, denen es noch an der Einsatzerfahrung fehle. Hinzu komme, dass sich das Aufgabengebiet der Feuerwehr in den letzten Jahren gewandelt habe. «Die Feuerbekämpfung macht nur etwa 15 Prozent aller Einsätze aus.

Die restlichen 85 Prozent stehen im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen, dienen der Ölwehr oder finden im Bereich von biologischen Unfällen statt», so Steiner. Obschon nicht alle Korps den von der Gebäudeversicherung vorgegebenen Bestand erreichen, sieht Steiner keine Gefahr für die Bevölkerung.

«Es gibt eine Toleranzgrenze. Ein Unterbestand von 10 bis 15 Prozent ist noch nicht kritisch», sagt er. Die Anzahl der Feuerwehrleute sage noch nichts über ihre Leistung aus. Wichtiger sei die Erfüllung des Leistungsauftrags.

Am Tag ist es kritisch

«Dieser sieht vor, dass zehn Minuten nach der Alarmierung mindestens zehn Feuerwehrleute vor Ort sind. Nach 30 Minuten müssen es mindestens 30 Leute sein», so Steiner. Diese Bereitschaft müsse während 24 Stunden gewährleistet sein. Wobei der Tag die kritische Zeit sei.

«Feuerwehrleute, die in der Stadt Zürich arbeiten und ihren Dienst beispielsweise in Geroldswil leisten, sind nicht rechtzeitig am Einsatzort. Deshalb ist es wichtig, dass in Ortsfeuerwehren immer auch Leute tätig sind, die im Ort arbeiten.»